"Verheiratet mit der besten Ehefrau von allen -"
zum 80. Geburtstag von Ephraim Kishon
"Ich bin kein Schriftsteller. Ich bin nur ein Humorist. Erst wenn man stirbt, wird man ein Schriftsteller." Diese kritische und zugleich satirische Anmerkung über sich selbst äußerte einmal Ephraim Kishon. Jeder kennt sicher seine Satiren. Aber wie kam es dazu, dass Kishon Schriftsteller - pardon - Humorist wurde?
Ephraim Kishon wurde am 23. August 1924, als Ferenc Hoffmann in Budapest geboren. Sein Vater Dezsö war Bankdirektor und seine Mutter Elisabeth (geb. Steiner) zeitweise dessen Sekretärin. In dem Elternhaus sprach man weder Jiddisch noch Hebräisch. Der kleine Ferenc besuchte in Budapest eine höhere Schule, die er 1941 mit einem
ausgezeichneten Abitur abschloss. Schon früh zeichnete sich seine literarische Neigung ab, so gewann er als Sechszehnjähriger den 1. Preis eines nationalen Novellenwettbewerbs für Mittelschüler. Auf Grund der kurz zuvor eingeführten Judengesetze durfte er nicht studieren und so begann er eine Lehre als Goldschmied. 1944 wurde er wie viele seiner Landsleute zum Arbeitsdienst im Lager verpflichtet. Kurz vor Kriegsende gelang ihm in letzter Minute die Flucht, ehe er in Vernichtungslager abtransportiert werden sollte. Von seiner einstmals zwanzigköpfigen Familie überlebten außer ihm nur seine Eltern und seine Schwester den nationalsozialistischen Holocaust.
Nach dem Krieg studierte er an der Akademie für Metallskulptur in Budapest und heiratete 1946 seine erste Frau Chawa (Eva). Die Schriftstellerei blieb aber weiterhin seine Leidenschaft, wobei der Durchbruch ein purer Zufall war. Kishons Tante schickte ohne sein Wissen seine aller erste Satire zu einem landesweiten Wettbewerb der führenden ungarischen Literaturzeitung ... und er bekam den ersten Preis. Nun schien es mit der literarischen Anerkennung schnell zu gehen: er wurde Redaktionsmitglied des Satire-Blattes "Ludas Matyi" und begann Theaterstücke, Hörspiele und Satiren zu schreiben.
Ein Jahr später war er bereits wieder auf der Flucht, diesmal vor dem kommunistischen Regime in Ungarn. Er gelangte über Österreich und Italien nach Israel und wurde dort im Lager "Tor zur Heimat" untergebracht. Hier lebte er mit seiner Frau in einer Baracke zusammen mit einer elfköpfigen Familie aus Marokko. Von der Einwanderungsbehörde erhielt er den Namen, der ihn später weltberühmt machen sollte. 1950 zog er in das Kibbuz Kfar Hachoresch, wo er als Elektriker, Pferdeknecht und sogar als Latrinenreiniger arbei-tet. Nebenbei schrieb er für eine Zeitung, die in ungarischer Sprache erschien. Seine ersten Geschichten wurden ins Hebräische übersetzt. Ein Jahr später zog er sich ein ganzes Jahr in ein kleines abgeschiedenes Zimmer zurück und erlernte die hebräische Sprache. Ab 1952 schrieb er dann für die größte israelitische Tageszeitung "Maariv" eine tägliche Kolumne. Dreißig Jahre lang glossierte er hier unter dem Pseudonym "Chad Gadja" (Lämmchen) die Alltagsthemen in seiner unnachahmlichen Art und Weise.
Mit seinem ersten Roman "Der Fuchs im Hühnerstall" begann langsam die internationale Karriere. 1957 wurde sein erster Sohn Rafael geboren, doch die Ehe mit Chawa zerbrach und so heiratete er 1959 die junge Sara, die Absolventin einer Pianisten-Schule in New York war. Ihr setzte er später als der "besten Ehefrau von allen" in zahlreichen Satiren ein literarisches Denkmal. In den 60er Jahren schrieb er vor allem Theaterstücke, die in seinem Theater "Die Grüne Zwiebel" in Tel Aviv zur Uraufführung kamen. Es entstanden auch die ersten eigenen Filme. Seitdem war Ephraim Kishon neben seiner Schriftstellerlaufbahn auch als Regisseur und Journalist tätig. 1981 erwarb die Familie in Appenzell (Schweiz) ein Haus, doch erster Wohnsitz und Heimat blieb für Kishon weiterhin Israel.
Nach einem schweren Krebsleiden starb im Frühjahr 2002 Sara, die "beste Ehefrau", die er über alles geliebt hatte. Im Vorjahr heiratete der betagte Schriftsteller die Wiener Schriftstellerin Lisa Witasek. Auf die neugierige Frage "Warum er noch einmal geheiratet hat?", antwortete Kishon nur humorvoll "Warum nicht?"
Ephraim Kishon, der in diesem Monat seinen 80sten Geburtstag feiern kann, ist einer der beliebtesten und meistgelesenen Humoristen der Weltliteratur. In seinen politisch-satirischen Glossen, die längst Kultstatus erreicht haben, beschreibt er kritisch und augenzwinkernd die menschlichen Schwächen und Unzulänglichkeiten. Ob es um den heimlichen Terror moderner Technik oder die allmächtige Bürokratie geht, mit größten Vergnügen schlachtet der Autor die "heiligen Kühe" unserer Gesellschaft. Dabei schafft er es immer wieder, die Pointen am richtigen Platz zu setzen und mit großem Einfallsreichtum die Leser zum Schmunzeln, ja zum Lachen und Selbstertappen zu bringen. So mancher Glossentitel wie "Auch die Waschmaschine ist nur ein Mensch" oder "Unsere tägliche Unterschlagung gib uns heute" ist bereits eine Satire für sich.
Seine urkomischen Geschichten wurden in 37 Sprachen übersetzt und die Weltauflage seiner Bücher liegt bei 43
Millionen. In seinem Heimatland sind seine fast 50 Bücher natürlich besonders erfolgreich und nach der Bibel die bestverkauften Buchtitel. Auch in Deutschland stehen die Sammelbände mit seinen Satiren seit Jahrzehnten auf den Bestsellerlisten. Großen Anteil an diesem Erfolg hat dabei der österreichische Schriftsteller Friedrich Torberg, der bis 1981 seine Bücher aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte.
(©
2004 Manfred Orlick für all-around-new-books.de)
|