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Inhalt:
Um
ihre immer schlechteren Leistungen in der Schule zu verbessern,
soll Mai-Linh bei einer Nachbarin und deren Sohn Dennis zu
Mittag essen und dann in der eigenen Wohnung lernen, denn
im Restaurant ihrer Eltern, wo der Rest der Familie arbeitet,
ist es zu laut zum konzentrierten Arbeiten.
Mai-Linh ist begeistert. Nicht nur weil sie jetzt Zeit für
sich hat, sondern vor allem, weil sie täglich Dennis, den
Schwarm aller Mädchen der Klasse, treffen wird. Doch der ist
von dem Mittagsgast alles andere als begeistert, was er deutlich
zeigt, auch indem er Mai-Linh als "Reisfresserin"
beschimpft. Nachdem sie und das afrikanische Nachbarmädchen
Cindy mehrfach ausländerfeindliche Schmierereien an ihren
Wohnungstüren gefunden haben, beschließen sie, gemeinsam gegen
Dennis vorzugehen.
Eine Gefangensetzung im Keller entlockt ihm kein Geständnis,
denn er hat mit der Sache nichts zu tun und somit auch nichts
zuzugeben. Trotzdem war das Kidnapping ein Erfolg, denn nun
haben sie in Dennis und seinen Freunden Verbündete zur Aufklärung
der Schmierereien. Sie finden den wirklich Schuldigen, doch
alles läuft ganz anders als geplant.
Fazit:
Thema
dieses Buches ist die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland,
stark geschürt durch die Neonaziszene.
Mai-Linh ist ein elfjähriges Mädchen, hier als Tochter zweier
Vietnamesen geboren und aufgewachsen. Bisher war sie noch
keiner Fremdenfeindlichkeit begegnet, ist in der Schule akzeptiert
und hat Freundinnen. Den Schmierereien steht sie eher ärgerlich
und überrascht als ängstlich gegenüber.
Zu Beginn wird die Mentalität und strenge Familienhierarchie
der Linhs anhand von kleinen Situationsbeschreibungen gut
veranschaulicht. Leider geschieht dies nicht in Bezug auf
die Gefahr, die durch die Urheber der Schmierereien für Ausländer
ausgeht, noch bezogen auf den Wandel Mai-Linhs von einem braven
Mädchen zu einem Kind, das sich über viele Regeln hinwegsetzt.
Dadurch fehlt dem Roman ein wenig die Tiefe, die eine Identifikation
des Lesers mit den Charakteren ermöglicht.
Unbedingt lobenswert ist dagegen die Handlung. Ereignisse,
Gedanken, Gefühle und Taten der Figuren wirken nicht konstruiert,
sind realistisch, altersgemäß und passen zueinander. Das Thema
der Ausländerfeindlichkeit wird nicht einspurig betrachtet:
Mai-Linhs Mutter möchte ihren Kindern den Umgang mit anderen
Ausländern verbieten, sie sollen sich ausschließlich deutsche
Freunde suchen. Anhand einer weiteren Figur wird sehr gut
gezeigt, wie und warum junge Menschen in die Neonaziszene
geraten können und, dass es schwer ist, wieder auszusteigen.
Ob Kinder das Ende als ebenso offen empfinden wie ein erwachsener
Leser, ist nicht gewiß. Zwar ist die Geschichte abgeschlossen,
doch das Leben geht weiter und die Neonazis in der Stadt sind
noch da.
(©
2002 Stefanie Brink für all-around-new-books.de)
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