|
Rückentext:
Mit banger Hoffnung zählt sie die Minuten bis zu seinem nächsten Anruf. Jedes Buch, das sie in die Hand nimmt, um die Zeit bis zu seiner Ankunft leichter vergehen zu lassen, scheint von ihm zu handeln; jedes Bild, das sie anblickt, trägt die Gesichtszüge des heimlichen Geliebten. Beinahe schmerzhaft ist das Verlangen, mit dem sich ihr Körper nach einer Berührung von ihm sehnt - und dann die Gewissheit: Sie wird ihn nie wieder sehen ...
Zur Autorin:
Annie Ernaux wurde 1940 in Lillebonne
in der Nähe von Le Havre geboren. Nach dem Studium der
Literaturwissenschaften lebte sie in Bordeaux und Annecy,
bevor sie in die Nähe von Paris zog, wo sie auch heute
noch wohnt und arbeitet. Annie Ernaux gehört zu den renommiertesten
Publizistinnen und Autorinnen Frankreichs und wurde mit zahlreichen
literarischen Preisen ausgezeichnet. Sich verlieren
stand wochenlang auf der französischen Bestsellerliste.
(©
2004 Goldmann Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
Was erwartet man von
einem Buch, das mit Die vollkommene Leidenschaft betitelt
ist? Erotisches Kitzeln? Anregungen für das eigene Liebesleben?
Einblicke in leidenschaftliche Momente? Unterhaltung? Erkenntnis?
All dies findet man genau in diesem Buch nicht. Das Buch berichtet
von einer Frau, die von einem verheirateten Mann sexuell abhängig
ist. Dieser Mann ist oberste Priorität in ihrem Leben,
alles andere wird ihm untergeordnet. Sie wartet auf ihn und
sieht ihn in allen Dingen, betrachtet Elemente des Seins ausschließlich
aus seiner Perspektive. Doch von diesem Mann und der Affaire
mit ihm erfahren Lesende absolut nichts, außer dass
er wohl grüne Augen hat. Die Protagonistin ist dem Liebhaber
verfallen. Mit dem plötzlichen Ende
der Affaire ist zu erkennen, was von der Frau übrig ist:
ein Fragment.
Um die entstandenen Löcher aufzufüllen, versetzt
sie sich in eine Traumwelt, das reale Leben ignorierend. Dabei
ist die Autorin, so zeigen es einzelne Passagen, durchaus
in der Lage, zu erzählen, meint: erzählerische Prosa
zu Papier zu bringen. Aber genau in diesem vorliegenden Buch
macht sie das nicht, enthält uns sprachliche Genüsse
und inhaltliche Elemente vor. Gerade im Moment, da man denkt,
jetzt wird es interessant (z. B. als sie sich an ihre Abtreibung
erinnert), wechselt sie das Thema.
Was der Autorin positiv anzulasten ist: Sie zeigt uns, wie
wir uns manchmal benehmen, wenn wir das plötzliche Ende
einer Beziehung erleben und nicht wissen, wohin mit uns selbst.
In genau diesem kurzen Moment ist sie uns - mit diesem Buch
- verstehende Freundin. Doch führt uns die verstehende
Freundin normalerweise weiter, hilft uns auch aus dieser Phase
der Benommenheit wieder heraus. Erneaux macht dies nicht.
Und auch die plötzliche Hinwendung der Autorin zu einem
politschen Thema am Ende des Buches macht das Werk nicht vollmundiger,
im Gegenteil, dieser Moment wirkt eher wie der Wink mit dem
berüchtigten Zaunpfahl: Schaut her, ich kann auch noch
an etwas anderes denken ...
Resümee: Wozu dieses Buch? Ich weiß es nicht ...
(©
2004 Cornelia Eichner für all-around-new-books.de)
******************************************************************************
Sie
haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar abgeben?
Dann bitte hier
entlang ... |