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07.06.2001
Jürgen Habermas erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Für seine bedeutenden gesellschaftskritischen
Arbeiten erhält der Soziologe und Philosoph Jürgen Habermas in diesem
Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Das teilte der
Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der die renommierte Auszeichnung
verleiht, am Donnerstag in Frankfurt mit.
Der Börsenverein ehre Habermas
als «den Zeitgenossen, der den Weg der Bundesrepublik ebenso kritisch
wie engagiert begleitete, der mehr als einer Generation die Stichworte
zur geistigen Situation der Zeit vermittelte und der von einer weltweiten
Leserschaft als der prägende deutsche Philisoph der Epoche wahrgenommen
wird», hieß es zur Begründung. Habermas habe weit über sein Fach
hinaus Wirkung erzielt. Überreicht wird der mit 25 000 Mark dotierte
Preis während der Frankfurter Buchmesse am 14. Oktober in der Paulskirche.
Der 71-jährige gebürtige
Düsseldorfer, der heute in Starnberg lebt, gilt als der am meisten
beachtete deutsche Philosoph der Gegenwart. Er ist der letzte prominente
Vertreter der berühmten «Frankfurter Schule» von Max Horkheimer
und Theodor W. Adorno.
Der Tübinger Literaturwissenschaftler
und Schriftsteller Prof. Walter Jens nannte die Auszeichnung für
Habermas «hochverdient, lange fällig und dennoch, im Zeichen des
allgemeinen Rechtsdralls hierzulande, zum richtigen Zeitpunkt gekommen.»
Der Preisträger selbst war am Donnerstag in den USA auf Reisen und
nicht zu erreichen. In Boston sollte er nach Angaben des Suhrkamp
Verlags die Ehrendoktorwürde der Harvard University entgegennehmen.
Habermas ist der 52. Träger
des Friedenspreises. Nachdem in den vergangenen Jahren überwiegend
Literaten die Auszeichnung erhalten hatten, ist mit ihm erstmals
wieder ein hochrangiger deutscher Geisteswissenschaftler in der
Preisträger-Riege vertreten. Vor ihm hatten etwa Karl Jaspers (1958),
Carl Friedrich von Weizsäcker (1963) und Ernst Bloch (1967) den
Friedenspreis erhalten.
Mit seiner Gesellschaftstheorie
habe Habermas die Tradition kritischer Aufklärung fortgeführt und
«Freiheit und Gerechtigkeit als die Grundlagen in Erinnerung gebracht,
an die jede staatliche Macht gebunden ist und die den unaufgebbaren
Kern des demokratischen Gemeinwesens ausmachen», hieß es in der
Begründung weiter. Mit seinem Rückgriff auf die Sprache als kommunikatives
Handeln habe er «die Imperative der praktischen Vernunft freigelegt,
(...) deren Anerkennung allein friedvolle Verständigung unter den
Bedingungen gesellschaftlicher Vielfalt und Verschiedenheit zustande
kommen lässt.»
Habermas hat den gesellschaftlichen
Diskurs der vergangenen Jahrzehnte maßgeblich geprägt. Mit seinem
Theoriemodell der herrschaftsfreien Kommunikation warb er für innergesellschaftlichen
Frieden und Demokratie. Erst im April füllte Habermas auf einer
Vortragsreise in China die Hörsäle mit seinen Plädoyers für die
Unteilbarkeit der Menschenrechte. In den vergangenen Jahren erregte
er mit seinen Überlegungen zur so genannten postnationalen Konstellation
Aufmerksamkeit. Darin beschrieb er den Bedeutungsverlust nationaler
Regierungen im Zeitalter der Globalisierung.
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