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Wirtschaft, Politik & Zeitgeschichte

Die Scharnhorst
Untergang und Entdeckung des legendären Schlachtschiffs

Autor: Alf R. Jacobsen

gebunden mit Schutzumschlag, 319 Seiten
erschienen: März 2004
Ullstein Verlag
ISBN: 3-550-07594-4
Preis: 22,00 Euro

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Klappen-/Rückentext:
Am ersten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1943 erteilte Hitlers Marine-Chef Karl Dönitz den letzten einsatzbereiten deutschen Schlachtschiff den Befehl, einen Konvoi aus 19 britischen Handelsschiffen anzuhalten. Doch was als langersehnter Durchbruch an der Nordostfront geplant war, endete in einer Trägodie. Mit Hilfe der Entschlüsselung deutscher Funksprüche und den Informationen des norwegischen Widerstands stellten die Briten der Scharnhorst eine Falle und versenkten sie in einer der letzten großen Seeschlachten der Kriegsgeschichte.
Es überlebten nur 36 von 1968 Männern des Schlachtschiffs. Im Jahr 2000 findest ein norwegisches Expeditionsschiff das lange verschollene Wrack.
Alf R. Jacobsen, der Leiter der Suchaktion, schildert in seinem Buch, wie es zu dem dramatischen Untergang kam, und berichtet von der sensationellen Entdeckung der "Scharnhorst" in 300 Meter Tiefe.

Zum Autor:
Alf R. Jacobsen, 1950 in Hammerfest geboren, ist ein preisgekrönter norwegischer Enthüllungsjournalist und Autor von mehr als 25 Büchern, Film- und TV-Drehbüchern. Jacobsen war an der Entdeckung der "Scharnhorst" und am Auffinden des britischen Trawlers "Gaul" beteiligt, der mit seiner gesamten Besatzung verschwand. Jacobsens für das norwegische NRK-TV und für BBC Timewatch gedrehter Film über die "Scharnhorst" wurde weltweit ausgestrahlt.

(© 2004 Ullstein Verlag)


Buchbesprechung - Rezension:

Zum Autor:

Nach den Verlagsangaben ist der Autor ein "Enthüllungsjournalist", Buch- und Drehbuchautor, der seinen Kindheitstraum mit der Auffindung des Scharnhorst-Wracks verwirklicht hat. Man darf sich von dieser Werbung aber nicht abschrecken lassen; tatsächlich wird beim Lesen klar, dass hier kein dramatisierender Journalist unverstandene Fachbegriffe oder populäre Halbwahrheiten verbreitet, sondern ein von ganzem Herzen an seine Wunschvorstellung glaubender Mensch aufgeschrieben hat, was ihn jahrelang umtrieb.

Zum Buch:
Jacobsen erzählt in 25 flüssig geschriebenen Kapiteln, wie die Scharnhorst an ihrer letzten großen Aufgabe scheitern musste, er als Kind ihre Geschichte als Mythos erlebte und dann als Erwachsener beharrlich suchte, um schließlich mit Hilfe der Königlich Norwegischen Marine und vielen auskunftbereiten Menschen das Wrack zu lokalisieren und zu filmen.

Jacobsen schlägt einen unüblich weiten Bogen, bis hin zu Fischern und Familienerinnerungen, mit dem er eine erkleckliche Zahl persönlich gefärbter Einzelbeobachtungen zu einem eindrucksvollen Ganzen verbindet. Besonders das Puzzlespiel mit den Fragmenten aus Fischereiseekarten, Erinnerungen und Aufzeichnungen der britischen Kriegsschiffe der "Force 1" und "Force 2" nötigt Anerkennung ab für die Geduld und auch die Spürnase Jacobsens. Eingestreut zwischen die Episoden der Recherche sind Erinnerungen der Menschen an Bord der britischen und deutschen Kriegsschiffe, in verschiedenen Stadien der Entwicklung der Angriffe auf die Lockkonvoys JW55B und RA55A. Da natürlich nur wenige ehemalige Besatzungsmitglieder der Scharnhorst befragt werden konnten, musste der Autor auf frühere Berichte von Überlebenden zurückgreifen. Das gelingt besser als vermutet, denn Jacobsen zeichnet die Charaktere zurückhaltend und verständnisvoll, lässt ihre Worte und Handlungen sprechen. Dabei nutzt er eine Vielfalt an Quellenmaterial, darunter alleine 18 norwegische Originalveröffentlichungen und polizeiliche Vernehmungsprotokolle aus der Lokalpresse, die sonst in englisch- oder deutschsprachigen Publikationen zum Seekrieg schon wegen der Sprachbarriere nicht ausgewertet werden. Auch werden Salewskis "Die Deutsche Seekriegsleitung", Beeslys "Very Special Intelligence ...", Dönitz´ "Zehn Jahre und Zwanzig Tage", natürlich Ruges "Der Seekrieg ...", Originalunterlagen des britischen Public Records Office und auch Whitleys "Deutsche Großkampfschiffe" herangezogen. Sogar die 18 Seiten Anmerkungen können zur Lektüre empfohlen werden, weil sie nicht nur den Haupttext vertiefen, sondern auch Interessantes, gar Lehrreiches, über den zeitgeschichtlichen Hintergrund der Quellen und die Personen vor Ort enthalten.

Eine Überraschung ist das Kapitel "Enttarnung in der Westprovinz". Man erfährt, wie eingeschleuste Agenten zusammen mit der Bevölkerung im besetzten Land dafür sorgen, dass die britischen Maßnahmen auf guten Beobachtungen fußen. Aber auch die Gegenseite, die Besatzer, haben ihre Rolle. Ganz ohne erzieherische oder moralisierende Attitüde schildert Jacobsen, wie Spionage und Gegenspionage funktionierte und Einfluss auf das große Geschehen nahm.

Buchtechnisches:
Kartenmaterial auf Vorsatz und Nachsatz, 8 Seiten mit einfarbigen Abbildungen, wenige Diagramme im Text. Die unüblich gute Übersetzungsleistung verdient Hervorhebung; an keiner Stelle stören Holprigkeiten oder unverhoffte Stilwechsel den Lesefluss. Nur zwei Satzfehler (abgesehen von der Anwendung der "reformierten" Schreibung) fielen auf, "Centimeter" auf S. 233 und "Tripitz" auf S. 304. Schade ist nur, dass keine Standbilder der Filmaufnahmen für das Buch verwendet wurden, sondern nur eine kaum als Echograph erkennbare Aufzeichnung, die ein beliebiges linsenförmiges gebrochenes Element vor einem einförmigen Hintergrund zeigt. So bleibt das Grab der Scharnhorst ohne optischen Eindruck.
Bei den Schiffssilhouetten hinter der Titelseite ist dem Verlag allerdings ein größeres Missverhältnis durchgerutscht: im Verhältnis zu den anderen vier ist die Silhouette des Ubootes entschieden zu groß geraten und zeigt anstelle der korrekten ungefähr 70 m eine Länge (und entsprechende Größe) von ungefähr 120 m an.

Bewertung:
Dies ist ein persönliches Buch, kein distanziert und objektiv sein wollendes Sachbuch, was ihm zum Vorteil gerät. So können gerade dem Leser die Leiden und Größen des Seekrieges nahegehen, der eher an Menschen, denn an Technik oder Militärgeschichte interessiert ist und sonst wohl kaum zu einem "Kriegsbuch" greift.
Einzig der Preis scheint etwas hoch, da die sonst üblichen Darstellungen des Wracks ("Titanic", "Bismarck") fehlen, bei diesem Thema aber heute erwartet werden dürfen, und wäre es nur als Beweis für des Autors Geschichte. Trotzdem: empfehlenswert.

(© 2004 Michael Titz für all-around-new-books.de)

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