25.03.2001
Leonce und Lena-Preis für
Silke Scheuermann und Sabine Scho, Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis
für Mirko Bonne, Maik Lippert, Hendrik Rost
Der Darmstädter Leonce und Lena-Preis für Nachwuchslyriker
geht an Sabine Scho (Hamburg) und Silke Scheuermann (Frankfurt am
Main). Mit dem Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis werden die Werke von
Mirko Bonne (Hamburg), Maik Lippert (Erfurt) und Hendrik Rost (Burgsteinfurt)
ausgezeichnet. Die am Samstagabend in Darmstadt vergebenen Preise
sind mit je 15 000 Mark ausgestattet. An dem Wettbewerb hatten sich
zehn Dichter unter 35 Jahren beteiligt, die aus 469 Bewerbern ausgewählt
worden waren.
Die 30-Jährige Sabine Scho sei mit ihrem "schönen
Spracherweite-rungsprogramm" aufgefallen, hieß es in der Begründung
der Jury. "Auf bravoruröse Weise löst die Autorin die große
alte Aufgabe der Dichtung, ein äußerst zufälliges in ein ganz einzigartiges
Leben zu verwandeln." Die junge Dichterin wurde von Thomas
Kling entdeckt, der als Ehrengast des diesjährigen "Literarischen
März" eingeladen war.
Als Talent bezeichnete der Jury-Moderator Wilfried
Schoeller (Frank-furt am Main) die 28-jährige Silke Scheuermann.
Mit dem Preis wer-de ihre "Eigenständigkeit ihres Tonfalls"
anerkannt. Mit der "Melodik ironischer Melancholie" erzähle
die noch junge Dichterin von der Zerbrechlichkeit aller Erinnerung
und Liebe.
Mirko Bonne überzeugte die Jury mit seiner Mischung
als Um-gangssprache und Pathos, Hendrik Rost mit seiner Verbindung
von Alltagssituationen mit naturwissenschaftlich-philosophischen
Sach-verhalten. Maik Lipperts Gedichte zeichne der "plebejischen
Mutter-witz eines hemdsärmeligen Barden" aus.
Der Leonce und Lena-Preis sei entgegen der Tradition
geteilt wor-den, weil kein Autor herausgeragt habe, sagte Schoeller.
Jedes der vorgetragenen Werke habe Schwächen aufgewiesen. Einige
Jury-mitglieder hätten sogar mit dem Gedanken gespielt, gar keinen
Preis zu verleihen. Die ausgezeichneten Lyriker hätten jedoch gute
Anlagen und könnten ihren Weg gehen. Als hoffnungsvolles Zeichen
wertete Schoeller die Bandbreite der Werke: "Es waren erstaunlich
viele Stilrichtungen vertreten." Den Rückgang der Bewerbungen
von mehr als 600 auf 469 führte Schoeller auf neue kulturelle Entwick-lungen
zurück. "Viele junge Dichter gehen heute in die Hip-Hop-Szene."
"Der "Literarische März" habe in
den vergangenen zehn Jahren eine sehr gute Qualität erreicht",
sagte Ehrengast Thomas Kling, der bei seinen Bewerbungen nie in
die engere Wahl gekommen war. Aller-dings könne man nicht bei jedem
Wettbewerb ein herausragendes Talent erwarten. Auffällig sei jedoch,
dass die jungen Künstler sehr viel Wert auf ihren Vortragsweise
legten. "Die Lesungen früher waren teilweise absurd, da hatte
selbst die Ansage der Bahnauskunft mehr erotische Ausstrahlung."
Mit dem Gewinn ist die Einladung der "literaturWERKstatt"
nach Berlin zu einer Lesung verbunden. Sie wird die Werke zudem
in die Internetplattform "lyrikline.org" ein-speisen.
Diese von der UNO prämierte Website sei ein Sprungbrett auf die
internationale Bühne, sagte der Leiter der Einrichtung, Thomas Wohlfahrt.
Der Leonce und Lena-Preis wird seit 1970 alle zwei Jahre verliehen,
1999 erhielt ihn Raphael Urweider.
|