Verlagstext:
Zu Beginn jedes der dreiunddreißig kurzen Kapitel
sagt der Ich-Erzähler uns höflich Guten Morgen
und nennt die Uhrzeit, ehe er beschreibt, wie er den
Tag beginnt, mit Kaffeekochen im Dunkeln, dem Streichholzanzünden
vor dem Kamin und dem Biss in den Morgenapfel. Wenn
er einen hat, sonst isst er eine Birne. Dann sitzt er
vor dem Feuer und teilt uns mit, was ihm durch den Kopf
geht.
Z. B., dass gestern seine Socke ein Loch hatte und wie
er Greta, die Ente, füttert und vor Winterkälte,
den Füchsen und Kojoten schützt, denn im Haus
kann sie wegen der grünen Kleckse nicht bleiben.
(©
2004 Rowohlt Verlag)
Zum
Autor:
Nicholson
Baker wurde 1957 in Rochester/New York, geboren. Er
studierte u.a. an der Eastman School of Music und lebt
heute mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in South
Berwick, Maine. 1997 erhielt er den Madison Freedom
of Information Award.
Buchbesprechung
- Rezension:
Emmett, 44, verheiratet mit Claire, Vater von Tochter
Phoebe, 14, und Sohn Henry, 8, Lektor in einem medizinischen
Fachbuchverlag, hat Schlafstörungen. Damit er abends
richtig müde ist und gut einschlafen kann, steht
er morgens sehr früh und lange vor seiner Familie
auf, zwischen vier und fünf, oft früher, gelegentlich
mal etwas später.
Eitel
ist er nicht. Wie einen Tagebuchleser lässt er
uns teilhaben an seinem täglichen Aufsteh-Ritual:
dem Feuermachen im Kamin, dem Kaffeekochen, dem Duschen
und manchmal auch dem Pinkeln.
Emmett
liebt diese Zeit, wenn er nicht mehr schläft und
noch nicht richtig wach ist. Das Licht bleibt aus, es
würde diesen Zwischenzustand zu abrupt beenden.
Als Beleuchtung dient ihm lediglich der Mond und das
Feuer - wenn es endlich brennt - im Kamin. In dieser
Atmosphäre verschwimmen Realität und Imagination.
Emmett denkt darüber nach, was er gestern getan
hat und was er heute erledigen muss. Dabei entstehen
Assoziationen und Erinnerungen an seine Kindheit, seine
Großeltern, die erste Begegnung mit Claire vor
23 Jahren, an pubertäre Angstträume, an Erlebnisse
mit seinen Kindern, an Krankheiten und Löcher in
den Socken. Im Verlauf der 33 puzzleartig zusammengesetzten
Streichholzgeschichten erhalten wir ein Gesamtbild des
Menschen Emmett und seiner Familie.
Nicholson
Baker ist der große Beschreiber kleiner, banaler
Dinge, Gedanken und Alltagsgeschichten, die dadurch
groß und bedeutend werden. Wer Action sucht, wird
von seinen Büchern enttäuscht sein. Bakers
literarische Qualität ist seine wunderbare, bildhafte
Sprache, die von Eike Schönfeld wieder vortrefflich
übersetzt wurde.
Und
doch wurde für mich die Freude beim Lesen ein wenig
getrübt: Durch die strenge Form der 33 Kurzgeschichten,
die zusammen ein Roman sein sollen, ist der Lesefluss
etwas gehemmt. Die häufigen Wiederholungen (Aufstehen,
Feuermachen, Kaffeekochen) lassen das dünne Buch
bisweilen etwas langatmig und langweilig werden.
(©
2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)
******************************************************************************
Sie
haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar
abgeben? Dann bitte hier
entlang ...
|