|
Inhalt:
Nürnberg 1932: Die junge, lebenslustige Fotografin Irene
Scheffler übernimmt ein Atelier in einem Mietshaus, das
dem jüdischen Kaufmann Leo Katzenberger, einem Freund
ihres Vaters, gehört. Auf Bitten der Eltern steht Katzenberger
der gerade Zwanzigjährigen im fernen Nürnberg väterlich
zur Seite. Zwischen dem älteren Juden und dem Mädchen
entwickelt sich bald eine herzliche Freundschaft, die bei
den Mitbewohnern im Haus Neid und Misstrauen erregt. Eine
fatale Mischung aus Kleinbürgermief, vagen Vermutungen
und sexuellen Phantasien der Nachbarn führt zur Denunziation
der beiden. In einem aufsehenerregenden Schauprozess wird
das ungleiche Paar wegen "Rassenschande" verurteilt:
Leo Katzenberger stirbt 1942 unter dem Fallbeil, Irene Scheffler
kommt ins Gefängnis. Auch nach dem Krieg findet sie vor
deutschen Gerichten keine Gerechtigkeit, das Unrechtsurteil
der NS-Justiz wird nicht revidiert.
Christiane
Kohl dokumentiert in fesselnder Weise die von ihr akribisch
recherchierte Geschichte dieses Justizmordes. Anhand von Gerichtsakten,
Vernehmungsprotokollen, internen NS-Berichten und Interviews
mit Zeitzeugen rekonstruiert sie Atmosphäre und Ereignisse
detailgetreu. Ein beklemmender Einblick in die Lebens- und
Gedankenwelt ganz gewöhnlicher Deutscher in der Nazi-Zeit.
(©
2002 Goldmann Verlag)
Fazit:
Christiane Kohl schildert die Geschichte der Freundschaft
der lebenslustigen Fotografin Irene Scheffler und dem jüdischen
Kaufmann Leo Katzenberger im Deutschland der Nazi-Diktatur.
Katzenberger ist ein Freund der Familie Scheffler. Als Irene
nach Nürnberg kommt, hilft Leo ihr in väterlicher
Manier. Die herzliche Freundschaft der beiden stößt
im Rassenwahn und Denunzianten-tum an ihre in dieser Zeit
erlaubten Grenzen. Irene und Leo werden verhaftet und ein
Exempel wird statuiert. In einem aufsehenerregen-den Prozess
werden beide wegen Rassenschande verurteilt. Leo Katzenberger
stirbt unter dem Fallbeil, und Irene Scheffler landet im Gefängnis.
Christiane
Kohl dokumentiert, wie es zu diesem Ausgang der Geschichte
kommen konnte. Sie zeigt den Neid, die Missgunst, die Gier,
aber auch den Mut der Menschen um Irene und Leo.
Christiane Kohl schafft es, auf der Basis akribischer Recherchen
ein beklemmendes Bild des Deutschland der Nazi-Diktatur zu
erstellen. Es ist ihr gelungen - wie kaum einem anderen Autor
-, deutsche Geschichte anhand eines Einzelschicksals für
den Leser unter-haltsam aufzubereiten.
Insgesamt:
Ein absolut lesenswertes Buch mit hohem Anspruch.
(©
2002 Ulf Großmann für all-around-new-books.de)
******************************************************************************
Sie
haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar abgeben?
Dann bitte hier
entlang ...
|