| Inhalt:
"Was ich liebte" erzählt von sexuellen und
künstlerischen Lebensentwürfen, von Familien, Eltern
und Kindern.
Alles beginnt 1975 im New Yorker Stadtteil SoHo, wo der Kunsthistoriker
Leo Hertzberg in einer Galerie ein Bild des jungen Malers
Bill Wechsler kauft. Es ist ein Frauenakt, der jedoch den
rätselhaften Titel "Selbstporträt" trägt.
Bald ziehen Leo und Bill mit ihren Frauen und neugeborenen
Söhnen in ein Haus. Ihre Freundschaft ist bestimmt von
der Suche nach ihrer Identität.
Doch keine Erkenntnis der Welt kann sie auf die Schicksalsschläge
vorbereiten, die ihr Leben für immer verändern ...
(©
2004 Rowohlt Verlag)
Fazit:
Was ich liebte - schon der Titel reißt an der
Seele. Und Siri Hustvedt zeigt, was der Titel ahnen lässt.
Hier geht es in großen Teilen um Gefühle wie Schmerz,
Verlust und Angst, aber auch um Hoffnung, Freundschaft und
Liebe. Erbarmungslos schön peitscht die grandiose Erzählerin
mit ihrem Ich-Erzähler Leo die Gefühle des Lesers.
Nicht
erst seit diesem Buch ist Siri Hustvedt mit Updike, Franzen
& Co. in der Oberklasse der amerikanischen Literatur zu
Hause. Da stimmt das Timing, der Spannungsaufbau, die Charakterisierung
- und vor allem ist die Prosa voller Empathie, ohne kitschig
zu werden. Der klassische Ariadnefaden zieht den Leser bis
zum Ende des Romans durch das Leben der Figuren.
Der
Ich-Erzähler Leo Hertzberg ist Kunsthistoriker und arbeitet
als Professor für Kunstgeschichte in New York. Seine
Erinnerungen beginnen beim Betrachten eines Bildes, auf dem
eine liegende Frau zu sehen ist. Der Roman zeigt die Schicksale
der befreundeten Paare Hertzberg und Wechsler und deren Söhne.
Bill Wechsler ist Künstler und mit der Gedichte-Schreibenden
Lucille verheiratet. Fast gleichzeitig werden die Söhne
der Ehepaare geboren. Und dann kommt Violet Blom, die Frau
auf dem Bild. Sie gewinnt den Kampf mit Lucille um Bill Wechsler.
Sie zieht zu Bill und scheint das Unglück mitzubringen,
auch wenn man genau weiß, dass es so nicht ist.
Der Sohn der Hertzbergs stirbt bei einem Unfall. Hertzbergs
Frau, die den Tod des Sohnes nicht verwinden kann, zieht weg.
Bill Wechsler stirbt früh.
Der Sohn von Wechsler, Mark, ein notorischer Lügner,
der Drogen konsumiert und nur euphemistisch als das Sorgenkind
der Geschichte tituliert werden kann, scheint in seinem eigenen
Dilemma zu ertrinken. Leo wird am Ende sinnieren: „Ich
will Mark nie wieder sehen und nie wieder mit ihm sprechen,
aber das heißt nicht, dass ich von ihm befreit werde.“
Und genau so wird jeder mit den vom Leben geschlagenen Narben
weitermachen. Egal, was passiert, die Erde dreht sich weiter.
Gelungen sind auch die detailgenauen Beschreibungen von Kunstwerken
und die wunderbar gezeichneten Nebenfiguren Laszlo und Mr.
Bob.
In
bester Manier des von literarischen amerikanischen Bestsellern
bekannten Schreibstils ist dieses Buch kurzweilig, unterhaltsam
und anspruchsvoll. An einigen Stellen ist es so schön,
tragisch lebendig und geht unter die Haut, dass es fast weh
tut.
(©
2004 Ulf Großmann für all-around-new-books.de)
******************************************************************************
Sie
haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar abgeben?
Dann bitte hier
entlang ... |