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Inhalt:
Gegenwärtig herrscht bei vielen Menschen die Neigung
vor, sich abzugrenzen. Sie reagieren auf eine immer rasanter
werdende Mobilität mit Rückzug ins Private und ein
Streben nach persönlicher Sicherheit. Damit geht aber
der Kontakt zum Leben insgesamt verloren, sofern Vereinzelte
in eine nicht nur seelenschädigende Absonderung von ihren
Mitmenschen geraten.
Der
Autor dieses originellen Buches, ein Psychotherapeut aus der
tiefenpsychologischen Schule Alfred Adlers, empfiehlt, sich
dem angeblich Unvermeidlichem zu widersetzen. Er
macht überzeugend darauf aufmerksam, dass durch ein Deuten
von Tatsachen, und zwar gerade im mitmenschlichen Umgang,
diese ihre Schicksals-haftigkeit verlieren, wir so einen wertvollen
Handlungsspielraum zurückgewinnen können.
Die
120 Kurztexte bieten Lebensweisheit für den Alltag, und
zwar in Form von ermutigenden Denkimpulsen. Auf erfrischende
Art wird hier im Gegensatz zur verbreiteten Expertenhörigkeit
an den Haus-verstand appelliert, zugleich eine Entschärfung
innerer und äußerer Konflikte behutsam in die Wege
geleitet.
Nicht
so sehr Sachfragen kommen zur Sprache, eher solche, die sich
im zwischenmenschlichen Bereich ergeben und daher nur hier
eine zufriedenstellende Lösung finden. Ein Weiterdenken
wird angeregt, zuweilen zum Widerspruch herausgefordert, in
allem aber auf Möglichkeiten einer Humanisierung statt
Schwarzsehens und Krankjammerns aufmerksam gemacht.
Der Widerstand gilt dem Zwang zur Vereinzelung. Im Vordergrund
stehen Möglichkeiten des Vorbeugens und Heilens, weniger
Beschreibungen all dessen, was heute zu einem kontraproduktiven
Selbstmitleid Anlass geben könnte. Vorausgesetzt ist
stets, dass Menschen sich dazu bewegen lassen, auf Strategien
des Andere-Ausgrenzens und Sich-selber-Absonderns zu verzichten.
Angeknüpft wird an ein menschliches Grundbedürfnis,
den Dialog, ebenso Kooperation betreffend.
Ein
mutiges und hilfreiches Buch, das man zwar nicht "auf
einen Sitz" durchliest, nach dem man aber immer wieder
greifen wird. Denn allmählich spürt man heute, dass
ein solcher Aufbruch längst fällig ist.
(©
2002 Gerhard Brandl)
Buchbesprechung
- Rezension:
Zuerst möchte ich feststellen, dass für Leser, die
ein persönliches Interesse an dieser Thematik haben (und
nicht psychologisch vorgebildet sind), das Buch von Gerhard
Brandl durch seine einfache verständliche Sprache hilfreich
ist.
"Man redet viel, aber meistens aneinander vorbei",
heißt es im Vorwort von Gerhard Brandls Buch. Wer würde
ihm da nicht recht geben? Das ist zwar traurig, aber leider
wahr.
Die Gesellschaft setzt sich immer mehr aus Schein und nicht
mehr aus Sein zusammen. Jeder grenzt sich ab; es wird der
Individualismus gesucht oder zumindest die Suche nach außen
deutlich gemacht. Indem alle diesen Riten folgen, tritt genau
das Gegenteil von Individualismus ein. Die erfolgreiche Geschäftsfrau,
die am Ende des Tages allein in ihrer Wohnung mit einem Heulkrampf
zusammenbricht, ist nur eine Facette.
Die Menschen reagieren auf eine immer rasanter werdende Mobilität
mit Rückzug ins Private und einem Streben nach persönlicher
Sicherheit. Das menschliche Kontaktvermögen unterschätzt
sich selbst.
Der
Autor tritt mit dem hohen Anspruch auf, den Menschen eine
aktive Lebenshilfe zu bieten, indem er sie aus der privaten
Reserve lockt. Und es gelingt.
Das Buch gliedert sich in drei Schwerpunkte ("Fragen
kostet nichts", "Etwas zur Sprache bringen"
und "Sich in Bewegung setzen"), die jeweils mit
einem passenden Zitat eingeleitet werden. Die drei Abschnitte
sind in jeweils 40 Texte aufgegliedert.
Die 120 Kurztexte bilden die Basis für das Nachdenken
hin zu einer Neubelebung des Dialogs. Erschreckend oft findet
der Leser seine (Um-)Welt wieder. Und dann kommen die Widersprüche
und die Zweideutigkeiten von Sprache plötzlich hervor.
Das Nachdenken kommt in Gang und Gerhard Brandl hat einen
ersten Etappensieg im Kopf des Lesers errungen. Der Autor
ermutigt zu einem neuen "Zusammen", die Krankheit
der Moderne zu lindern und mit einer Wiederbelebung des Dialogs
als menschliches Grundbedürfnis zu beginnen. Die Notwendigkeit
dieses Aufbruchs, den Gerhard Brandl anspricht, ist am Ende
des Buches für den Leser zur Gewissheit geworden.
Man muss dieses Buch aber nicht gleich von vorn nach hinten
durchlesen. Es eignet sich ebenso zum lustvollen Blättern,
wenn einem danach ist.
(©
2002 Carlo Miller für all-around-new-books.de)
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