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Inhalt:
Die Jahre von 1965 bis 1971 waren die Zeit der Hippies und Blumenkinder, des Jugendprotestes, großer gesellschaftlicher, künstlerischer und politischer Veränderungen weltweit. Die Nachkriegsgeneration erforschte von San Francisco bis Paris und Berlin mystische Philosophien, Halluzinogene, Spontaneität, Popmusik, freie Liebe und andere Utopien. Die Schlagworte und
Namen dieser Zeit sind bis heute im Bewusstsein, und die Ereignisse dieser Jahre haben unsere Welt nachhaltig verändert: Bob Dylan, Timothy Leary, Woodstock, Altamont, Easy Rider, LSD, Mao, Prager Frühling, Allan Ginsberg, Beatles, Give Peace A Chance, Vietnam, Martin Luther King, Andy Warhol, Sexuelle Revolution, Bed-in, Christopher Street Day, Stanley Kubrick, Jimi
Hendrix ...
(©
2004 Heyne Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
Vom 15. bis zum 17. August 1969 erfüllte sich in White Lake, 96 Kilometer südlich von Woodstock im US-Bundesstaat New York noch einmal der alte Hippie-Traum von einer Welt voller friedlicher und freundlicher Menschen, die in Liebe und Toleranz
zusammenleben. 400.000 Jungendliche bevölkerten trotz pausenlosen Regens das legendär gewordene Woodstock-Festival. Das Pop-Festival, das trotz dieser riesigen Menschen-menge von keinem hässlichen Zwischenfall gestört wurde und auf dem die Hippie-Ideologie tatsächlich gelebt wurde, war die "größte Show" seit der Bergpredigt. Führende Interpreten und Gruppen traten auf: The Who, Joan Baez, Joe Cocker, Santana, Janis Joplin und Jimi Hendrix, der hier seine brillante Version des "Star Spangled Banner" vortrug.
Woodstock war der Höhepunkt aber auch der Beginn vom Niedergang der Hippie-Bewegung, denn in diesem Sommer erschütterte eine Mordserie die Vereinigten Staaten. Grausamste Tat war das Blutbad an der hochschwangeren Filmschauspielerin Sharon Tate und vier anderen Unschuldigen. Zwei Jahre später fand die Bewegung der Blumenkinder ihr Ende. Die Rockmusik war zunehmend zum reinen Geschäft geworden. 1971 hatten zudem Brian Jones, Janis Joplin, Jimi Hendrix und schließlich Jimi Morrison den Tod gefunden. Viele Ideen der Hippies waren jedoch zum Allgemeingut geworden von der gesünderen Lebensführung bis zur Mode.
Es war in der zweiten Hälfte der Sechziger, als die Hippies mit ihren bunten Kleidern und den langen, teilweise blumengeschmückten Haaren zur Gegenkultur wurden. Sie suchten positive Stimulation durch Drogen und forderten befreite Sexualität. Dabei fielen sie nicht über Nacht vom Himmel. Neben den Beat-Poeten Allen Ginsberg und William Burroughs war die Musik der Auslöser für ihren Protest gegen Krieg und Wohlstands- und Konsum-gesellschaft. Bob Dylan begründete 1964 den Folk-Rock und schlug mit seinen Songs scharfe Töne der Sozialkritik und der Antikriegsideen an. Joan Baez schloss sich mit ihren Protestsongs noch unmittelbarer der Widerstandsbewegung an. Aus England kam die Musik der Beatles und Rolling Stones. Die Gruppe "The Byrds" verschmolz all diese musikalischen Einflüsse, mit ihr startete in Amerika die erste Hippie-Band.
Die Jahre 1965 bis 1971 waren die Zeit der Hippies und der Blumenkinder. Der englische Autor und Musikjournalist Barry Miles lässt in seinem prächtigen Bildband diese legendären Jahre noch einmal Revue passieren. Entstanden ist das wohl umfassendste Hippie-Geschichtsbuch. Dabei ist Miles keiner, der von außen und im nachhinein recherchiert hat, nein er war selbst Mitglied der Bewegung. Er gründete damals die Londoner Underground-Buchhandlung "Indica" und das "International Times Magazin" - er war also gewissermaßen mittendrin und ist somit Zeitzeuge und Chronist in einer Person.
Das Buch berichtet ausführlich von den Anfängen der Hippie-Bewegung, von den "Brutstätten" an der amerikanischen Westküste, bis zu den Gedächtnis-Woodstock-Festivals von 1994 und 1999. Es sind die Jahre der schweren Rassenunruhen in den USA mit den Morden an Malcolm X und Dr. Martin Luther King, der US-Bombardierungen in Nordvietnam und des Prager Frühlings. Im Mittelpunkt der knapp 400 Seiten stehen jedoch die Akteure der Flowerpower-Bewegung, die unzähligen Musikbands, die Hippie-Kommunen, die LSD-Szene und die Künstler von Andy Warhol bis Frank Zappa. Sie alle propagierten für ein Leben ohne Zwänge und bürgerliche Tabus.
Der opulente Bildband informiert umfassend (aber vornehmlich) über die amerikanischen und englischen Wurzeln jener Pop-Kultur, deren Opfer und Überlebende längst als Mega-Stars gefeiert werden. Er präsentiert sich in wunderbarer Weise selbst als ein Hippie-Produkt: schön bunt, schön schrill, einfach hippie! Eine solche Vielzahl von Bildern, Original-Postern, Plattencovers und Zeitschriftenartikeln, von Fotos mit bekifften Popstars und glückseligen Anhängern ist wohl einmalig.
Love, Peace and Hapiness - die Geschichte der Hippies, die Geschichte eines Lebensge-fühls und einer Zeit, als die Menschen von Liebe, Glück und Frieden träumten. "An alle alten Freaks und Hippies, wo immer sie auch sein mögen" - mit diesem Grußwort hat Barry Miles seine umfassende und authentische Chronologie eingeleitet. Er wird damit aber sicher auch viele Nachgeborene erreichen und begeistern.
(©
2004 Manfred Orlick für all-around-new-books.de)
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