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Emmanuil
Roidis wurde 1836 auf der griechischen Insel Syros
geboren und verlebte seine Kindheit und Jugend
vorwiegend im Ausland, so in Frankreich, Rumänien,
Ägypten und Italien. Sein Vater war Konsul
in Genua.
Nach
einem zweijährigen Philosophiestudium in
Berlin ließ er sich 1865 in Athen als Schriftsteller
nieder. 1882 wurde er zum Direktor der Nationalbibliothek
in Athen berufen.
Roidis
wurde 1877 in Frankreich zum Ritter der "Legion
d´honneur" geschlagen. Er galt als
großer Kenner der europäischen Literaturen
und der zeitgenössischen philosophischen
Strömungen; er wurde einer der bedeutendsten
griechischen Literatur- und Kulturkritiker des
19. Jahrhunderts, der scharfsinnige Attacken gegen
die literarischen Verhältnisse seiner Zeit
publizierte.
Sein
bekanntestes Werk war der Roman "Päpstin
Johanna", 1866 erschienen, der vehementen
Protest der griechischen Kirche auslöste,
und der die damals verschlafene, eher provinzielle
literarische Welt ziemlich aufrüttelte. Der
Bannspruch der orthodoxen griechischen Kirche
konnte den Erfolg des Buches nicht aufhalten,
was zahlreiche griechische Neuauflagen dokumentieren.
Nach einer italienischen Übertragung (1876)
erschien 1879 im Leipziger Verlag C. F. W. Fest
die erste deutsche Übersetzung. Ebenfalls
in Leipzig (J. Zeitler Verlag) wurde 1904 die
Übertragung von Paul Friedrich veröffentlicht.
Im
Jahre 1966 publizierte Roidis die "Briefe
eines Agrinioten", in denen er in stilistisch
beeindruckender Weise seine Anschauungen über
das Verhältnis von Literatur bzw. Satire
und Moral darlegte. Diese Briefe zählen nach
Meinung von Literaturkennern zu den hervorragendsten
Zeugnissen neugriechischer Prosastücke.
Emmanuil
Roidis starb am 07.01.1904 in Athen.
(©
2000 Bastei Lübbe Verlag)
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