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Inhalt:
Eine neue
Interpretation der Weihnachtsgeschichte
Heribert Fischedick erzählt noch einmal die Weihnachtsgeschichte, allerdings aus einem völlig anderen Blickwinkel. Er wagt einen kritischen Blick auf das »Fest der Feste« und stellt heraus, dass im Kern der scheinbar vertrauten Geschichte nicht der Bericht eines historischen Ereignisses, sondern ein Bild und tiefes Symbol einer Menschheitserfahrung steckt: Sehnsucht und Hoffnung. Sie sind der Motor, dass sich menschliches Leben auch in größter Not immer wieder zum Guten hin zu verändern beginnt und ein Neuanfang möglich wird.
(©
2004 Kreuz Verlag)
Buchbesprechung - Rezension:
Schon
wieder eine christliche Deutung der Weihnachtsgeschichte?
Nein! Das heißt: nicht nur.
Fischedick greift einzelne Bilder der biblischen Weihnachtsgeschichte
heraus, um uns daran ihren Symbolgehalt zu verdeutlichen und
uns die Stärke einer der ältesten Überlieferungen
unserer Kultur aufzuzeigen. Er bietet uns diese Bilder als
sinnstiftende Gleichnisse für unser Leben an. Mit ihrer
Hilfe thematisiert er grundlegende Elemente menschlichen Seins,
wie Sehnsucht und Hoffnung: "Wer die Sehnsucht kennt,
weiß auch, dass sie zur Verzweiflung werden kann, wenn
sie unerfüllt bleibt, der weiß aber auch, wie schön
sie sein kann, wenn Erfüllung in Aussicht steht und aus
der Sehnsucht die Aufregung der Vorfreude wird. In der Sehnsucht
kommt beides zusammen: das starke Erleben eines Defizits und
zumindest eine Ahnung von der Lösung, die zur Erlösung
werden könnte." (S. 14)
Da findet man zum Beispiel die Betrachtung von Johannes (und
seiner Geschichte), der als Sinnbild für Krise und Veränderung
stehen kann. Mit dem Bild der Geburt verknüpft Fischedick
das Erkennen des Wesentlichen im Allgemeinen, im Alltäglichen,
das Erkennen Gottes im Bettlergewand. So weist er uns darauf
hin: "Alles andere ist wichtiger, bedeutsamer, scheint
eher geeignet, uns Vorteile im Leben zu bieten. Und erst,
wenn Krisen den bisherigen Lebensaufbau zerstören, wird
mancher offen für die Frage nach dem, was im Leben wirklich
trägt."
Die Auseinandersetzung mit dem Neuen ist für uns immer
wieder und wieder eine anspruchsvolle Aufgabe. So stellt es
der Autor auch in seinem Kapitel über die jungfräuliche
Mutter dar: "Der große amerikanische Mythologie
Joseph Campbell hat einmal gesagt, der Drache, den der Held
töten muss, sei der Drache "Haltefest", der
die Vergangenheit festhalten will, er ist der Status quo bzw.
die Kraft, die uns an ihm festhalten lässt. Psychologen
fragen in diesem Zusammenhang, weshalb wir wohlbekannte Höllen
mehr lieben als unbekannte Himmel? Und die Antwort ist klar:
Weil sie uns eben vertraut sind und wir uns mit ihnen auskennen,
während uns das Unbekannte bedroht. Denn es liegt in
der Natur der Sache, dass das Neue, Kommende, Werdende das
Alte, Bestehende auflösen wird. Da ist es nur verständlich,
dass an dieser Grenze zwischen dem, was ist und dem, was werden
soll, Angst wartet." (S. 24)
Schwerpunkt
der Betrachtungen Fischedicks ist der christliche Glaube,
ist die Bibel, aber seine dargebrachten Gedanken sind nicht
darauf begrenzt. Das Buch kann uns Aufforderung sein, mal
wieder die Bibel zur Hand zu nehmen, noch ein wenig tiefer
in unsere Kultur hineinzulesen und somit uns in unserem Menschsein
noch etwas gründlicher und sinnbringender zu erkennen
und zu erfahren. "Von Origenes, einem spirituell
tief erfahrenen Theologen der Anfangszeit, stammt die Aussage,
jeder biblische Text habe einen Körper, eine Seele und
einen Geist. Der Körper eines Textes entspreche seinen
Buchstaben und damit auch der buchstäblichen Bedeutung,
seine Seele seien die menschlichen Erfahrungen, die sich in
ihm ausdrückten, sein Geist aber erzähle in diesen
Zeichen von der zeitlosen Wirklichkeit des Göttlichen."
(S. 57)
Seine eigenen Aussagen unterstützend weist der Autor
darauf hin, dass wir Texte nicht ausschließlich wörtlich
auslegen und nicht nur theologische Gedanken in ihnen suchen
sollten. Wenn wir darüber hinaus gehen, wenn wir noch
einen Schritt weiter gehen als "nur" die erste,
die wörtliche, Ebene zu sehen, erschließen sich
uns wahrhaftig phänomenale Bilder. Er bleibt jedoch nicht
beim Verweis auf mögliche Lesarten, sondern gibt uns
auch direkte Hinweise dazu mit auf den Weg, psychodynamische
und spirituelle Entsprechungen etwa.
Er zeigt Parallelen der einzelnen Kulturen auf, sei es nun
in der Religion der Griechen, im Christentum, im Buddhismus.
So stellt er zum Beispiel Buddha und Jesus direkt nebeneinander.
"Viele der Jesus zugeschriebenen Lehrsätze,
Parabeln und Bilder in den Evangelien sind klassisch buddhistisches
Gedankengut." (S. 61) - so ergänzt Fischedick
an späterer Stelle.
Der
Text ist im besten Sinne besinnlich, spirituell, nachdenkenswert
- für Christen und Nichtchristen. Das Buch hat ein schönes
Format und ist auch äußerlich ansprechend gestaltet;
die kurzen Kapitel regen an, immer mal wieder darin zu lesen.
(©
2004 Cornelia Eichner für all-around-new-books.de)
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