|
Inhalt:
Die heißen Santa-Ana-Winde
wehten aus der Wüste herüber und dörrten die letzten Frühlingshalme
zu bleichem Stroh. Nur die Oleanderbüsche gediehen, die zarten,
giftigen Blüten, die Blätter scharf wie Dolche. In den heißen,
trockenen Nächten konnten wir nicht schlafen, meine Mutter
und ich. Ich erwachte um Mitternacht und sah, daß ihr Bett
leer war. Ich fand sie auf dem Flachdach; ihr blondes Haar
leuchtete weiß wie eine Flamme im Licht des Drei-viertelmondes.
"Oleanderzeit",
sagte sie. "Liebende, die sich jetzt gegenseitig um-bringen,
werden es auf den Wind schieben." Sie hielt ihre schmale,
lange Hand in die Höhe, spreizte die Finger und ließ den trockenen
Wüstenwind hindurchwehen. In der Zeit der Santa Anas war meine
Mutter nicht sie selbst. Ich war zwölf Jahre alt und hatte
Angst um sie. Ich wünschte mir, daß es wieder so wäre wie
früher, daß Barry hier wäre, daß der Wind aufhörte zu wehen.
Astrids Wünsche erfüllen
sich nicht. Im Gegenteil: das sensible, kluge Mädchen wird
bald auch seine Mutter vermissen. Denn Ingrid tötet ihren
Liebhaber Barry und wird zu lebenslanger Haft verurteilt -
eine Strafe auch für Astrid. Für sie beginnt eine Odyssee:
Sie wan-dert in Los Angeles von Pflegefamilie zu Pflegefamilie
- jeweils ein neuer Kosmos mit ganz eigenen Gesetzen und Ritualen
- und macht dort Erfahrungen, die den Leser nicht mehr loslassen
werden. Gefesselt von Astrids Mut und ihren treffenden Beobachtungen,
möchte er nur noch eines: sie begleiten, bis sie ihren Platz
in der Welt gefunden hat.
Zäh, unbeugsam, komisch und
warmherzig - Astrid ist eine der eindrücklichsten Romanfiguren
der letzten Jahre. In dem Lebensweg einer jungen Frau, die
sich entschieden hat, bis zum Wesen der Dinge vorzudringen,
obwohl es mitunter weh tut, spiegelt Janet Fitch virtuos das
Bild der modernen, von Entfremdung bedrohten Gesell-schaft.
Entstanden ist zugleich ein bewegender Roman über die Sehnsucht
nach Zugehörigkeit und Nähe, der frei ist von jeder Rühr-seligkeit.
Die Autorin erzählt in solch poetischen Bildern von der Stärke
des Ichs und der Sprengkraft der Phantasie, aber auch von
dem Gift und der Heilkraft der Liebe, daß man sich wünscht,
ihr Sirenengesang möge nicht verstummen.
(©
2000 Gustav Lübbe Verlag)
Pressestimmen:
"Janet Fitch
schreibt mit atemberaubender Schönheit über das zentrale Thema
unseres Zeitalters: die Suche nach dem Ich. Weißer Oleander
ist ein bemerkenswertes Debut." (Robert Olen Butler)
"Kraftvolle, geschliffene
Prosa, eine gut geschriebene Geschichte, gelungene, vielschichtige
Charaktere und fein nuancierte Beobachtungen — in der Tat
ein eindrucksvoller erster Roman." (Kirkus Reviews)
Fazit:
Ein wirklich beeindruckender Debüt-Roman, der schon nach
weni-gen Seiten maßlos gefangennimmt und dessen Figuren
einen nicht mehr loslassen. Auch nicht, wenn die Buchdeckel
schon lange geschlossen sind. Janet Fitch ist eine sehr talentierte
Geschichten-erzählerin.
(©
2000 Evelyn Schaust-Weber)
******************************************************************************
Sie
haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar abgeben?
Dann bitte hier
entlang ...
|