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Religion, Esoterik & Lebenshilfe

Zodiak
Die Geschichte der Astrologie
Elemente, Symbole und Hintergründe
von den Anfängen bis in die Gegenwart

Autor: Peter Berling

gebunden mit Schutzumschlag, 447 Seiten
erschienen: 2002
Ullstein

ISBN: 3-550-07536-7
Preis: 29,95 Euro

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Rückentext:
Die Astrologie, die Urmutter aller Wissenschaften, stößt bis heute auf gläubige Zustimmung wie entschiedene Ablehnung. Für die einen bloßer Aberglaube, ist sie für andere der Schlüssel zum Verständnis von Welt und Schicksal. Was vielen Befürwortern und Kritikern der Sterndeutung jedoch fehlt, ist die Kenntnis ihrer Geschichte und komplexen Symbolik. Die Astrologie ist ein kunstvolles Gedankengebäude, das im Laufe von Jahrtausenden entstand und die Deutung zahlreicher geheimnisvoller Zusammenhänge erlaubt.

Peter Berlings umfassende Darstellung des astrologischen Denkens führt von den Kulturen der Antike bis in die Gegenwart. Der Tierkreis und seine Zeichen werden systematisch und konstruktiv erklärt; ebenso zeigt der Autor die Irreführung und den Missbrauch astro-logischer Bilder auf.

Sachkundig, erzählerisch brillant und üppig illustriert - das neue Standardwerk zur Astrologie!

(© 2002 Ullstein Verlag)

Pressestimmen:
"Als ich vor längerer Zeit ein Fernsehinterview mit Peter Berling sah, wunderte ich mich, wie gut dieser Mann, der als Filmregisseur, Schauspieler und als Schriftsteller historischer Romane bekannt ist, in der Astrologie bewandert war. Seit ich aber sein Buch ZODIAK in den Händen halte, wundert mich nichts mehr. Es ist eines der brillantesten Bücher, das je von einem Nichtastrologen über die Astrologie geschrieben wurde.
Wer Hintergrundwissen sucht, wer sich mit der Geschichte und Entwicklung dieses großartigen Welterklärungsmodells befassen möchte, das Mensch und Kosmos in Einklang bringt, findet hier wirklich eine Schatztruhe. Das Buch ist von hoher Ästhetik, reichhaltig und farbig bebildert und in einer wunderbaren Sprache geschrieben. Von den Sternengöttern am Ende des Matriarchats bis zur Astrologie der Neuzeit – eine spannende Lektüre über ein faszinierendes Thema."

(Empfehlung und Originalzitat von Hajo Banzhaf - Tarotexperte und Autor von Büchern über Tarot und Astrologie - im Kundenkatalog März 2003, Seite 8 der Fa. Astronova)


Buchbesprechung - Rezension:

Berlings Buch enttäuscht - sowohl vom Inhalt her als auch von der Form. Zunächst macht es einen guten Eindruck: Reich illustriert liegt es gewichtig in der Hand. Ich glaubte, es mit einem schön aufgemachten und umfangreichen Werk über die Geschichte der Astrologie zu tun zu haben. Dann folgte die Realitätskontrolle. Und die war grausig.

Begründung: Die Bilder dienen lediglich dem Zweck, die Seiten-zahl des Buches aufzublasen. Dem selben Ziel dient auch der weit auseinandergezogene Zeilensatz. Das Buch hat 447 Seiten. Ziehen wir davon den Anhang ab, bleiben noch 365 Seiten. Die Hälfte ist mit beliebigen und belanglosen Bildchen gefüllt. Bleiben rund 180 Seiten. Schrumpfen wir die aufgeblasene Typographie - großer Zeilenabstand und großes Schriftbild -, bleiben 120 Seiten. Streichen wir alle inhaltslosen Leerformeln - beispielsweise: "schon, etwa, sicher, aber, gewiss" -, erhalten wir hundert Seiten. Ziehen wir jede Seite ab, die einen Fehler enthält, so bleiben vielleicht 50 Sei-ten. Und für 50 Seiten Gefasel soll jemand, der seine 5 Sinne bei-sammen hat, 30 Euro zahlen?

Der Autor ist kein Astrologe. Das merkt man. Und er gibt es auch selbst zu. Andererseits muss man kein Astrologe sein, um über Astrologiegeschichte zu schreiben. Man müsste aber wenigstens in der Geistesgeschichte fit sein. Die gesamte Geistesgeschichte ist durchdrungen von astrologischem Gedankengut, ein einziges Beispiel nur: Leonardo da Vincis Abendmahl - hier ist jeder Jünger als typischer Vertreter eines Tierkreiszeichens dargestellt. Die Geschichte der Astrologie ist riesig. Unmöglich, sie in einem einzigen Buch darzustellen. Also muss man sich beschränken. Beschränken auf das Wichtigste. In dem zu besprechenden Buch fehlt astrologisch Wichtiges und anderes wird breitgetreten. Über seine Auswalzung des 12 Jahre währenden 1000-jährigen Reiches schreibt der Autor selbst: "Seine Darstellung im Rahmen einer Geschichte der Astrologie mag übergewichtet anmuten ...".
Recht hat er. Warum tut er es dann? Wenn er hier wenigstens den Astrologen genannt hätte, der zu Beginn der Dreißiger Jahre den Aufstieg des österreichischen Gefreiten vorhersagte und unter anderem einen tiefen Fall Deutschlands ab 1941 nebst Selbstmord eben dieses österreichischen Gefreiten 1945. Dies war ja ein ganz wichtiges Motiv für die Astrologenverhaftungen 1941.

Der Autor verwendet jede Menge sinnloser Füllwörter. Ein Beispiel von Seite 185: "Erst Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe (1749 -1831) nahm sich der verstoßenen Schwester wieder an, ohne im Grunde allerdings besonders hilfreich zu wirken." Hier könnten sechs Füllwörter gestrichen werden. Ist er nach Umfang honoriert worden? Er befleißigt sich eines Stiles, der in den aus Hamburg kommenden illustrierten Blätter ganz lustig ist (Satzbeginn mit "auch, schon, aber, nachdem"), der aber in einem Buch nur von Kurzatmigkeit und mangelnder geistiger Durchdringung zeugt.

Es ist mir unverständlich, wie der Autor behaupten kann, an diesem Erguss zwei Jahrzehnte gearbeitet zu haben. Ein weiteres Beispiel für den unerträglichen Stil des Verfassers: "Eines sollte er sich allerdings bei diesen nicht denkbaren Bildern vor sein verborgenes Auge halten." (Seite 355, letzter Absatz). "Allerdings": eines der völlig überflüssigen Füllwörter, die der Verfasser bis zum Erbrechen benutzt. Wie soll ich mir etwas vor ein verborgenes Auge halten? Wie soll ich ein Bild sehen können mit einem verborgenen Auge? Wie soll ich ein nicht denkbares Bild sehen können? Mit einem verborgenen Auge? Sätze wie der zitierte machen das gesamte Buch aus. Der Autor sollte mal die gute alte "Stilfibel" von Ludwig Reiners lesen. Oder die Werke von Wolf Schneider. Wenn der Autor so denkt, wie er hier schreibt, dann gute Nacht.

Zwischenergebnis: von der sprachlichen Form her grausig. Wie sieht es mit dem Inhalt aus? Die Hervorbringung verspricht im Untertitel die Geschichte der Astrologie. Davon hat der Autor soviel Ahnung wie die Kuh vom Eistanz. In diesem Buch sind mehr Fehler als Windows 98 Bugs hat.
Ein paar Beispiele:

  • "Früheste bekannte Spuren von der Lehre vom Wirken der Sterne finden sich bei den sumerisch-akkadischen Völkern Babylons, im heute irakischen Zweistromland, seit etwa dem dritten Jahrtausend vor Christus." Richtig ist, dass die bislang älteste uns überlieferte Darstellung eines Tierkreises aus Nordwestafrika kommt und zu datieren ist auf 10 000 Jahre vor Christus. Dies hätte der Autor nachlesen können auf Seite 24 in einem 1983 erschienenen Standardwerk über Astrologie von Gertrud Hürlimann.
  • Der Autor erwähnt Cicero. Natürlich nennt er mit keinem Wort den Namen des damaligen Universalgelehrten: Ciceros Freund und Berater P. Nigidius Figulus, römischer Senator, Neuphytagoreer, Polyhistor und Okkultist. Er war der damalige Universalgelehrte, kannte die babylonischen Texte und beein-druckte seine Zeitgenossen mit spektakulären Prognosen. Gelernt hatte er die Astrologie bei Posidonius (etwa 135 bis 51 v. Chr.), in dessen Schule auf Rhodos er mit Cicero zusammen studiert hatte. Posidonius war Bewunderer der Lehren Platos und erachtete dessen astrologisches Werk Timaios als Kernpunkt der platonischen Gedanken.
  • Berling erwähnt Morin mehrmals, aber er unterschlägt die wichtige Information, dass Morin der Astrologe von Kardinal Richelieu und von Mazarin war. Angenommen, Sie, verehrter Leser, würden ein Buch über die Geschichte der Astrologie schreiben, würden Sie dann nicht die Information liefern, dass Richelieu - immerhin einer der Väter des heutigen Frank-reichs und ganz bestimmt nicht einer der Dümmsten - sich astrologisch beraten ließ?
  • Wie wichtig ist im Zusammenhang mit Astrologiegeschichte die Tatsache, dass der Kanzler der Sorbonne und nach-malige Kardinal Pierre D´Ailly von Frankreich die Reformation in ihren Grundzügen vorhersagte und im Jahre 1414 erklärte, es werde 1789 in Frankreich gewaltige Unruhen geben? Schon wichtig, oder? Autor Berling erwähnt dies mit nicht einem Wort.
  • Sommer 1559 befahl der französische König Heinrich II. bei einem Turnier seinem Gegner, ein drittes Mal gegen ihn anzutreten. Dies war regelwidrig. Heinrich II. wiederholte in scharfen Worten seinen Befehl. Obwohl er die schriftliche Vorhersage Gauricus aus dem Jahre 1555 kannte. Gauricus hatte unter anderem die Niederlage Franz des I. bei der Schlacht von Pavia vorausgesagt. Für Heinrich den II. war für Sommer 1559 die Prophezeihung des Gauricus: Der König kommt durch Kopfverletzung bei einem Einzelkampf an geschlossenem Ort in Lebensgefahr. Jeder verstand, was mit dieser diplomatischen Ausdrucksweise gemeint war. Heimlich bereitete sich der französische Hof auf den Herrscherwechsel vor. Ebenfalls im Jahre 1555 veröffentlichte der noch unbekannte Michel de Notredame: "Der junge Löwe wird den alten überwinden. Auf dem Kampffeld durch ein einziges Duell. Im goldenen Käfig wird er ihm die Augen durchbohren. Zwei Wunden werden zu einer. Danach stirbt er einen grausamen Tod." Heinrich der II. wurde sofort erkannt an der Beschreibung seines goldenen Helms mit dem Löwen darauf. Folge des dritten Gangs: 10 Tage später starb der König qualvoll. Lanzensplitter hatten durch Visier und Auge sein Gehirn durchbohrt. Notredame hatte damit seinen Ruhm gemacht. Gauricus war schon berühmt. Das Werk des Gauricus heißt "Opera Omnia" (die Werke von Allem; das Wirken von allem - geniales Wortspiel übrigens!) und ist erhalten. Jetzt kommt die 100.000 €-Frage: Was meinen Sie, hat der Autor des hier zu besprechenden Buches über Heinrich II. zusammen mit Gauricus erwähnt? Sie haben Recht. Hat er nicht.
  • Christopher Kolumbus ließ nach dem Auslaufen seiner Schiffe vor dem Hafen ankern, weil er den astrologisch günstigsten Zeitpunkt für sein Unternehmen abwarten wollte. Erfahren wir das in dieser sogenannten "Geschichte der Astrologie"? Die Frage stellen heißt sie verneinen.
  • Der Autor behauptet, die Astrologie war tot im 19. Jhdt. in Deutschland. Das war sie mitnichten. Wahr ist, dass der letzte astrologische Lehrstuhl in Erlangen in den 30-er Jahren des 19. Jahrhunderts geschlossen wurde. Gleichzeitig errechnete sich der Münchener Tischler Carl Vogt (1813 - 1860) nach seinem günstigen Horoskop auf Grund seiner astrologischen Studien einen großen Lotteriegewinn nach dem anderen. Er erlangte deutschlandweit Berühmtheit.
  • Berling versäumt, bei seiner vorgeblichen Darstellung der Hamburger Schule deren Transneptuner Vulkanus bei den Symbolen abzubilden. Also zeigt er nur sieben Symbole. Dabei weiß jeder, der sich nur mal kurz mit Astrologie-geschichte beschäftigte, dass die Hamburger Schule nun einmal eben acht sogenannte Transneptuner postuliert.
  • Im Kapitel "Die Schulen - eine Bestandsaufnahme" erwähnt er mit keinem Wort die heute wahrlich wichtigen Schulen:
    a) revidierte Astrologie, Thomas Ring - b) Frank Glahn - c) die an Frank Glahn angelehnte Münchner Rhythmenlehre, Wolf-gang Döbereiner, Thorwald Dethlefsen - d) die API des Ehe-paares Huber. Das Ehepaar Huber verbrachte Jahre in Florenz bei dem Gründer der Psychosynthese, Roberto Assagioli. Natürlich kein Wort darüber, statt dessen Geschwafel über Psychoanalyse, die ja - weiß Gott - sternenweit entfernt ist von Astrologie. Ausnahme: der Münchener Psychoanalytiker Fritz Riemann, der sich in dem Buch "Lebenshilfe Astrologie" zur Astrologie bekannte. Es braucht selbstverständlich nicht gesagt zu werden, dass Riemann auch nicht genannt wird.
    e) Es fehlt die esoterische Astrologie (die gibt es, es handelt sich hier nicht um einen Pleonasmus). - f) Es fehlt die trans-personale Astrologie. - g) Es fehlt der Hinweis auf die Tat-sache, dass Astrologie mehr und mehr in akademisch vorge-bildete Psychologenkreise vordringt: Dr. Xylander, Dr. Liz Green, Taeger, Dr. Niehenke, Dethlevsen, Dr. Dr. Stanislav Grofe - alles akademisch ausgebildete Dipl.-Psychologen oder Ärzte. Hier nur die Namen, die mir auf Anhieb einfallen. Inzwischen kann man an US-amerikanischen Universitäten Astrologie studieren und in Deutschland über astrologische Themen promovieren.
  • Dass die alte Lehre vom organisch-beseelten Kosmos, ver-treten von Plato im Timaios, über Ficino, Schelling, um nur drei zu nennen, gerade heutzutage im Zeitalter des Lasers und der Hologramme (sic! ) und angesichts der Lehren David Bohms, David Pribrams, Rubert Sheldrake sich einer bis in akademische Kreise vordringenden Renaissance erfreut, fehlt bei unserem Autorendarsteller.

Insgesamt: Vor Berlings Buch "Zodiak" kann nur gewarnt werden. Es ist sprachlich hingeschludert. Es ist inhaltlich von jeder Kenntnis unbeleckt, falls man von der im vorliegenden Fall aben-teuerlichen Idee ausgeht, ein Sachbuchschreiber solle etwas zu sagen wissen. Das Buch informiert nicht, sondern es wird Desinfor-mation betrieben. Dem Autor sei frei nach Lichtenberg gesagt: "Wenn ein Kopf und ein Thema zusammenstoßen und es klingt hohl, so muss nicht immer das Thema daran schuld sein."

Natürlich sind Illustriertenhoroskope Quatsch, sie sind ja keine Horoskope. Berlings Machwerk vermittelt subkutan den Eindruck, als sei das Illustriertengesülze Astrologie. Er suggeriert, jeder, der mal ein Zeitungshoroskop gelesen hat, könne mitreden. Berling nennt im Elaborat sein Geburtsdatum, leider ohne Zeit. Immerhin, soviel wissen wir: Berling hat Merkur Opposition Neptun. Sie stehen in Rezeption. Auf Merkur fällt die Halbsumme Jupiter/Pluto und Neptun. Autors Machwerk ist ein Musterbeispiel für die unerlöste Merkur-Neptun-Opposition. Oder in den Worten der 1925 erschiene-nen Sebottendorfschen Deutungstabellen: "Der Aspekt macht Niedrigstehende zu krankhaften Neigungen wie ... Schwindeleien, Hochstapeleien geneigt."

Wer sich interessiert für Astrologiegeschichte, findet im Buch "Mundan-Astrologie" der drei Berufsastrologen Baigent/Campion/
Harvent auf den ersten 70 Seiten mehr und richtige Informationen als in dem gesamten hochstapelnden Machwerk Berlings. Oder Sie besorgen sich das Buch: "Universum der Astrologie" von Derek und Julia Parker. Auch sie waren beide Berufsastrologen.

(© 2003 Holger Roehlig für all-around-new-books.de)

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