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Inhalt:
Ein philosophisches
Streitgespräch über die Liebe
Die Enigma-Variationen des Sir Edward Elgar halten ihr eigentliches
Thema im Verborgenen. Es soll sich um ein sehr bekanntes Lied
handeln, behauptete Elgar ehedem, und die Experten rätseln
noch heute. Der vermeintliche Journalist Erik Larsen interviewt
den Literatur-Nobelpreisträger Abel Znorko in dessen
Eremitage. Sie reden über Znorkos Briefroman einer leidenschaftlichen
Liebes-beziehung. Peu à peu treibt der sanfte Besucher
den Schriftsteller in die Enge: Die Briefe sind nicht fiktiv
...
Enigma ist das fesselnde
Enthüllungs-Stück eines Autors, der heute schon
mit Jean Giraudoux und Jean-Paul Sartre verglichen wird. Die
Hörspielbearbeitung von Schmitts Bühnenstück,
einem philosophischen Streitgespräch verwandt, bietet
den Sprechern Jürgen Hentsch und Winfried Glatzeder ein
dramatisches Spielfeld, dessen Grenzen sie begeistert ausloten.
(©
2001 Der Audio Verlag)
Besprechung - Rezension:
Der berühmte Schriftsteller Abel Znorko, Literatur-Nobelpreisträger,
lebt völlig zurückgezogen, einsam, kauzig auf einer
kleinen Insel im Norden Norwegens. Hier entstehen seine erfolgreichen,
meistens philosophischen Werke. Den ganz großen Coup
hat er nun mit seinem 21. Buch gelandet, für ihn ganz
unüblich: eine Liebesgeschichte in Briefen. Übersetzungen
in 30 Sprachen sind bereits in Vorbereitung. Eines Tages kommt
Besuch auf die Insel Rösvannöy: der Journalist Erik
Larsen, um mit Znorko über das "Meisterwerk"
zu sprechen. Warum Znorko, der seit Jahren keine Interviews
mehr gegeben hat und Journalisten für "geistige
Krüppel, für etwas Unausstehliches" hält,
gerade Erik Larsen, dem Schreiber einer unbedeutenden Provinzzeitung
Audienz Gewährt, bleibt sein großes Geheimnis,
eines der zahlreichen in dem Theaterstück "Enigma".
Und
hier beginnen die Schwierigkeiten, den Inhalt des Stücks
zu beschreiben, ohne die Pointen zu verraten, was dem Text
die Spannung nähme. Es gibt drei atemberaubende Höhepunkte,
an denen die Handlung eine 180-Grad-Wendung vollzieht. Verraten
sei nur so viel: Es geht um einen Disput über Liebe,
Ehe, Sex, Schönheit, Krankheit, Sterben, der philosophische
Dimensionen erreicht, der zum Streit ausartet, der mal Znorko,
mal Larsen als Sieger dastehen lässt, aber stets mit
einer Leichtigkeit und viel Komik geführt wird. Die Spannung
dieser wunderbaren Liebesgeschichte steigt kontinuierlich
an und findet ihren Höhepunkt am Schluss mit dem emotionalen
Paukenschlag.
Das Stück
hatte 1996 seine Uraufführung in Paris und gehört
seit dieser Zeit, wegen seiner zwei Paraderollen, zum Repertoire
der europäischen Theater.
Nun
liegt dieser Text auch als Hörspiel auf CD vor, produziert
vom Mitteldeutschen Rundfunk mit den großartigen Schauspielern
Jürgen Hentsch und Winfried Glatzeder, die für eine
Theateraufführung eine exzellente Besetzung wären.
Die Textfassung für diese Produktion ist klug gekürzt
auf 77 Minuten, und mit Götz Naleppa hat man einen der
profiliertesten Hörspielregisseure gewonnen. Gute Voraussetzungen
für einen literarischen Hörgenuss. Aber der will
sich leider nicht einstellen. Das Hörspiel wirkt kalt,
gefühllos, unpersönlich. Als Hörer bleibt man
sehr distanziert dem Geschehen gegenüber. Die oben geschilderten
Höhepunkte verflachen; die Faszination und Begeisterung,
die sich im Theater einstellen, kann man überhaupt nicht
nachvollziehen.
Die Crossover-Praxis
der Kunstsparten und Medien (Filme und Romane auf die Bühne,
Theaterstücke im Film und Hörspiel), die in den
letzen Jahren immer populärer wurde, kommt hier deutlich
hörbar an ihre Grenzen.
"Enigma"
auf der Bühne ist wie ein Boxkampf: Mal punktet der eine,
mal setzt der andere einen Treffer, einen Leberhaken, der
beinahe zum k.o. führt. Der Text eines Stückes ist
nur die eine Hälfte des Kunstgenusses auf der Bühne,
die andere ist das Sichtbare, der Schauspieler mit seinen
Gesten, seiner Mimik. "Er genießt es, seinen
Besucher zu verwirren. / Ein leichtes Unbehagen auf beiden
Seiten / Larsen senkt betroffen den Kopf, er ist beschämt.
Versucht diesen Zauber zu brechen / mit einem zweideutigen
Blick / dem das ganze sehr peinlich ist." Solche
Regieanweisungen kann ein Schauspieler darstellen. Und oft
gelingt es, damit mehr auszudrücken als mit dem Text.
Einen
Prosatext kann man problemlos vorlesen, als Vorlage zu einem
Hörbuch benutzen. Bei einem Stück wie "Enigma",
bei dem es auf den Ausdruck der Darsteller, auf die Emotionen
ankommt, ist dies nicht möglich; die Theatervorlage bleibt
als Hörspiel weit unter ihrer Qualität.
(©
2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)
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