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Verlagsinfo:
Dr. Andreas Herter berichtet
aus seinem Alltag als Therapeut und Gutachter in der Sexualtherapie
sowie aus seiner wöchentlichen Sendung „Psychologe
Dr. Herter – Der Doc, dem die Hörer Vertrauen!“
auf Radio ffn.
Sein Buch ist ein
Wegweiser durch den Dschungel sexueller Unzulänglichkeiten.
Es erklärt anhand vieler authentischer Fälle den
Variationsreichtum sexueller Phänomene. Dr. Herter schreibt
über sexuelle Versagensängste, Orgasmusstörungen
der Frau und Entstehung von Fetischen. Er gibt konkrete Hinweise
zur Ausgestaltung und Verbesserung der eigenen Sexualität.
Dabei erklärt er wissenschaftliche Hintergründe
so, dass sie für jeden verständlich sind. Das Buch
ergänzt die Sexualberatung oder –therapie.
Im spannenden Reportagestil
geschrieben, wird das Thema Sex in diesem Buch dennoch mit
großer Ernsthaftigkeit dargestellt!
Aus
dem Inhalt
- Was ist los in deutschen Betten?
- Die häufigsten Sexualprobleme und Lösungen
- Dahinter steckt immer ein Phänomen
- Perversion ist nicht gleich Straftat
- Kinderwunsch
- Sexuelle Funktionsstörungen
- Perverse forensische Auffälligkeiten – Sexualstraftäter
- Jetzt helfe ich mir selbst!
(©
2003 Verlag Schlütersche)
Zum
Autor:
Dr. Andreas Herter ist
Psychotherapeut mit eigener Praxis. Als Psychologe und Autor
hat er sich im Bereich Sexualmedizin einen Namen gemacht.
Er ist als Gutachter bei Gericht und Polizei tätig und
regelmäßiger Referent bei der Kripo. Nach langjähriger
Arbeit als Berater, Kommentator und Ansprechpartner u.a. für
die BILD-Zeitung und RTL war Dr. Herter immer häufiger
im Radio und Fernsehen präsent, so dass er als „Psychologe
mit Brille, Bart und blauer Mütze“ zum Markenzeichen
wurde. Bis Ende 2003 hatte er eine eigene Sendung bei Radio
ffn, die jeden Dienstag von 21 Uhr bis Mitternacht über
hunderttausend Hörer erreichte. Aus der Vielzahl der
Anrufe entstand die Idee zu "Sex ist doch kein Leistungssport".
Mit anderen Büchern und Veröffentlichungen hatte
sich Andreas Herter bereits einen Namen gemacht: Einerseits
als Wissenschaftler, unter anderem in dem Basiswerk Sexualmedizin
von Beier et. al. Andererseits mit seinen Kurzgeschichten
unter dem Pseudonym Andreas Herter von der Ohe. Zitat:
"Diese Unterscheidung ist mir wichtig, um zu wissen,
wann ich Märchen erzähle und wann seriös die
Wahrheit. Denn oftmals ist die Wahrheit so verdreht, wie sie
im Märchen keiner glauben würde."
Andreas Herter entwickelte außerdem für Angstpatienten
die CD Lukanico - Therapie und Sinfonie, die sich
bis heute bewährt hat. Das daraus entstandene Musical
war seit 1998 schon vielerorts auf Tournee.
Textauszug
(aus Kapitel 1):
1 Was ist los in deutschen Betten?
Fragen will gelernt
sein
Und die meisten trauen sich nicht
"Na, klappt's bei Ihnen
im Bett auch nicht?" Schockiert Sie dieses Frage?
Was haben Sie sich schon an Bettgeschichten angehört:
heroische Heldentaten, Don-Juan-Syndrom, Casanova-Taten und
ekstatische Erlebnisse, wilde Orgien von all denen, die vor
Potenz nur so strotzen und die nichts Wichtigeres zu tun haben,
als sich über ihre Bettgeschichten zu definieren.
Wer mit wem in welchem Bett - eine Frage, die eine ganze Branche
mit ihren Paparazzi unterhält! Und wir alle konsumieren
diese Informationen via Frau und Herz, Herz und Krone
und wie sie alle heißen, schauen uns Adelsreporte im
Fernsehen an und recherchieren sogar via Internet.Selbst seriöse
Nachrichtensendungen wie Heute und die Tagesschau
berichten von Affären und Trennungen unserer Prominenten,
von der Kurzehe zwischen Dieter Bohlen und Verena
Feldbusch bis zu den unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen
vollzogenen Scheidungsritualen unseres Bundeskanzlers oder
seines Außenministers Fischer, der zu Beginn
der ersten Legislaturperiode geschieden wurde und sich in
der zweiten gerichtlich Spekulationen verbat.
Ein Brimborium ums Bett und
all das, was darin passiert, bzw. was darin nicht passiert,
bestätigt die These des bekannten deutschen Sexualwissenschaftlers
Schorsch, der feststellte: Sexualität lauert
hinter jeder Tür.
Über nichts wird mehr gesprochen, mystifiziert und gesponnen
als über Bettgeschichten! Die ganze Welt schaut fasziniert
zu, wenn ein amerikanischer Präsident über seine
Sexualpraktiken mit Monica Lewinski berichten muss
- inzwischen übrigens auch als Video erhältlich.
Minutiös wird da aufgedeckt, wie und mit welchen Hilfsmitteln
er was tat oder auch nicht tat. Chefankläger Starr
hat alls mögliche gefragt, nur eine Frage hat er nicht
gestellt: Warum hat er das getan?
Der Psychologe hingegen fragt schon. Warum muss sich jemand
etwas von dritter Seite holen, das er von seinem Partner bekommen
könnte? Warum trauen wir uns nicht, einfach danach zu
fragen? Was ist dabei, Wünsche, Träume, Vorstellungen,
Dinge, die uns sexuell erregen, mit unserem Partner zu besprechen
und zu inszenieren, als eine Art kleines Schauspiel?
Halt! Stop! Merken Sie, wie
bei Ihnen schon die ersten Assoziationen von Gummibekleideten
mit Peitschen und Fesseln, Schnorchelmasken und Hundeketten
aufkommen? Sadomaso-Praktiken - auch ein Szenario aus der
Welt der Sexualität. Nein, das möchte ich erst an
späterer Stelle erläutern. Ich meine ganz alltägliche,
sexuelle Dinge, wie wir sie uns vielleicht wünschen;
wir wissen aber nicht, wie wir diese Wünsche ausdrücken
sollen.
Es gibt da die berühmte
Geschichte von dem frischgebackenen Eheparr, das nach der
Hochzeitsnacht am Frühstückstisch sitzt, eigentlich
schon ganz gesättigt, dennoch auf das letzte Brötchen
schielend und folgenden Dialog beginnend: "Wollen wir
uns das letzte Brötchen
teilen?" "Gerne" antwortet der Gefragte. "Obere
oder untere Hälfte fur dich?" Nun beginnt es bei
dem Gefragten zu rattern: Eigentlich esse ich lieber die obere
Hälfte - also wird auch mein frischgebackener Ehepartner
lieber die obere essen, die ich ihm von Herzen gönne.
Also sage ich: „Für mich bitte die untere",
um die obere and bessere aus Liebe dem anderen zu überlassen.
Ein einmal eingeübtes Frage-Antwort-Spiel ritualisiert
sich, wird irgendwann nicht mehr hinterfragt, die Aufteilung
der Brötchenhälften ist klar definiert.
Dieselbe Szene, dasselbe Paar, 25 Jahre später. Es ist
der Tag der Silberhochzeit, die gleiche Frage wird gestellt.
Erstmals antwortet aber der Gefragte: „Eigentlich verzichte
ich nun schon 25 Jahre auf meine obere Hälfte, well ich
dich so liebe. Heute möchte ich sie zum ersten Mal haben."
Ein mitleidiges Lächeln gibt es zur Antwort: "Hättest
du einen Ton gesagt! Seit 25 Jahren verzichte ich aus Liebe
zu dir auf meine untere Hälfte."
Eine kleine Freude, der Genuss einer Brötchenhälfte,
mag uns Metapher, aber auch Beispiel dafür sein, für
wie viele Kleinigkeiten wir sinnlos and unnötigerweise
Opfer bringen, weil wir uns nicht trauen, unsere Wünsche
zu artikulieren.
Praxisfall 1:
Das junge Paar,
das hereinkommt, wirkt so gar nicht wie die anderen. Sie gehen
nett miteinander um, sind aufgeschlossen, so wie man sie aus
jedem Straßencafe kennt. Auf den ersten Blick ist kein
Leidensdruck zu erkennen. Aber der Schein trügt.
„Also," beginnt er sich zu räuspern, "es
geht eigentlich nur darum, dass meine Frau nicht so oft will
wie ich."
Und schon bricht es aus ihr heraus: „Das stimmt gar
nicht! Ich würde ja gerne wollen, aber nicht immer gleich
alles. Und wenn man dir den kleinen Finger gibt, dann nimmst
du gleich nicht nur die ganze Hand, den Arm, sondern du frisst
mich quasi auf und lässt überhaupt nichts von mir
übrig. Wissen Sie, Herr Doktor," beginnt sie zu
schluchzen, „es ist immer dasselbe. Ich habe ihn wirklich
gern and ich schlafe auch gern mit ihm. Aber dass es immer
darauf hinaus läuft, das will ich eigentlich nicht. Und
wenn mir nur mal einfach so nach kuscheln ist, dann habe ich
Angst, dass er keine Rücksicht auf meine Gefühle
nimmt und mich einfach übertölpelt. Und dann komme
ich mir so schmutzig vor, so richtig vergewaltigt."
Dem Mann steht der Schrecken im Gesicht: „So hast du
mir das noch nie gesagt.
„So ist es aber. Und dann noch eins, " gibt die
junge Frau an, „manchmal ist es einfach die Taktfrequenz,
die mir nicht gefällt. Kann man darüber nicht reden?
Und du mit deinen Stellungen! Du kommst da mit irgendwelchen
neumodischen Begriffen, die ich nicht verstehe. Aber das sage
ich dir nicht, weil dann denkst du mal wieder, ich sei doof."
Und die Antwort kommt ziemlich bedroppelt. „Aber ich
lass doch die Hefte, die ich lese, ganz offen liegen."
"Da gucke ich nicht rein. Ich hätte aber Lust, mit
dir auch mal einen Porno zu sehen."
"Ehrlich gesagt, ich auch."
Anhand
dieses Beispiels konnte das Paar schon nach wenigen Stunden
die Gespräche wieder alleine führen. Eine gefährliche
Dynamik hatte sich wie ein Gewitter am Himmel zusammengebraut,
wäre nicht die Bereitschaft zum Reden entstanden. Und
wie das Beispiel auch zeigt, hatte das Paar offensichtlich
nur den neutralen Boden nötig, denn in diesen Dialog
habe ich so gut wie gar nicht eingegriffen.
Warum fragen wir nicht? Warum
können wir uns nicht eben jener Technik bedienen, die
der schlampige aber dennoch minutiös denkende Fernsehinspektor
anwendet? Er versteht die scheinbar einfachsten Dinge nicht
und sagt dann frei heraus: „Ich habe noch mal darüber
nachgedacht und auch mit meiner Frau gesprochen. Und sie hat
es auch nicht verstanden. Das will mehr heißen, als
wenn ich es nicht verstehe oder mein Hund. Nun ja, also frage
ich noch mal: Ich verstehe nicht ganz wieso! Und warum nicht?"
Es sind so verblüffende Fragestellungen, dass der Fernsehzuschauer
ihn für genial hält und sogar Psychologen eine Fragetechnik
nach ihm benannt haben. Gemeint ist der Schmuddelkommissar
im Trenchcoat mit abgebrannter Zigarre und verbeultem Peugeot-Cabrio
aus der Fernsehserie Columbo.
Es ist interessant, wie einfach
Menschen durch die naivsten Fragen aus dem Gleichgewicht gebracht
werden können. Aber bitte fragen Sie nicht, um den anderen
bloßzustellen, sondern einfach, um zu hinterfragen,
ob ein eingeschliffenes Ritual wirklich von allen gewollt
ist. Vielleicht wünscht sich Ihr Partner ja schon längst
frischen Wind in Ihre Beziehung - oder sollte ich sagen: ins
Bett?
Also, wenn jemand sich nicht
traut, sexuelle Wünsche von seinem Partner zu erbitten,
kann doch etwas mit ihm nicht stimmen. Eigentlich wird er
sich doch nur dann von dritter Seite etwas holen, wenn er
es von seinem Partner nicht bekommt oder sich nicht traut,
ihn zu fragen.
Und da haben wir die Krux: Wir reden über alles - aber
nicht über das, was wir uns erhoffen and erträumen.
Wie aber kann mein Partner ahnen, was ich von ihm haben möchte,
wenn ich darüber nur in Mythen spreche. Je weniger ich
es angehe, umso größer wird meine Angst vor Ablehnung.
Sie wird so groß und dynamisiert sich so weit, dass
ich irgendwann Angst vor dieser Angst entwickle und damit
einen gefährlichen Teufelskreis in Gang gesetzt habe.
(©
2003 Andreas Herter)
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