| Inhalt:
Bianca De Lenchantin ist zu schön und zu reich,
um sympathisch zu sein. Ihrer bodenständigeren
Lehrerkollegin, die sich mit Temperament und einer gehörigen
Portion Feminismus durch Schulalltag, Familienleben
und eine beginnende Midlife-Crisis kämpft, erscheint
sie jedenfalls gleich beim ersten Kennenlernen abgehoben
und arrogant. Die Antipathie der professoressa verstärkt
sich noch, als sie einen verzweifelten Anruf ihrer Freundin
Gina erhält: Einer ihrer Hunde ist vergiftet worden
und offenbar steckt die De Lenchantin dahinter, die
im Nachbarhaus wohnt. Gina schwört der Tierquälerin
Rache.
Wenige Tage später wird Bianca De Lenchantin erdrosselt
auf einer Müllhalde aufgefunden. Hat Gina ihre
Drohung doch noch wahr gemacht? Der Verdacht gegen die
Freundin zerschlägt sich, doch die professoressa
ist ins Grübeln – und dabei auf den Geschmack
gekommen. Als sie dann auch noch den gut aussehenden
Commissario Berardi kennen lernt, der die Ermittlungen
leitet, beschließt sie, eigene Untersuchungen
anzustellen. Bald kann sie ihren ersten Erfolg verbuchen:
Sie findet den Taschenkalender der Toten, nach dem die
Polizei bereits fieberhaft sucht. Doch das Buch enthält
nicht mehr, als schon bekannt war: Den Nachmittag hatte
die De Lenchantin mit Marco Vaglietti, ihrem Cousin,
verbracht. Danach, bis zu ihrem Tod am Abend, verlieren
sich die Spuren. Berardi ist nicht nur von dem Spürsinn
der selbst ernannten Detektivin beeindruckt und ermuntert
sie zu weiterem Informationsaustausch.
Bei einem Besuch in der Luxusvilla von Bognasacco, dem
trauernden Witwer, macht Renzo, der Ehemann der professoressa,
eine erstaunliche Entdeckung: Zwischen den zahlreichen
wertvollen Gemälden im Haus hängen einige
billige Kopien, von denen Bognasacco offenbar nichts
weiß. Sämtliche Kunstschätze im Haus
waren von Marco Vaglietti vermittelt worden. Ein Zufall
oder steckten Cousin und Cousine unter einer Decke?
Und was ist an dem Gerücht, dass ihre Beziehung
nicht nur verwandtschaftlicher Natur war?
(©
2004 grafit Verlag)
Fazit:
Die Italienerinnen kommen!
"Nervig, feministisch, überspannt und zum
Glück mollig." Mit diesen Worten beschreibt
der Ehemann seine Frau, die Hauptfigur in Schön,
blond, reich und tot, einem Krimi aus der Feder
der Italienerin Margherita Oggero. Das klingt zwar nicht
besonders sympathisch, aber bereits nach den ersten
Seiten lässt sich der Leser eines Besseren belehren
und schließt die Heldin ins Herz.
Sie ist um die vierzig, Lehrerin, hat neben einem Ehemann
noch eine Tochter, eine Mutter und einen Hund zu versorgen,
und versucht im Alltagschaos bestmöglichst zu bestehen,
ohne dabei in Verkehrsstaus, endlosen Personalversammlungen
ihrer Schule und Diätversuchen unterzugehen.
Genau
das scheint ihrer neuen Kollegin Bianca de Lechantin
perfekt zu gelingen. Außerdem outet sie sich als
Hundehasserin, was sie unserer Heldin nicht gerade sympathischer
macht. Doch als "BL" wenig später erwürgt
aufgefunden wird, ändert sie ihre abweisende Haltung
und macht sich neugierig auf die Suche nach potenziellen
Tätern und Motiven. Hat vielleicht ihre Freundin
Gina etwas mit dem Mord zu tun? Sie wirft "BL"
vor, ihre Hunde vergiftet zu haben. Wie steht es mit
dem Ehemann des Opfers, einem reichen Industriellen,
der seltsamerweise gefälschte Gemälde im Wohnzimmer
hängen hat? Welche Rolle spielen ihr bisexueller
Cousin und sein Freund?
Mit
viel List und Tücke, Logik und der Hilfe eines
weiten Netzwerks von Freundinnen gelingt es ihr, dem
Täter auf die Spur zu kommen. Dabei stellen sich
ihr nicht nur Hindernisse bei den Ermittlungen in den
Weg, auch der charmante Commissario Gaetano, der ihr
zu verstehen gibt, dass er auch über den Fall hinaus
an ihr interessiert ist, bereitet ihr Kopfzerbrechen
- er gefällt ihr ausnehmend gut. Soll sie sich
auf eine Affäre einlassen? Doch auch dieses Problem
weiß sie zu lösen.
Wie
schon so oft, ist es auch diesmal dem kleinen Grafit
Verlag wieder gelungen, eine vielversprechende neue
Autorin abseits der großen Namen zu entdecken
und sie nach Deutschland zu bringen. Margherita Oggero
schreibt, wie ihre Hauptfigur spricht und denkt: in
oft langen Sätzen, durchzogen von Ironie und trockenem
Humor. Sie zeigt uns eine typische italienische links-intellektuelle
Akademikerin, die ihren Bildungsauftrag sehr ernst nimmt,
ihrem Gatten Ausflüge in den "Machismo"
gestattet und auch eine romantische Ader hat. Eine etwas
schrille, aber eine tolle Frau, denkt sich der Leser
und verfolgt gespannt ihren Kampf mit einem prall gefüllten
Alltag, der mindestens genauso spannend ist wie der
Fall.
Schön,
blond, reich und tot ist ein literarischer Krimi
wie er sein sollte: interessante Charaktere, ein gut
konstruierter Plot und eine stilistisch ausgefeilte
Sprache, treffend übersetzt von Christiane von
Bechtolsheim.
(©
2004 Ingrid Ickler für all-around-new-books.de)
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