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Klappentext:
Im Alter von 18 Jahren
erprobt Catherine eher zufällig mit Freunden in Lyon
Gruppensex - ein Erlebnis, dem sie mit einer eigentüm-lichen
Mischung von intellektueller Neugier und unbefangener Experimentierfreude
begegnet. Ohne dass sie sich zu diesem Zeitpunkt dessen bewusst
ist, nimmt hier der Weg einer Frau seinen Anfang, die entschlossen
ist, ihre Sexualität von allen Zwängen zu befreien.
Dabei ist Millets Lust an der Lust nicht an bestimmte Lokalitäten
gebunden: Ob im Bois de Boulogne oder auf Parkplätzen,
in Peep-Shows oder den schicken Appartements der arrivierten
Pariser Kunstszene - jeder Ort mit seinen ganz eigenen Gegebenheiten
ist Catherine Millet recht, um ihren unstillbaren Drang nach
Neuem zu befriedigen und ihr Spektrum von Erfahrungen zu erweitern.
In einer losen Folge von Bildern,
Szenen und Sequenzen legt die Autorin mit einer noch nie da
gewesenen Offenheit die intimsten Details ihres sexuellen
Lebens dar. Die verblüffende Radikalität besteht
dabei jedoch weniger in dem Tabubruch als in der gelassenen
Selbstverständlichkeit, der unaufgeregten Lakonie, mit
der Millet ihre Erlebnisse schildert. Ob sie den eigenen Körper
oder die ihrer Liebhaber beobachtet, über bevorzugte
Praktiken reflektiert oder ihre sexuellen Phantasien bloßlegt,
stets ist es, als richte sie den Blick von außen durch
eine Kamera auf sich selbst.
Die Souveränität im Umgang mit der Sprache, die
analytische Präzision ihrer Aufzeichnungen und nicht
zuletzt die minutiösen Bilder, mit denen sie sexuelle
Handlungen beschreibt, verraten dabei das Auge der international
angesehenen Kunstexpertin, der intellektuelle Neugier wesentlicher
Reiz und Stimulans für Sexualität ist. Diese Mischung
von bedingungsloser Offenheit und sachlicher Selbstbeobachtung
ist es, die dieses Buch zum Ereignis macht. Denn fest steht:
So hat noch nie eine Frau über ihre Sexualität geschrieben.
(©
2001 Goldmann Verlag)
Fazit:
Ein Tabubruch wurde angekündigt. Der Tabubruch ist aber
nicht das Buch, sondern die Herausgabe bei Verlagen, die mit
ihrem Namen (bislang) keineswegs für Pornografie stehen.
Und Catherine Millet ist keine Pornoqueen oder Edelnutte,
sondern eine in Frankreich bekannte Kunstexpertin. Ihr Roman
tangiert aber zumindest das Pornogenre.
Das Buch teilt sich in vier
Abschnitte, die untereinander austauschbar scheinen. Ohne
Dialoge offenbart Catherine Millet ihren vermeintlich wichtigsten
Lebensinhalt.
Die Autorin beschreibt ihre sexuellen Handlungen detailreich
und scheinbar (oder berechnend?) unersättlich. Auf den
284 Seiten wird kein Loch der Haupt- und Selbstdarstellerin
Catherine Millet ausgelassen. Daher sind Wiederholungen unvermeidbar
und mit der Zeit arg ermüdend.
Der Inhalt des Buches
lässt sich am besten mit einem Satzabschnitt aus dem
Werk selbst beschreiben: „... meine Möse darauf
vorzubereiten, deren Öffnung ich nur mit einem kleinen
Vogel vergleichen kann, der den Schnabel unersättlich
aufsperrt.“
Trotzdem las ich das Buch
mit einer gewissen Spannung, da ich auf etwas wartete, was
nicht kam. Ratlos blieb ich zurück. Vielleicht gibt es
trotzdem eine zweite Ebene, die Catherine Millet dazu trieb,
dieses Buch zu schreiben. Ich konnte sie nicht entdecken.
(©
2003 Ulf Großmann für all-around-new-books.de)
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