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Religion, Esoterik & Lebenshilfe

Aus der Isolation aufbrechen
Impulse wider Passivität, Vereinzelung und Privatismus

Autor: Gerhard Brandl

Taschenbuch, 254 Seiten
erschienen: 2002
MeinBuch (Book on Demand)
ISBN: 3-936128-00-6
Preis: 14,90 Euro

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Inhalt:
Gegenwärtig herrscht bei vielen Menschen die Neigung vor, sich abzugrenzen. Sie reagieren auf eine immer rasanter werdende Mobilität mit Rückzug ins Private und ein Streben nach persönlicher Sicherheit. Damit geht aber der Kontakt zum Leben insgesamt verloren, sofern Vereinzelte in eine nicht nur seelenschädigende Absonderung von ihren Mitmenschen geraten.

Der Autor dieses originellen Buches, ein Psychotherapeut aus der tiefenpsychologischen Schule Alfred Adlers, empfiehlt, sich dem angeblich Unvermeidlichem zu widersetzen. Er macht überzeugend darauf aufmerksam, dass durch ein Deuten von Tatsachen, und zwar gerade im mitmenschlichen Umgang, diese ihre Schicksals-haftigkeit verlieren, wir so einen wertvollen Handlungsspielraum zurückgewinnen können.

Die 120 Kurztexte bieten Lebensweisheit für den Alltag, und zwar in Form von ermutigenden Denkimpulsen. Auf erfrischende Art wird hier im Gegensatz zur verbreiteten Expertenhörigkeit an den Haus-verstand appelliert, zugleich eine Entschärfung innerer und äußerer Konflikte behutsam in die Wege geleitet.
Nicht so sehr Sachfragen kommen zur Sprache, eher solche, die sich im zwischenmenschlichen Bereich ergeben und daher nur hier eine zufriedenstellende Lösung finden. Ein Weiterdenken wird angeregt, zuweilen zum Widerspruch herausgefordert, in allem aber auf Möglichkeiten einer Humanisierung statt Schwarzsehens und Krankjammerns aufmerksam gemacht.
Der Widerstand gilt dem Zwang zur Vereinzelung. Im Vordergrund stehen Möglichkeiten des Vorbeugens und Heilens, weniger Beschreibungen all dessen, was heute zu einem kontraproduktiven Selbstmitleid Anlass geben könnte. Vorausgesetzt ist stets, dass Menschen sich dazu bewegen lassen, auf Strategien des Andere-Ausgrenzens und Sich-selber-Absonderns zu verzichten. Angeknüpft wird an ein menschliches Grundbedürfnis, den Dialog, ebenso Kooperation betreffend.

Ein mutiges und hilfreiches Buch, das man zwar nicht "auf einen Sitz" durchliest, nach dem man aber immer wieder greifen wird. Denn allmählich spürt man heute, dass ein solcher Aufbruch längst fällig ist.

(© 2002 Gerhard Brandl)


Buchbesprechung - Rezension:
Zuerst möchte ich feststellen, dass für Leser, die ein persönliches Interesse an dieser Thematik haben (und nicht psychologisch vorgebildet sind), das Buch von Gerhard Brandl durch seine einfache verständliche Sprache hilfreich ist.
"Man redet viel, aber meistens aneinander vorbei", heißt es im Vorwort von Gerhard Brandls Buch. Wer würde ihm da nicht recht geben? Das ist zwar traurig, aber leider wahr.
Die Gesellschaft setzt sich immer mehr aus Schein und nicht mehr aus Sein zusammen. Jeder grenzt sich ab; es wird der Individualismus gesucht oder zumindest die Suche nach außen deutlich gemacht. Indem alle diesen Riten folgen, tritt genau das Gegenteil von Individualismus ein. Die erfolgreiche Geschäftsfrau, die am Ende des Tages allein in ihrer Wohnung mit einem Heulkrampf zusammenbricht, ist nur eine Facette.
Die Menschen reagieren auf eine immer rasanter werdende Mobilität mit Rückzug ins Private und einem Streben nach persönlicher Sicherheit. Das menschliche Kontaktvermögen unterschätzt sich selbst.

Der Autor tritt mit dem hohen Anspruch auf, den Menschen eine aktive Lebenshilfe zu bieten, indem er sie aus der privaten Reserve lockt. Und es gelingt.
Das Buch gliedert sich in drei Schwerpunkte ("Fragen kostet nichts", "Etwas zur Sprache bringen" und "Sich in Bewegung setzen"), die jeweils mit einem passenden Zitat eingeleitet werden. Die drei Abschnitte sind in jeweils 40 Texte aufgegliedert.
Die 120 Kurztexte bilden die Basis für das Nachdenken hin zu einer Neubelebung des Dialogs. Erschreckend oft findet der Leser seine (Um-)Welt wieder. Und dann kommen die Widersprüche und die Zweideutigkeiten von Sprache plötzlich hervor. Das Nachdenken kommt in Gang und Gerhard Brandl hat einen ersten Etappensieg im Kopf des Lesers errungen. Der Autor ermutigt zu einem neuen "Zusammen", die Krankheit der Moderne zu lindern und mit einer Wiederbelebung des Dialogs als menschliches Grundbedürfnis zu beginnen. Die Notwendigkeit dieses Aufbruchs, den Gerhard Brandl anspricht, ist am Ende des Buches für den Leser zur Gewissheit geworden.
Man muss dieses Buch aber nicht gleich von vorn nach hinten durchlesen. Es eignet sich ebenso zum lustvollen Blättern, wenn einem danach ist.

(© 2002 Carlo Miller für all-around-new-books.de)

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