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Sonstiges

Der Tisch des Dichters
Erzählungen und Gedichte

Autorin: Gabriele Loges

Taschenbuch, 120 Seiten
erschienen: 2004
Geest
ISBN: 3-937844-05-8
Preis: 10,00 Euro

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Inhalt und Buchbesprechung - Rezension:
Ein schönes Buch, ein nachdenkliches Buch, ein nicht immer verständliches Buch. Ein Buch, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verwebt. Loges verweilt an den Schnittstellen der Zeiten, betrachtet sie wie ein detailliertes Bild. Nicht selten befinden sich diese Schnittstellen dort, wo uns Zufälle oder/und Phänomene begegnen, dort, wo sich Schwermut mit bebender Sehnsucht kreuzt.
Deutlich wird das zum Beispiel in der Erzählung Asphaltwurzeln.
Die junge Ich-Erzählerin sitzt im Seminar, einer der Teilnehmer
erscheint ihr vertraut. Wie der Großvater, denkt sie, sieht er aus - irgendwie, und sie erinnert sich an ihn. Straßen hat er gebaut, gerade verlaufende, aber auch Kurven. Durch manchen Asphalt bricht die Natur mit den Jahren junge Triebe. Und so erging es auch dem Großvater - Abseits der Familie findet dieser für kurze Zeit ein frisches Glück. Und der junge Mann, der nun im Seminar nahe der Ich-Erzählerin sitzt - ist dieser junge Mann der junge Trieb dieses Glücks?

Loges gibt nachdenkenswerte Impressionen wieder. Einzelne Texte sind voller Schwermut und machen betroffen, doch sie verletzen nicht, hüllen eher ein, ganz vertraut.
Was, so fragt sich die Autorin, macht den Tisch des Dichters zum Tisch von Thomas Mann? Die Episode seines Erwerbs, eingereiht in eine Zahl von Urlaubserzählungen kann es wohl kaum sein. Oder doch eher die verträumte Suche nach dem, was auf diesem jenen besagten Tisch geschrieben wurde? Und wie ist es mit der vielbesungenen verlorenen Liebe, einer Liebe, die verlorgen geht, da man sich nicht traut, aufeinander zuzugehen, einen Teil von sich preiszugeben und den anderen Menschen dafür zu gewinnen?
Fotografien von Florina Leinß und Gabriele Loges untermalen die
Zwischenstimmungen des Buches treffend.
Bewegt sich Loges mit ihren Themen hauptsächlich in den Bereichen des zwischenmenschlichen, des sozialen, greift sie doch auch politische Inhalte auf und bearbeitet sie kritisch. Immer bleibt die Autorin dabei ganz dicht am direkten Leben, vermittelt dies auch durch detaillierte und gut fühlbare Beschreibungen.
Wunderschön zu lesen ist da unter anderem ihre Erzählung Spitze Dächer', die von einer italienischen Familie erzählt, die als Gastarbeiter nach Deutschland kommt, um sich zu finanzieren. Es werden Verluste emotional nachvollziehbar, die sonst für Aussenstehende kaum erkennbar sind, für einige Buchseiten lebt man mit der Hauptheldin Rosa und kommt so ihrem Schicksal nahe, obwohl sie uns im realen Leben eine Fremde bliebe.
Loges, hauptberuflich Bibliothekarin, nutzt ihre Sprache ausgefeilt und bewusst, manchmal wirkt sie naiv und erschreckt uns damit, zum Beispiel wenn sie den depremierenden Alltagstrott einer glanzlosen geborenen Hausfrau beschreibt. Doch diese Schwere kontrastiert hart mit der Leichtigkeit des Kirschblütenschnees im Frühling des nachfolgenden Gedichtes. Das Buch enthält Texte, immer nah am Leben und lebendig in der Sprache, irdisch das erzählte, nichts abgehobenes, klar und frei von Illusionen oder Klischees.
Die Erzählungen wechseln mit Gedichten, führen ein Gespräch miteinander, ergänzen und erweitern sich gegenseitig, dabei liegt Loges Stärke vor allem in der Prosa.

Loges hat mit dem Tisch des Dichters' ein Buch geschrieben, das, wenn man es denn begonnen hat, gefangen nimmt, obwohl es der Leichtigkeit des Seins entbehrt, obwohl es keine Friede-Freude-Eierkuchen-Welt vorgaukelt. Es ist ein Buch, das vor allem Frauen (aber nicht nur) in ihrer Lebenswelt wahrnimmt und in geschriebenen Form widerspiegelt.

(© 2004 Cornelia Eichner für all-around-new-books.de)

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