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Autoren-Portrait/-Biografie - Bibliografie


Friedrich Schiller

geb.

10 11.1759
Marbach am Neckar (Deutschl.)

gest.

09.05.1805
Weimar
"Durch diese hohle Gasse muss er kommen" -

200 Jahre Wilhelm Tell von Friedrich Schiller

Vor 200 Jahren, genau am 17. März 1804, erblickte eines der bekanntesten deutschen Theaterstücke das erste Mal das Bühnenlicht. Johann Wolfgang Goethe führte selbst Regie. Es war das Nationalepos "Wilhelm Tells" eines Dichterfreundes Friedrich Schiller, das an diesem Tag am damaligen Weimarer Hoftheater zur Uraufführung gelangte.

Friedrich Schiller (1759-1805) gilt als einer der bedeutendsten Dichter der deutschen Klassik wie der deutschen Literatur überhaupt. Kühnheit des Gedankens, revolutionäres Pathos und eine meisterhafte poetische Sprache zeichnen besonders sein dramatisches Werk aus. Bereits sein berühmter Erstling Die Räuber war durchglüht von Freiheitsdrang und Tyrannenhass. Mit dem Gegenwartsstück Kabale und Liebe prangerte er die Unmenschlichkeit des Feudalabsolutismus an, während er im Don Carlos den Kampf um bürgerliche Freiheit und nationale Unabhängigkeit gestaltete. Danach geriet Schiller in eine Schaffenskrise, doch gefördert durch die Zusammenarbeit mit Goethe fand er zur Dramatik zurück. In einem Jahrzehnt entstanden seine Meisterdramen, die zum Besitz unseres klassischen Erbes gehören: die monumentale Wallenstein-Trilogie, an der er fast zehn Jahre gearbeitet hatte, Maria Stuart, Die Jungfrau von Orleans, Die Braut von Messina und schließlich, bereits von der Todeskrankheit gezeichnet, Wilhelm Tell.

Historischer Hintergrund dieses letzten vollendeten Dramas von Schiller ist der 1291 beginnende Schweizer Unabhängigkeitskampf gegen die Habsburger. Die Waldstätten Uri, Schwyz und Unterwalden werden durch die Vögte des Kaisers hart unterdrückt. Besonders schlimm treibt es der Landvogt Geßler. Um jeden Funken Freiheitssinn zu ersticken, lässt er auf dem Markt zu Altdorf einen Hut auf einer Stange aufstellen, mit dem Gebot, dass jeder den Hut zu grüßen habe. Bei einer nächtlichen Zusammenkunft auf dem Rütli leisten die Vertreter der Schweizer Kantone einen Schwur und schließen ein Bündnis gegen die Tyrannei und für das Recht auf Freiheit.

Dieser Rütli-Schwur vollzieht sich ohne Wilhelm Tell. Der meisterhafte Armbrustschütze wird eher zufällig in das Geschehen einbezogen, denn er hat vergessen, den Hut des Landvogts Geßler zu grüßen. Dieser stellt ihn daraufhin vor die grausame Alternative, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen und damit dessen Leben zu riskieren, oder selbst zu sterben. Tell greift verzweifelt nach seiner Armbrust, steckt zwei Pfeile zu sich und wagt den Schuss, der ihm auch glückt. Auf Geßlers argwöhnische Frage, was er mit dem zweiten Pfeil beabsichtigt habe, antwortet Tell, dass dieser Pfeil sicher des Vogtes Brust nicht verfehlt hätte, wenn er sein geliebtes Kind getroffen hätte. Tell wird in Haft genommen, doch bei der Fahrt über den See gelingt ihm die Flucht. Nun beschließt er, Geßler zu töten, um dessen verbrecherisches Treiben zu beenden. In der hohlen Gasse bei Küssnacht durchbohrt er ihn mit einem Pfeil. Auf dieses Signal hin erheben sich die Eidgenossen, zerstören die Zwingburgen und verkünden ihre Freiheit.

Angeregt durch Goethe, der von seiner Schweizer Reise den Plan zu einem Tell-Epos mitgebracht hatte, begann sich auch Friedrich Schiller seit 1802 für diesen Stoff zu interessieren. Am 25. August 1803 begann er mit der Arbeit, von der er sagte: "Es ist ein Stoff, der mich bald anzieht, bald abstößt". Schiller, der selbst nie in der Schweiz war, beklebte alle Wände seines Zimmers mit Schweizer Spezialkarten und las Reisebeschreibungen, bis er mit den Örtlichkeiten des Schauplatzes auf das Genaueste vertraut war. Dabei studierte er die Geschichte der Schweiz, und nachdem er alles Material zusammengebracht hatte, setzte er sich an die Arbeit und - sprichwörtlich genommen - stand nicht eher von seinem Platze auf, bis er den Tell beendet hatte. So wurde das Stück in sechs Wochen fertig und es ist auch wie aus einem Guss geschrieben

Am 17. März 1804 wurde der Tell in Weimar uraufgeführt. Schon um drei Uhr nachmittags drängten sich die Menschen auf den Theaterplatz. Sogar im kleinen Kurtheater von Bad Lauchstädt spielte man im Sommer 1804 das personalaufwendige Stück, das in sei-ner Urfassung fünf Stunden dauerte. Anfang Juli hatte es dann in Berlin Premiere. Der Erfolg übertraf den seiner vorausgegangenen Dramen um ein Vielfaches. Kein anderes Werk Schillers hat eine solche Volkstümlichkeit erlangt und die Popularität des Dichters bestimmt wie der Wilhelm Tell. Viele Zitate aus dem Stück sind zu geflügelten Wörtern geworden. Wer ahnt heute noch, wenn er im Alltag Redewendungen wie Allzu straff gespannt, zerspringt der Bogen, Die Axt im Haus erspart den Zimmermann, Früh übt sich, was ein Meister werden will, Durch diese hohle Gasse muss er kommen oder Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt verwendet, dass er eigentlich Schiller zitiert. Es gehört zu den Seltsamkeiten, dass gerade dieser Hausgebrauch dazuführte, dass das Stück in den 200 Jahren vielfach verfälscht und missbraucht wurde. Kein anderes Stück wurde wohl so oft parodiert oder gar verdümmlicht. So wären dem Stück anlässlich seines Jubiläums zahlreiche würdige Neuaufführungen auf deutschen Bühnen zu wünschen. Schade, das neue Theater in Halle ist nicht mit dabei.
Veröffentlichung in "Pflaster", 1. Straßenmagazin für Sachsen-Anhalt Nr. 71 / März 2004, S. 16

(© 2004 Manfred Orlick für all-around-new-books.de)

Bibliografie -
Eine Auswahl seiner Bücher:

Don Carlos, Infant von Spanien (TB)

Die Räuber (TB)

Der Verbrecher aus verlorener Ehre (TB)

Werke und Briefe, 12 Bde (HB)

Wallenstein (HC)

Geschichte des Dreißigjährigen Krieges (HC)

Maria Stuart (TB)

Gedichte und Prosa (HC)

Der lachende Tragiker (HC)

Kabale und Liebe (HC)

Der Geisterseher (HC)

   

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