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Inhalt:
Laura
Leonard ist nicht gerade das, was man glücklich verheiratet
nennt. Kein Wunder, denn ihr Mann Klaus ist weniger
an ihrer Person als am florierenden Baugeschäft seines
Schwiegervaters interessiert. Klaus gelingt es, sich
in dem Betrieb unentbehrlich zu machen und Lauras Familie
für sich einzunehmen. Von seinem gewinnenden Wesen lässt
sich zunächst auch Laura blenden, die sich auf ihr gemeinsames
Kind freut. Sein Verhalten nach ihrer Fehlgeburt öffnet
ihr jedoch die Augen, und sie sieht ihren Mann, wie
er wirklich ist: berechnend, rücksichtslos und destruktiv.
Sie muss erkennen, dass er "nicht die Männerregel befolgt,
einen Baum zu pflanzen, ein Haus zu bauen und ein Kind
zu zeugen. Er machte es umgekehrt, er tötete sein Kind
und fällte die Bäume. Daß er auch noch das Haus abreißen
würde, wusste Laura damals noch nicht." Nur im Alkohol-
und Barbituratrausch erträgt sie ihr eheliches Fiasko
zwanzig Jahre lang.
Zu einem radikalen Bruch mit ihrem bisherigen Leben
kommt es, als sich Laura zum ersten Mal von einem Mann
leidenschaftlich begehrt fühlt. Danach beschließt sie,
nach Südamerika zu fliehen und endlich einen Schlussstrich
unter ihre Vergangenheit zu ziehen. Die nötige finanzielle
Absicherung verspricht sie sich von einem Umweg über
die Schweiz, wo sie Zugriff auf die Schwarzgeldkonten
ihres Mannes hat. Doch Lauras Reise wird jäh vereitelt:
in einem Tessiner Hotel wird sie in einen Mord verwickelt
und mit der Tatwaffe in der Hand verhaftet. Unglücklicherweise
kann sich Laura an nichts erinnern. Was hatte sie in
der schäbigen Pension zu suchen? Welche Beziehung besteht
zwischen ihr und dem toten Moslem? War sie es, die zugestochen
hat? Als Laura wieder zu sich kommt, befindet sie sich
in der geschlossenen Abteilung einer psychiatri-schen
Klinik. Zu ihrem Schrecken sind dort keine weiteren
Patienten untergebracht. Trotz der schier ausweglosen
Situation lässt sie nichts unversucht, um ihre Unschuld
zu beweisen. Angewiesen ist sie dabei auf die Hilfe
einer vermeintlichen Rechts-anwältin und eines geheimnisumwitterten
Dottore, von dessen entstelltem Gesicht sie sich abgestoßen
und angezogen zugleich fühlt. Doch gibt es überhaupt
jemanden, dem Laura trauen kann?
Die Lage spitzt sich zu, als sich die rätselhaften Todesfälle
in ihrer unmittelbaren Nähe häufen. Laura beginnt, an
ihrem Verstand zu zweifeln. "Ihr war, als rege sich
eine dunkle Gestalt in ihr, ein Alien, der jederzeit
aus ihrer Bauchdecke hervorbrechen und die Menschen
vernichten konnte, die sie liebte." Nur die Erinnerung
kann sie noch retten. Doch je tiefer sie in ihre Vergangenheit
eintaucht, um so unausweichlicher erscheint es ihr,
sich einer furchtbaren Wahrheit zu stellen. Wird es
ihr gelingen, den Teufelskreis zu durchbrechen und dem
Alptraum ein Ende zu setzen?
(© 2001 Eichborn Verlag)
Fazit:
Das Fenster zum See gehört zu einer Nervenklinik, in
der die Heldin der Geschichte, Laura Leonhard, einsitzt.
Tageweise werden ihre Geschichte und ihre Gedanken in
dieser Zeit erzählt - immer wieder unterbrochen durch
lange Rückblenden auf die Vorgeschichte und kurze, blitzartig
auftauchende Erinnerungen an die Ursache ihres Einsitzens.
Schliesslich treffen alle Handlungsstränge zusammen
und ein dramatischer Showdown beendet diese Kurzgeschichte.
Karin Scholten erzählt in ihrem Roman eigentlich drei
Geschichten. Die tageweise Erzählung der (Haupt-)Geschichte
erinnert an ein Protokoll. Durch die Rückblenden erhält
die Geschichte eine bestimmte Dynamik. Diese erfährt
am Ende des Romans eine Tempoverschärfung, so dass man
ab dieser Stelle das Buch nicht mehr aus der Hand legen
will
(©
2001 Uwe Lamacz für all-around-new-books.de)
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