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Special Interest: Adventskalender 2004

Aus Sehnsucht geboren
Die Weihnachtsgeschichte als Symbol der Hoffnung 

Autor: Heribert Fischedick

gebunden, 78 Seiten
erschienen: 2004
Kreuz Verlag
ISBN: 3-7831-2466-2
Preis: 9,90 Euro

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Inhalt:
Eine neue Interpretation der Weihnachtsgeschichte

Heribert Fischedick erzählt noch einmal die Weihnachtsgeschichte, allerdings aus einem völlig anderen Blickwinkel. Er wagt einen kritischen Blick auf das »Fest der Feste« und stellt heraus, dass im Kern der scheinbar vertrauten Geschichte nicht der Bericht eines historischen Ereignisses, sondern ein Bild und tiefes Symbol einer Menschheitserfahrung steckt: Sehnsucht und Hoffnung. Sie sind der Motor, dass sich menschliches Leben auch in größter Not immer wieder zum Guten hin zu verändern beginnt und ein Neuanfang möglich wird.

(© 2004 Kreuz Verlag)


Buchbesprechung - Rezension:
Schon wieder eine christliche Deutung der Weihnachtsgeschichte? Nein! Das heißt: nicht nur.
Fischedick greift einzelne Bilder der biblischen Weihnachtsgeschichte heraus, um uns daran ihren Symbolgehalt zu verdeutlichen und uns die Stärke einer der ältesten Überlieferungen unserer Kultur aufzuzeigen. Er bietet uns diese Bilder als sinnstiftende Gleichnisse für unser Leben an. Mit ihrer Hilfe thematisiert er grundlegende Elemente menschlichen Seins, wie Sehnsucht und Hoffnung: "Wer die Sehnsucht kennt, weiß auch, dass sie zur Verzweiflung werden kann, wenn sie unerfüllt bleibt, der weiß aber auch, wie schön sie sein kann, wenn Erfüllung in Aussicht steht und aus der Sehnsucht die Aufregung der Vorfreude wird. In der Sehnsucht kommt beides zusammen: das starke Erleben eines Defizits und zumindest eine Ahnung von der Lösung, die zur Erlösung werden könnte." (S. 14)

Da findet man zum Beispiel die Betrachtung von Johannes (und seiner Geschichte), der als Sinnbild für Krise und Veränderung stehen kann. Mit dem Bild der Geburt verknüpft Fischedick das Erkennen des Wesentlichen im Allgemeinen, im Alltäglichen, das Erkennen Gottes im Bettlergewand. So weist er uns darauf hin: "Alles andere ist wichtiger, bedeutsamer, scheint eher geeignet, uns Vorteile im Leben zu bieten. Und erst, wenn Krisen den bisherigen Lebensaufbau zerstören, wird mancher offen für die Frage nach dem, was im Leben wirklich trägt."
Die Auseinandersetzung mit dem Neuen ist für uns immer wieder und wieder eine anspruchsvolle Aufgabe. So stellt es der Autor auch in seinem Kapitel über die jungfräuliche Mutter dar: "Der große amerikanische Mythologie Joseph Campbell hat einmal gesagt, der Drache, den der Held töten muss, sei der Drache "Haltefest", der die Vergangenheit festhalten will, er ist der Status quo bzw. die Kraft, die uns an ihm festhalten lässt. Psychologen fragen in diesem Zusammenhang, weshalb wir wohlbekannte Höllen mehr lieben als unbekannte Himmel? Und die Antwort ist klar: Weil sie uns eben vertraut sind und wir uns mit ihnen auskennen, während uns das Unbekannte bedroht. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass das Neue, Kommende, Werdende das Alte, Bestehende auflösen wird. Da ist es nur verständlich, dass an dieser Grenze zwischen dem, was ist und dem, was werden soll, Angst wartet." (S. 24)

Schwerpunkt der Betrachtungen Fischedicks ist der christliche Glaube, ist die Bibel, aber seine dargebrachten Gedanken sind nicht darauf begrenzt. Das Buch kann uns Aufforderung sein, mal wieder die Bibel zur Hand zu nehmen, noch ein wenig tiefer in unsere Kultur hineinzulesen und somit uns in unserem Menschsein noch etwas gründlicher und sinnbringender zu erkennen und zu erfahren. "Von Origenes, einem spirituell tief erfahrenen Theologen der Anfangszeit, stammt die Aussage, jeder biblische Text habe einen Körper, eine Seele und einen Geist. Der Körper eines Textes entspreche seinen Buchstaben und damit auch der buchstäblichen Bedeutung, seine Seele seien die menschlichen Erfahrungen, die sich in ihm ausdrückten, sein Geist aber erzähle in diesen Zeichen von der zeitlosen Wirklichkeit des Göttlichen." (S. 57)
Seine eigenen Aussagen unterstützend weist der Autor darauf hin, dass wir Texte nicht ausschließlich wörtlich auslegen und nicht nur theologische Gedanken in ihnen suchen sollten. Wenn wir darüber hinaus gehen, wenn wir noch einen Schritt weiter gehen als "nur" die erste, die wörtliche, Ebene zu sehen, erschließen sich uns wahrhaftig phänomenale Bilder. Er bleibt jedoch nicht beim Verweis auf mögliche Lesarten, sondern gibt uns auch direkte Hinweise dazu mit auf den Weg, psychodynamische und spirituelle Entsprechungen etwa.

Er zeigt Parallelen der einzelnen Kulturen auf, sei es nun in der Religion der Griechen, im Christentum, im Buddhismus. So stellt er zum Beispiel Buddha und Jesus direkt nebeneinander. "Viele der Jesus zugeschriebenen Lehrsätze, Parabeln und Bilder in den Evangelien sind klassisch buddhistisches Gedankengut." (S. 61) - so ergänzt Fischedick an späterer Stelle.

Der Text ist im besten Sinne besinnlich, spirituell, nachdenkenswert - für Christen und Nichtchristen. Das Buch hat ein schönes Format und ist auch äußerlich ansprechend gestaltet; die kurzen Kapitel regen an, immer mal wieder darin zu lesen.

(© 2004 Cornelia Eichner für all-around-new-books.de)

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