Start Auf zur Büchergalerie Top 10 Specials Gewinnen Newsletter Suche
Autoren Ausgezeichnet Buch + Medien Events Marktplatz Forum Kontakt Über uns
Biografie/Portrait
Interviews
   
   

Autoren-Portrait/-Biografie - Bibliografie


Joachim Ringelnatz

geb.

07.08.1883
Wurzen (Sachsen)

gest.

17.11.1934
Berlin


„Vom Seemann Kuttel Daddeldu“

Zum 70. Todestag von Joachim Ringelnatz

Er wurde einmal als das "große Kind unter den deutschen Poeten des 20. Jahrhunderts" bezeichnet: verspielt, unartig und doch liebenswert. Wer war dieser Joachim Ringelnatz? Der Bänkelsänger im Matrosenanzug, der dichtende Seemann oder der kauzige Vagabund? Über kaum einen Künstler ist soviel Unsinniges und Verfälschendes geschrieben worden wie über Hans Bötticher, denn unter diesem Namen wurde er als Sohn eines gutsituierten Musterzeichners für Tapeten und Jugendschriftstellers am 7. August 1883 im sächsischen Wurzen geboren.

Als Kind soll Hans ein typischer Lausebengel gewesen sein: wild, unordentlich und ungezogen. Schule und Lehrer sind ihm Albträume und so vertreibt er sich die Unterrichtsstunden mit Zeichnen, Gedichteschreiben und groben Späßen. Auf dem Leipziger Gymnasium dreht er zwei "Ehrenrunden", worauf ihn die Eltern auf eine Privatschule schicken.
Der Schul-Tunichtgut besteht trotz aller Ablenkungen und "unwissend wie eine Kanone" das Einjährigen-Freiwilligen- Examen. Ein lang gehegter Wunsch von Hans Bötticher ist, Seemann zu werden. Und so wird der spätere Dichter zunächst heimlich Schiffsjunge auf einem alten Segelschoner und dann Matrose auf Dampf- und Segelschiffen. Mit Unterbre-chungen bereist Hans insgesamt vier Jahre die Weltmeere. Zwischendurch und danach führt er weiter ein unstetes Leben; er absolviert eine kaufmännische Lehre in Hamburg und arbeitet als Hausmeister in einer Pension in England. Dann wird er als halb verhungerter Straßenmusikant in England und Holland aufgegriffen und ausgewiesen, anschließend ist er Lehrling in einer Dachpappenfabrik und Buchhalter in einem Münchener Reisebüro.

1909, Hans Bötticher ist 25 Jahre alt, erhält er die Gelegenheit, im "Simplicissimus", dem wichtigsten Treffpunkt der Münchner Boheme, seine skurrilen und schnurrigen Werke vorzutragen. Bald avanciert er zum "Hausdichter" der geschäftstüchtigen "Simpl"-Wirtin Kathi Kobus und kauft sich in der Nachbarschaft einen Tabakladen. Doch neun Monate später zieht er wieder rastlos durch die Lande als Bibliothekar, Fremdenführer oder Schaufensterdekorateur, bis er 1914 den Einberufungsbefehl erhält. Seinen Kriegsdienst absolviert er bei der Marine. Nach dem Kriegsende geht das Berufewechseln weiter: in einer Gartenbauschule oder als Archivar. Außerdem gibt es immer wieder Geldprobleme. "Wegen Essenmangel noch magerer geworden. Friere und hungere", schreibt er in sein Tagebuch.

In dem harten Winter 1919 entstehen seine Balladen vom "Seemann Kuttel Daddeldu" und die "Turngedichte". Er nennt sich jetzt Ringelnatz, was ein seemännischer Name für das "glücksbringende Seepferdchen" ist. Dann 1920 plötzlich der Durchbruch: die Daddaldu-Balladen werden veröffentlicht und Ringelnatz tritt zum ersten Mal im Berliner Kabarett "Schall und Rauch" auf, wo er als schwankender Seemann einen überwältigenden Erfolg hat. Auch seine "Turngedichte" trägt er sportlich so exakt vor, dass kein Turnlehrer daran etwas auszusetzen hätte. Er kann z. B. bei seinem "Bumerang"-Gedicht ein so dümmliches Gesicht machen, wenn er das Publikum darstellte, das "noch stundenlang wartete auf Bumerang".

Mit Ringelnatz kommt Ironie, Ulk, Nonsens, aber auch Melancholie und Nachdenklichkeit auf die deutsche Kabarettbühne. Über Nacht ist er ein gefragter Bühnenkünstler. Jetzt reiht sich Gastauftritt an Gastauftritt, Tournee an Tournee - eine Ochsentour des unermüdlichen Reisens. Die Jahre seiner Vortragstätigkeit sind außerdem von einer unermüdlichen literarischen Arbeit ausgefüllt - Seefahrergeschichten, Kinderverse, seine Marine-Kriegserinnerungen, alles in dieser Zeit ist mehr oder weniger erfolgreich, was jedoch die soziale Situation des Dichters nicht wesentlich verbessert.

1933 betreten die Nationalsozialisten die Bühne und erklären Joachim Ringelnatz zum "unerwünschten Autor". Es gibt Auftrittsverbote, zuerst für den "Simplicissimus", bald darauf für andere Städte. Anlässlich seines 50. Geburtstages veranstalten Freunde eine kleine Feier im Berliner Hotel "Kaiserhof", wo er zum letzten Mal seine Gedichte in Deutschland vorträgt. Er darf noch einmal unter großen Schwierigkeiten zu einem Gastspiel in die Schweiz reisen, doch todkrank kommt er im Februar 1934 nach Berlin zurück. Eine seit langem schwelende Lungentuberkulose bricht aus und sein Gesundheitszustand verschlechtert sich zusehends. Am 17. November 1934 stirbt das "Seepferdchen" Joachim Ringelnatz.

Hans Bötticher, der Seemann aus Wurzen, der schmächtige Mann mit der imposanten Hakennase, der "etwas schief ins Leben gebaut" war, der sich Joachim Ringelnatz nannte und als Beruf "reisender Artist" in Formulare und Meldezettel eintrug, der in seinem Leben ungefähr vierzig Berufe ausübte, blickte voller Staunen und Neugierde während seiner 51 Lebensjahre auf die Menschen und die Welt. Mit seinen heiteren Gedichten mit dem wundervollen Sinn für Un- und Tiefsinn brachte er den Deutschen einen neuen Humor bei. Leider beschränkt sich seine Popularität auch heute noch auf die unsterbliche Gestalt des lärmenden und dabei weichherzigen Seemanns Kuttel Daddeldu. So ist der zweite Teil seines Gesamtwerkes, sein malerisches Schaffen, fast völlig in Vergessenheit geraten. "Es ist so traurig", schrieb Erich Kästner bereits 1924, "dass die meisten über Ringelnatz als einen Hanswurst und Suppenkasper lachen. Merken denn so wenige, dass man keine Kabarettnummer, sondern einen Dichter vor sich hat?"

(© 2004 Manfred Orlick)

Bibliografie -
Eine Auswahl seiner Bücher:

Kuttel Daddeldu (HC)

Weihnachten mit Kuttel Daddeldu (Audio-CD)

Ich bin etwas schief ins Leben gebaut (Audio-CD)

Sämtliche Gedichte (Audio-CD)

Ritze, Rotze, Ringelratz (Audio-CD)

Es wippt eine Lampe durch die Nacht. Gedichte und Zeichnungen (TB)

Liebesgedichte (TB)

Überall ist Wunderland (Audio-CD)

Die wilde Miss vom Ohio. Und andere ungewöhnliche Geschichten mit 42 Handzeichnungen von ihm selbst (TB)

Und auf einmal steht es neben dir. Gesammelte Gedichte

Du mußt die Leute in die Fresse knacken (TB)

 

   

Copyright ©  all-around-new-books.de 
Alle Rechte vorbehalten. Impressum - E-Mail - Haftungsausschluss
Design und Realisierung: onlineAgentur.de GmbH



Mehr über
Joachim Ringelnatz ...
Homepage der Universität Göttingen
Joachim Ringelnatz - Verein ...
Homepage