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Krimi/Thriller

Selbs Mord

Autor: Bernhard Schlink

Roman
gebunden mit Schutzumschlag, 266 Seiten
erschienen: 2001
Diogenes
ISBN: 325706280X
Preis: 19,90 Euro
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Rückentext:
Selb könnte sich allmählich auf den Lebensabend einstellen, findet seine Freundin Brigitte. Ihr ist der eigenbrötlerische Siebziger immer noch zu unruhig und unabhängig. Die Freunde gehen in Pension. Die wenigen Aufträge lohnen das Büro kaum noch – er sieht es selbst. Doch dann hilft er in einer verschneiten Februarnacht einem liegengebliebenen Mercedes aus dem Graben und hat plötzlich einen sonderbaren Auftrag am Hals. Einen Auftrag, der den Auftraggeber, Erbe einer alteingesessenen Schwetzinger Privatbank und seit neuem auch Eigentümer einer Bank in Cottbus, eigentlich nicht interessieren kann. Der auch Selb im Grunde nicht interessiert und in den er sich doch immer tiefer verstrickt. Die Spur des Geldes führt ihn von West nach Ost, von einer Nachwendeniederlage zur anderen und am Ende zur Frage, ob er sich auf seine alten Tage nicht übernommen hat. Ein aufregender Kriminalroman aus der jüngsten deutsch-deutschen Vergangenheit. Und ein nachdenklich stimmender Roman über das Altern.

(© 2001 Diogenes Verlag)

Pressestimmen:
"Das wirklich Meisterhafte an Schlinks Prosa ist ihre Intelligenz. Es ist, ganz im Sinne seiner amerikanischen Vorbilder, eine Intelligenz des ›common sense‹. Sie liegt im Vermögen, Fragestellungen und Problemzusammenhänge anschaulich werden zu lassen. Verschmelzung von Erzählmustern der deutschen Novellistik des 19. Jahrhunderts und zeitdiagnostischem Realismus, wie er in Amerika Tradition hat: diese Doppelbegabung hebt Schlink weit hinaus über das, was heute üblicherweise in deutscher Prosa geboten wird." (Tilman Krause/Die Welt, Berlin)

"Schlink ist der brillante Erzähler, der mit der Klarheit und Nüchternheit eines Ermittlungsrichters die Geschichte auf ihr Ende zusteuert. Dieses Ende ist konsequent und immer überraschend." (Rainer Schmitz/Focus, München)

"Selb hat alle Anlagen, den großen englischen, amerikanischen und französischen Detektiven, von Philip Marlowe bis zu Maigret, Paroli zu bieten – auf seine ganz spezielle, deutsche, Selbsche Art." (Wochenpresse, Wien)

Fazit:
Gefeierte, mit Preisen überschüttete Autoren werden von Verlagen häufig zu Schnellschüssen verführt. Rasch ein neues Buch auf den Markt werfen, solange das Feuilleton noch besoffen von den eigenen Lobesarien ist. Was tun, wenn man als Autor eigentlich nicht mehr über kriminalistische, sondern über Themen wie die deutsche Vergangenheit und Gegenwart, das Altwerden und das Leben an sich schreiben will?
Herausgekommen ist eine Melange, ein Krimi, der die ganze Fangemeinde von Schlink ansprechen soll. Die Verbrechens-
handlung und -lösung ist nur der rote Faden, um die eigentlichen Themen auf Schlinks Perlenkette aufzuschnüren.

Privatdetektiv Selb, ein ehemaliger Staatsanwalt, befindet sich auf dem Weg in den Ruhestand. Eigentlich übernimmt er nur noch kleine, überschaubare Fälle, auch wenn ihn zum Karriereende ein spektakulärer Fall reizen würde. Ein Abschluss mit Stil, weniger der Eitelkeit wegen, als mehr um der erzielten Gerechtigkeit willen. Ein moralisches Ruhepolster fürs Altenteil. Natürlich kommt es anders, wie alles im Leben von Selb irgendwie nicht nach Plan lief. Oder wie Selb es ausdrückt: "Die Geschichten wollen ihr Ende und geben keine Ruhe, bis sie es haben."

Geschickt verbindet Schlink die Betrachtungen Selbs über das Leben und seine Melancholie mit seinem Vorgehen bei den Ermittlungen. Die Persönlichkeit Selbs, die durch kurze Rückblicke in seine Vergangenheit und in der Auseinandersetzung mit der Gegenwart vor den Augen des Lesers entsteht, ist eng mit dem Verbrechen verknüpft. Wie Schlink das konstruiert, ist schlicht und einfach brilliant!

Aus Sicht des Krimi-Puristen hat dies einen hohen Preis: Die Komplikationen bei der Lösung des Falles sind voraussehbar, werden fast sogar angekündigt. Man muss nur den Kontemplationen Selbs folgen. Kompliziert ist dies nur, weil sie so vielfältig sind.

Friedrich Glauser Fans werden sich stilistisch bei Schlink zuhause fühlen. Nur, dass Schlink die Glauserische Schweizer Welt en miniature nicht mehr ausreicht. Es muss auch Cottbus und Berlin sein, um Antifa, Skins, Ossi-Wessi-Verhältnis, Russenmafia etc. thematisieren zu können.

Es wird wieder Preise hageln, aber Schlink hat gegenüber dem Verlagsdruck diesmal vorgebaut. Noch einen Selb dürfte es eigentlich nicht geben. Warum wird hier nicht verraten, nur soviel: "So ist das. Man macht dies, und man macht das, und auf einmal war's dein Leben."

(© 2001 Philip Schreiterer für all-around-new-books.de)

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