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Biografie & Lebenserinnerungen

Auf der Flucht
Erinnerungen

Autor: Hellmuth Karasek

gebunden mit Schutzumschlag, 527 Seiten
erschienen: Oktober 2004
Ullstein
ISBN: 3-550-07585-5
Preis: 27,00 Euro

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Inhalt:
Auf der Flucht! Sich erinnern heißt für Hellmuth Karasek Geschichten erzählen, Geschichten, die er erlebt hat, die anderen widerfahren sind, die ihn mit Freunden und Feinden, mit Frauen und Kindern, mit Kollegen und Weggefährten aus der Kulturbranche verbinden.
Für den Elfjährigen endet die Kindheit nach einem trügerisch glänzenden Weihnachtsfest 1944 mit der Flucht aus der österreichischen Tuchstadt Bielitz an der Grenze zu Galizien. Zusammen mit der hochschwangeren Mutter und drei kleinen Geschwistern, ist er unterwegs nach Schlesien, nach Sachsen und schließlich nach Sachsen-Anhalt, wo nach Kriegsende eine neue Zeit der Ängste, Lügen und Behauptungen beginnt. Mit dem DDR- Abitur in der Tasche, studiert er in Tübingen. Frontwechsel im Kalten Krieg. Die Ziele des Heranwachsenden sind klar: Er möchte satt werden und einer Welt der wechselnden Lügen entrinnen - auch für den Preis der Anpassung. Dabei wird er von der Phantasie, auch der der Bücher und des Kinos getröstet und von der Realität angetrieben. Er erfährt Liebe, Betrug, Verrat, Nähe und Fremdheit, Lüge und eigene Wahrheit. Oder, um es in Goethes Worten zu sagen: "Eines schickt sich nicht für alle! Sehe jeder, wie er's treibe, sehe jeder, wo er bleibe, und wer steht, dass er nicht falle".


Der Autor:
Hellmuth Karasek, Journalist und Schriftsteller, leitete über 20 Jahre lang das Kulturressort des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Jetzt ist er Mitherausgeber des Berliner Tagesspiegel.

Er veröffentlichte 1992 Billy Wilder – Eine Nahaufnahme, 1996 Go West, eine Biographie der 50-er Jahre, 1996 Mein Kino, 1997 Hand in Handy, 1998 Das Magazin, 2000 Kanonen auf Spatzen, 2001 bei Ullstein den Roman Betrug und 2002 Karambolagen. Begegnungen mit Zeitgenossen.

(© 2004 Ullstein Verlag)


Buchbesprechung - Rezension:
„Wer sich erinnert, erfindet sich noch einmal. Er macht sein Leben zur Erzählung. Er sagt wie im Märchen „Es war einmal“ und glaubt, dass es einmal wirklich so war“ - so beginnt der bekannte Journalist und Schriftsteller Hellmuth Karasek seine Biografie Auf der Flucht. Der Siebzigjährige berichtet über das Aufwachsen in Brünn, Wien und Bielitz an der galizischen Grenze, in Schlesien und Sachsen, über die Kindheitserlebnisse mitten im Krieg und dabei stets auf Sichtweite mit Auschwitz. Diese Kindheit mit Hitler endet Weihnachten 1944, danach muss die Mutter mit den Kindern Bielitz verlassen. Es folgt die Flucht, die jetzt das Schicksal der Familie bestimmt.

In „Eine Jugend unter Stalin“ erzählt Karasek über die Jahre in Ostdeutschland, wohin es die Familie nach der abenteuerlichen Flucht in den Nachkriegswirren verschlagen hat. Die Ausgesiedelten lagern zunächst in einem Gasthof im erzgebirgischen Stollberg. Hier besucht er die Schule, später das Gymnasium und natürlich recht eifrig die Kinos. In den drei weiteren Kapiteln lässt der Autor die turbulenten Lebensstationen in Westdeutschland Revue passieren: das Studium in Tübingen, den Beginn seiner journalistischen Laufbahn, die 22 Jahre als Kulturchef des „Spiegel“ und die 13 Jahre mit Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler im „Literarischen Quartett“, wo fernsehwirksam über Bücher streitfreudig diskutiert wurde.

Auf der Flucht - der Titel klingt nach Dr. Kimble, nach Gefahr und Bedrohung, doch Karasek betonte in einem Interview: „Damit hat es überhaupt nichts zu tun. Es geht um den geschichtlichen Hintergrund des 20. Jahrhunderts, das Jahrhundert der Vertreibungen, der ethnischen Säuberungen.“ Er wollte ein Geschichtenbuch über die Geschichte schreiben. Der Leser wundert sich jedoch, dass der Autor bei seinem wechselvollen Lebenslauf zwischen Ost und West von den 500 Seiten seiner persönlichen Vergangenheitsbewältigung die Hälfte seiner Kindheit und Jugend widmet. Doch jeder weiß, gerade mit dem Alter kehren die frühen Bilder ins Gedächtnis zurück; bei Karasek überrascht lediglich die ungeheure Vielfalt und Genauigkeit.

Der alte „Medienhase“ Karasek, der heute in Hamburg lebt und Autor bei „Welt“ und „Welt am Sonntag“ ist, trat bisher u.a. mit einer Billy-Wilder-Biografie, dem Essay Hand in Handy, dem Film-Buch Mein Kino sowie den Romanen Magazin und Betrug schriftstellerisch hervor. Bereits in seiner Betrachtung der 50-er Jahre Go West tauchen biografische Elemente auf. Nun zeichnet er mit einer Fülle von Episoden und dem ihm eigenen Charme ein facettenreiches und höchst amüsantes Portrait der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Hellmuth Karasek ist nicht der erste Prominente, der seine Erinnerungen zu Papier gebracht hat, doch Auf der Flucht ist mehr als die Aneinanderreihung von Klatsch- und Tratsch-Anekdoten - es ist vielmehr eine nüchterne, selbstkritische Chronik seines Lebens.

(© 2005 Manfred Orlick für all-around-new-books.de)

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