|
Berlin zu Gast auf
der Österreichischen Buchwoche
Alljährlich
(inzwischen zum 54. Mal) findet Ende November im Wiener Rathaus
die Österreichische Buchwoche statt. Dieses Jahr präsentieren vom
27. 11. bis zum 2. 12. (täglich 10 bis 20 Uhr) bei freiem Eintritt
einheimische Verlage und Buchhandlungen die Vielfalt der Buchproduktion
in der Alpenrepublik.
Die fast schon traditionelle
Steigerung der Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr (2000 waren
es rund 70.000) will man dieses Jahr unter anderem mit einer Sonderschau
Berliner Verlage erreichen. Erstmals wird auf der diesjährigen Buchwoche
einem ausgewählten Segment des deutschen Buchhandels (Berliner Verlage)
die Möglichkeit gegeben, sich zu präsentieren. Zugesagt haben u.a.
Rowohlt, Aufbau, Wagenbach, Kindler und der Berlin Verlag.
Jährlicher Anlaufpunkt
sind die Lesungen, dieses Jahr unter anderem mit Peter Pelinka,
Alfred Komarek, Eva Rossmann, Hans Bankl und Daniel Glattauer. Das
junge Publikum wird bei Drehbuch- und Zeichenworkshops sowie Lesungen
von Kinder- und Jugendbuchautoren wie Heinz Janisch oder Franz Sales
Sklenitzka unterhalten. Auf der "Bücherinsel" werden am 1. und 2.
12. wieder die von den Verlagen und Buchhandlungen gespendeten Messe-,
Lese- und Besprechungsexemplare für einen guten Zweck verkauft.
Die Erlöse der in den vergangenen Jahren erfolgreichen Aktion kommen
heuer dem Verein "Rote Nasen Clowndoctors" zu Gute.
Ehrenpreis für
einen "wahren" Europäer
Eröffnet wird die Österreichische
Buchwoche 2001 am Vorabend der "Leistungsschau" mit der Verleihung
des "Ehrenpreises des österreichischen Buchhandels für Toleranz
in Denken und Handeln", der dieses Jahr an den österreichischen
Schriftsteller, Essayist und Kritiker Karl-Markus Gauß geht.
Der 1954 in Salzburg
geborene Schriftsteller publiziert Literaturkritiken und Essays
in den bedeutendsten Zeitungen und Zeitschriften des deutschen Sprachraums
(u.a. Die Zeit, FAZ, Die Presse und Neue Zürcher Zeitung). Seit
1991 ist Gauß Herausgeber der Zeitschrift Literatur und Kritik und
wurde u. a. mit dem Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik
(1994), dem Europäischen Essaypreis "Charles Veillon" (1997) und
dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch (1998) ausgezeichnet.
In seinem dichterischen
und essayistischen Werk erkundet er die Identität des vereinigten
Europas und setzt sich mit jenen Bereichen des Alltags und der Politik
auseinander, die bisher kaum ins öffentliche Bewusstsein gerückt
sind: den geographischen wie kulturellen "Rändern", die trotzdem
die Vielfalt Europas wesentlich mitbestimmen.
Die Süddeutsche Zeitung
meinte über den Preisträger in einer Rezension seines neuesten Bandes
"Die sterbenden Europäer": "Einer der kenntnisreichsten Zweifler
an der im Grunde skurrilen, am momentanen Erfolg orientierten Hochschätzung
des 'deutschen Westens' ist der österreichische Schriftsteller und
Journalist Karl-Markus Gauß. Statt jedoch repetitiv zu klagen, dass
diese oder jene Region zu wenig bekannt sei, 'vernachlässigt' werde,
informiert er sich, besucht sie - nicht die Zentren, die beinahe
jeder kennt, immer die Peripherien, oft mit der Grundhaltung einer
ironischen Melancholie (...) Gauß ist ein sorgfältiger Geschichtensammler
und Privat-Wissenschaftler, der aus seiner persönlichen Synthese
von Literatur-, Geschichts- und Gesellschaftskenntnis nicht weniger
als das Modell einer unpolemischen Ethnologie Europas macht."
Der Ehrenpreis des
österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln
wird seit 1990 im Rahmen der Österreichischen Buchwoche an AutorInnen
verliehen, die sich in ihrem Werk und durch ihr Engagement für Toleranz
gegenüber den anderssprachigen und kulturell anders geprägten Nachbarn
in herausragender Art und Weise eingesetzt haben und somit einen
Beitrag zu einem friedlichen Miteinander in Europa geleistet haben.
Er ist mit 100.000 Schilling (7.270 Euro) dotiert und wird vom Hauptverband
des Österreichischen Buchhandels gemeinsam mit dem Bundesgremium
der Buch- und Medienwirtschaft vergeben. Bisherige Preisträger waren
Milo Dor, Viktor Frankl, Inge Merkel, Kardinal Franz König, Gerhard
Roth, Simon Wiesenthal, Hugo Portisch, H. C. Artmann, Christine
Nöstlinger, Sir Peter Ustinov und Josef Haslinger.
Claudia Strafner
|