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Taschenbuch


 

Biografie & Lebenserinnerungen

 
Nicht alle waren Mörder
Eine Kindheit in Berlin

Autor: Michael Degen

Biografie
gebunden mit Schutzumschlag, 331 Seiten
erschienen: Herbst 1999
Econ
ISBN: 3-430-12049-7
Preis: 21,00 Euro

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Inhalt:
Elf Jahre war Michael Degen alt, als seine Mutter und er beobach-teten, wie Nachbarn aus den Häusern ihrer Straße in Berlin ab-transportiert wurden. Sie handelten schnell. Das Nötigste, nur Geld und Schmuck, nahm die Mutter, und dann ging sie mit dem Jungen an der Hand an den Uniformierten vorbei.

Es war lebensgefährlich in Berlin geworden, nicht nur für Juden wie sie. Jeden Tag, jede Nacht fielen Bomben auf die Stadt, aber es gab Freunde, die ihnen weiterhalfen, und als es für die Freunde lebens-gefährlich wurde, halfen andere Menschen, die nicht fragten, die sie versteckten, ganz normale Menschen in einer Welt, die aus den Angeln gehoben war.

Dass Michael Degen Erna und Käthe Niehoff, Marthchen Schewe, dem Kommunisten Hotze, dem Lokomotivführer Redlich, dessen Züge die schrecklichste aller Endstationen hatten, und vielen anderen sein Leben verdankt, hat er nie vergessen. Und deshalb erinnert er sich mit schmerzhafter Genauigkeit an die Jahre der Flucht, an das Leben im Untergrund, um ihnen, den Namenlosen ein Denkmal zu setzen.

So sehr Michael Degen den Leser auch mitnimmt in die Zeit der Angst, dieses Buch ist voller komischer, skurriler Erlebnisse und Merkwürdigkeiten und beschreibt Geschichte auf eine ganz andere Art.

Mit dem Blick des Jungen, für den der Krieg eine Mischung aus Abenteuer und Wahnsinn ist, und dem Wissen des Erwachsenen erzählt, zittert der Leser mit ihm, wenn die Streife nach dem Aus-weis fragt, wen wieder Bomben fallen oder seine Mutter und er erneut flüchten müssen, zu Fuß oder mit der verbotenen S-Bahn. Erkannt, entdeckt und abtransportiert zu werden - das war die tägliche Bedrohung.

(© 1999 Econ Verlag)

Fazit:
Buchmesse Frankfurt. Donnerstag, 14. Oktober 1999, 16.00 Uhr. Im Lesezelt:
Obwohl gelernter Schauspieler, musste Michael Degen im Lesezelt keineswegs sein Können demonstrieren. Er las einfach. Und was und wie er las, war nicht nur für die Hörer bewegend. In "Nicht alle waren Mörder" beschreibt er seine Kindheit in Berlin. Er ist 7, als sein Vater ins KZ abtransportiert wird. Ein halbes Jahr später stirbt der Vater im Jüdischen Krankenhaus. Und kurze Zeit später geht es für den Rest der Familie nur noch ums nackte Überleben. Und trotz der Angst kommt da auch Skurriles zum Vorschein: Witzige Szenen in einer boshaften Welt wechseln sich mit innerer Zer-rissenheit zwischen den Zeilen ab. Er erinnert sich an mutige Men-schen, ohne die er, seine Mutter und sein Bruder in den sicheren Tod gegangen wären. Wahre Geschichte, wie ein Spiegel, in dem Gutes und Böses sich vermischen und der Leser sich auf einen tiefen Einblick in die Ironie des Lebens und das letztendlich Be-ständige gefasst machen darf.
Das bleibt hängen, nicht nur bei Michael Degen.

(© 1999 Evelyn Schaust-Weber)

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