|
"Ein
Gedicht ist immer die Frage nach dem Ich."
(Gottfried Benn)
Arzt
und Dichter
Der
Autor und Arzt Gottfried Benn wurde als zweites
Kind des evangelischen Pfarrers Gustav Benn und
seiner Frau Caroline Jequier in Mansfeld (Westprignitz)
geboren. Benn wuchs in den dörflichen Verhältnissen
von Sellin/Neumark mit sechs Geschwistern auf.
Nach
dem Ende der Schulzeit in Frankfurt/Oder begann
Gottfried Benn ein Theologie- und Philosophiestudium
in Marburg. 1905 wechselte er zur Medizin und
studierte bis 1910 an der militärärztlichen
Kaiser-Wilhelm-Akademie Berlin.
Ab 1911 war er als Unterarzt in einem Infanterieregiment
tätig. Ein Jahr später nahm er aus gesundheitlichen
Gründen seinen Abschied vom Militär
und arbeitete an verschiedenen Berliner Krankenhäusern.
In dieser Zeit entstanden erste expressio-
nistische Gedichte.
1912 erschien seine Gedichtsammlung "Morgue"
und 1913 die Gedichtsammlung "Söhne".
1914
heiratete Benn Edith Osterlohe, die schon 1922
starb. Eine gemeinsame Tochter wurde 1915 geboren.
Im 1. Welt-
krieg arbeitete Benn als Oberarzt im besetzten
Brüssel. 1916 erschien seine Prosasammlung
"Gehirne". Im darauffolgen-
den Jahr ließ er sich als Arzt für
Haut- und Geschlechtskrank-
heiten in Berlin nieder. Gottfried Benn pflegte
in dieser Zeit zahlreiche Freundschaften zu bedeutenden
Künstlern. 1922 endete seine expressionistische
Phase, und er suchte nach formaler Perfektion.
1932
wurde Benn Mitglied der Preußischen Akademie
der Künste. Ab 1932 unterstützte er
für kurze Zeit offen die nationalsozialistische
Ideologie in Essays und Reden. 1934 distanzierte
er sich aber von seiner Haltung. Ein Jahr später
wurde er Stabsarzt in der Wehrmacht. 1938 wurde
er auf Grund seiner jetzt kritischen Haltung zum
Regime aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen.
Dies kam einem Veröffentlichungsverbot gleich.
Im gleichen Jahr heiratete er Hertha von Wedemeyer,
welche sich 1945 das Leben nahm.
Benn
verbrachte die Jahre 1943 bis 1945 in Landsberg
an der Warte. Während dieser Zeit entstand
seine eindringlichste Lyrik, die er später
als statische Gedichte zum Kern seines Schaffens
erklärte. 1945 kehrte er nach Berlin zurück
und begann wieder als Arzt zu praktizieren.
1946
heiratete Benn ein drittes Mal. Er ging die Ehe
mit der Ärztin Ilse Kaul ein.
Erneute Beachtung in der literarischen Öffentlichkeit
erfuhr Benn ab 1948 mit seinen Gedichtbänden
"Statische Gedichte", "Trunkene
Flut", "Fragmente" und "Destillationen".
Er beeinflusste damit maßgeblich die deutsche
Nachkriegslyrik.
1950 rechtfertigte er in seiner Autobiographie
"Doppelleben" sein Verhalten während
der Zeit des Nationalsozialismus.
1951
erhielt er den Büchner-Preis.
1956
feierte Benn seinen 70. Geburtstag. Im selben
Jahr, am 7. Juli, starb er in Berlin an Krebs.
Der Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
konnte ihm nur noch postum zuerkannt werden.
(©
2003 Ulf Großmann für all-around-new-books.de)
|