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Inhalt:
"Mit siebzehn schrieb ich an einem autobiographischen Roman
- ich hatte genug erlebt. Die Aufzeichnungen sind mit dem
Kahn, auf dem ich damals hauste, in der Seine versunken. Nach
der Flucht aus dem Heim für Schwererziehbare versuchte ich
mich in Paris als Pflastermaler über Wasser zu halten. Notgedrungen
lernte ich Fran-zösisch und das Leben von ganz unten kennen.
Ich hatte nichts zu verlieren - außer meiner Freiheit. Nun
waren die Erlebnisse meiner Kindheit fortgespült worden und
ich wollte nicht, dass sie wieder auftauchten. Das Leben ging
weiter. Erst vierzig Jahre später wagte ich es noch einmal,
in die Vergangenheit dieses Jungen einzutau-chen, der ich
einmal gewesen war."
Gottfried John, der international bekannte Charakterdarsteller
mit dem unvergesslichen Gesicht, hat eine Vorliebe für ausgefallene
Filmstoffe und schräge Rollen. Die schrägste Rolle jedoch
war sein eigenes Leben. Heute, im Alter von 58 Jahren, erzählt
er zum ersten Mal die Geschichte seiner außergewöhnlichen
Kindheit und Jugend, ein Leben jenseits aller bürgerlichen
Normen und Wertvorstellungen. Unehelich geboren, von Anfang
an hin- und hergestoßen zwischen Erziehungsheimen, die diesen
Namen nicht verdienen, und einer Mutter, die eigentlich gar
keine Mutter ist, weil sie in einer anderen Welt lebt: Ruth
John ist ein Hippie, weit bevor es Hippies überhaupt gab.
Eine phantasievolle und lebenslustige Frau, die nur im Heute
lebt, alles dem Zufall überlässt, oft himmelhochjauzend, aber
dann wieder konfrontiert mit der Tatsache, dass selbst ihre
Phantasie den Himmel auf Dauer nicht halten kann. Sie rebelliert
gegen die Spießigkeit und den Mief der fünfziger Jahre und
zwingt ihrem Sohn ein unruhiges Vagabundenleben auf, das abenteuer-
und abwechs-lungsreich zugleich ist. Mit ein paar Plastiktüten
ziehen sie gemein-sam per Anhalter quer durch Deutschland,
allerdings meist ohne zu wissen, von was sie den täglichen
Unterhalt bezahlen sollen, immer auf der Flucht vor Polizei
und Jugendamt, die den Jungen unter staatliche Aufsicht stellen
wollen.
Sehr humorvoll und direkt beschreibt Gottfried John in seinem
auto-biografischen Roman die extrem wechselnden Lebenssituationen
seiner Jugend. "Bekenntnisse eines Unerzogenen" sind ein unge-wöhnliches
Beispiel dafür, wie ein junger Mensch trotz aller Wider-stände
seinen Weg finden kann.
(©
2000 Econ Verlag)
Fazit:
Es ist schon unglaublich, was so manchen Menschen im Laufe
ihres Lebens und besonders in ihrer Kindheit widerfährt.
Und manch-mal wundert man sich, dass gerade aus diesen Menschen
"etwas geworden ist" - wie man im Volksmund so schön
sagt. So eine wahre und gnadenlose Geschichte, wie Gottfried
John sie zu er-zählen weiß, macht Mut und zeigt,
dass jeder letztendlich für sein eigenes Leben verantwortlich
ist und es jedem frei steht, etwas daraus zu machen. Man muss
nur wollen und vor allem an sich selbst glauben ...
(©
2000 Evelyn Schaust-Weber)
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