| Klappentext:
Der Mann: ein Auslaufmodell? Ja, sagt Anthony Clare, der als
Psychiater männliche Depressionen behandelt. Die Entwicklung
lässt sich nicht aufhalten und nicht zurückdrehen.
Zukunft haben Männer nur, wenn sie lernen, auf dem Gebiet
«unersetzlich» zu werden, das sie bisher gemieden
haben wie die Pest: im Bereich der Gefühle und der Beziehung
zu anderen.
Die Karten stehen schlecht für den Mann. Das starke
ist nicht nur zum schwachen, sondern auch zum entbehrlichen
Geschlecht geworden. Und das auf der ganzen Linie:
- Gesellschaftlich sind Männer schon längst nicht
mehr die »breadwinners«, die allein die Familie
ernähren und deshalb zu Hause liebevoll bei Kräften
gehalten werden müssen.
- Die globalisierte Wirtschaft baut auf junge Kräfte.
das »beste Mannesalter« hat ausgedient.
- Zu Hause wartet niemand auf den Mann im mittleren Alter,
der ganz für seinen Beruf, aber nie für andere da
war: die Familie hat sich ohne ihn eingerichtet. Das Syndrom
des »leeren Nests« trifft heute den Mann, nicht
mehr die Frau.
- Im Bildungsbereich ziehen die Frauen immer deutlicher an
den Männern vorbei.
Kurz, die Rollen, die einst
Männlichkeit verbürgt haben, funktionie-ren nicht
mehr. Noch sitzen Männer in den entscheidenden Macht-positionen.
Doch mit Gewalt lässt sich die Vormachtstellung auf Dauer
nicht halten. Die Zeit arbeitet gegen das Prinzip Männlichkeit.
Und doch, so Clare, haben
Männer eine letzte Chance. Allerdings nicht in der Arena
des gnadenlosen Wettbewerbs, dafür aber in der Intimität
persönlicher Beziehungen. In diesem Sinne könnten
Männer Zukunft haben - und es könnte eine bessere
sein als das Leben, das die Gegenwart ihnen heute beschert.
(©
2002 Scherz Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
„Männer haben keine Zukunft“ - der
Titel des Buches von Anthony Clare klingt wie eine Boulevardzeitungsschlagzeile.
Der Autor erklärt auf knapp 300 Seiten in acht Kapiteln
die eventuell kommende Entbehrlichkeit der Männer. Er
benutzt dazu geschicht-liche Fakten des über Jahrhunderte
gewachsenen Patriarchats und belegt seine Thesen mit unstrittigen
Beispielen. So zitiert er Freud, erläutert die Mythen
von Ödipus und Narziss und greift immer wieder zu Statistiken.
Und ich werde gerade bei den Statistiken das Gefühl nicht
los, dass man jede Statistik aus verschiedenen Richtungen
lesen kann und hier nur der Blickwinkel ausgeleuchtet wurde,
der der Aussage des Buches untermauernd dienen kann.
Gegen Ende des Werkes gibt der Autor Antworten zur Rettung
der Männer. Die meisten dieser Antworten sind schon durch
die Medien bekannt. Fest steht, dass die Männerwelt sich
ändern muss. Auch der Autor bemerkt zum Glück die
ersten Anzeichen dieses Vor-gangs. Um als Spezies nicht der
Tilgung zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Erde zum
Opfer zu fallen, müssen die Männer gefühlsbetonter
und sozialer werden und eine grundlegende Neubewertung ihrer
Beziehungen zwischen Arbeit und Privatleben vornehmen.
Nach dem Lesen des Buches tat mir ein Teil der Zeit leid,
den ich zum Lesen verwendet hatte. Vielleicht sind ein paar
Statistiken doch zu viel des Guten. Ich wäre glücklicher
mit der Hälfte der Seiten gewesen und hätte die
restliche Zeit nutzen können, einiges zu tun, um noch
eine Zukunft zu haben.
Insgesamt:
Ein Buch voll von Statistiken und Beispielen aus der Welt
der Mythen und Psychoanalyse, das seine Leser nicht lang-weilt,
aber längst nicht so reißerisch zu lesen ist, wie
es der Titel suggeriert.
(©
2002 Ulf Großmann für all-around-new-books.de)
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