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Inhalt:
Elf Jahre war Michael Degen alt, als seine Mutter und er beobach-teten,
wie Nachbarn aus den Häusern ihrer Straße in Berlin
ab-transportiert wurden. Sie handelten schnell. Das Nötigste,
nur Geld und Schmuck, nahm die Mutter, und dann ging sie mit
dem Jungen an der Hand an den Uniformierten vorbei.
Es
war lebensgefährlich in Berlin geworden, nicht nur für
Juden wie sie. Jeden Tag, jede Nacht fielen Bomben auf die
Stadt, aber es gab Freunde, die ihnen weiterhalfen, und als
es für die Freunde lebens-gefährlich wurde, halfen
andere Menschen, die nicht fragten, die sie versteckten, ganz
normale Menschen in einer Welt, die aus den Angeln gehoben
war.
Dass
Michael Degen Erna und Käthe Niehoff, Marthchen Schewe,
dem Kommunisten Hotze, dem Lokomotivführer Redlich, dessen
Züge die schrecklichste aller Endstationen hatten, und
vielen anderen sein Leben verdankt, hat er nie vergessen.
Und deshalb erinnert er sich mit schmerzhafter Genauigkeit
an die Jahre der Flucht, an das Leben im Untergrund, um ihnen,
den Namenlosen ein Denkmal zu setzen.
So
sehr Michael Degen den Leser auch mitnimmt in die Zeit der
Angst, dieses Buch ist voller komischer, skurriler Erlebnisse
und Merkwürdigkeiten und beschreibt Geschichte auf eine
ganz andere Art.
Mit
dem Blick des Jungen, für den der Krieg eine Mischung
aus Abenteuer und Wahnsinn ist, und dem Wissen des Erwachsenen
erzählt, zittert der Leser mit ihm, wenn die Streife
nach dem Aus-weis fragt, wen wieder Bomben fallen oder seine
Mutter und er erneut flüchten müssen, zu Fuß
oder mit der verbotenen S-Bahn. Erkannt, entdeckt und abtransportiert
zu werden - das war die tägliche Bedrohung.
(©
1999 Econ Verlag)
Fazit:
Buchmesse Frankfurt. Donnerstag, 14. Oktober 1999, 16.00 Uhr.
Im Lesezelt:
Obwohl gelernter Schauspieler, musste Michael Degen im Lesezelt
keineswegs sein Können demonstrieren. Er las einfach. Und
was und wie er las, war nicht nur für die Hörer bewegend.
In "Nicht alle waren Mörder" beschreibt er seine Kindheit
in Berlin. Er ist 7, als sein Vater ins KZ abtransportiert
wird. Ein halbes Jahr später stirbt der Vater im Jüdischen
Krankenhaus. Und kurze Zeit später geht es für den
Rest der Familie nur noch ums nackte Überleben. Und trotz
der Angst kommt da auch Skurriles zum Vorschein: Witzige Szenen
in einer boshaften Welt wechseln sich mit innerer Zer-rissenheit
zwischen den Zeilen ab. Er erinnert sich an mutige Men-schen,
ohne die er, seine Mutter und sein Bruder in den sicheren
Tod gegangen wären. Wahre Geschichte, wie ein Spiegel, in
dem Gutes und Böses sich vermischen und der Leser sich auf
einen tiefen Einblick in die Ironie des Lebens und das letztendlich
Be-ständige gefasst machen darf.
Das bleibt hängen, nicht nur bei Michael Degen.
(© 1999 Evelyn Schaust-Weber)
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