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Enigma

Autor: Eric-Emmanuel Schmitt

Hörspiel
Sprecher: Jürgen Hentsch, Winfried Glatzeder
1 CD mit Booklet (16 Seiten), ca. 77 Minuten
erschienen: 2001
DAV
ISBN: 3-89813-151-3
Preis: 15,95 €

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Inhalt:
Ein philosophisches Streitgespräch über die Liebe
Die Enigma-Variationen des Sir Edward Elgar halten ihr eigentliches Thema im Verborgenen. Es soll sich um ein sehr bekanntes Lied handeln, behauptete Elgar ehedem, und die Experten rätseln noch heute. Der vermeintliche Journalist Erik Larsen interviewt den Literatur-Nobelpreisträger Abel Znorko in dessen Eremitage. Sie reden über Znorkos Briefroman einer leidenschaftlichen Liebes-beziehung. Peu à peu treibt der sanfte Besucher den Schriftsteller in die Enge: Die Briefe sind nicht fiktiv ...

Enigma ist das fesselnde Enthüllungs-Stück eines Autors, der heute schon mit Jean Giraudoux und Jean-Paul Sartre verglichen wird. Die Hörspielbearbeitung von Schmitts Bühnenstück, einem philosophischen Streitgespräch verwandt, bietet den Sprechern Jürgen Hentsch und Winfried Glatzeder ein dramatisches Spielfeld, dessen Grenzen sie begeistert ausloten.

(© 2001 Der Audio Verlag)


Besprechung - Rezension:
Der berühmte Schriftsteller Abel Znorko, Literatur-Nobelpreisträger, lebt völlig zurückgezogen, einsam, kauzig auf einer kleinen Insel im Norden Norwegens. Hier entstehen seine erfolgreichen, meistens philosophischen Werke. Den ganz großen Coup hat er nun mit seinem 21. Buch gelandet, für ihn ganz unüblich: eine Liebesgeschichte in Briefen. Übersetzungen in 30 Sprachen sind bereits in Vorbereitung. Eines Tages kommt Besuch auf die Insel Rösvannöy: der Journalist Erik Larsen, um mit Znorko über das "Meisterwerk" zu sprechen. Warum Znorko, der seit Jahren keine Interviews mehr gegeben hat und Journalisten für "geistige Krüppel, für etwas Unausstehliches" hält, gerade Erik Larsen, dem Schreiber einer unbedeutenden Provinzzeitung Audienz Gewährt, bleibt sein großes Geheimnis, eines der zahlreichen in dem Theaterstück "Enigma".

Und hier beginnen die Schwierigkeiten, den Inhalt des Stücks zu beschreiben, ohne die Pointen zu verraten, was dem Text die Spannung nähme. Es gibt drei atemberaubende Höhepunkte, an denen die Handlung eine 180-Grad-Wendung vollzieht. Verraten sei nur so viel: Es geht um einen Disput über Liebe, Ehe, Sex, Schönheit, Krankheit, Sterben, der philosophische Dimensionen erreicht, der zum Streit ausartet, der mal Znorko, mal Larsen als Sieger dastehen lässt, aber stets mit einer Leichtigkeit und viel Komik geführt wird. Die Spannung dieser wunderbaren Liebesgeschichte steigt kontinuierlich an und findet ihren Höhepunkt am Schluss mit dem emotionalen Paukenschlag.

Das Stück hatte 1996 seine Uraufführung in Paris und gehört seit dieser Zeit, wegen seiner zwei Paraderollen, zum Repertoire der europäischen Theater.

Nun liegt dieser Text auch als Hörspiel auf CD vor, produziert vom Mitteldeutschen Rundfunk mit den großartigen Schauspielern Jürgen Hentsch und Winfried Glatzeder, die für eine Theateraufführung eine exzellente Besetzung wären. Die Textfassung für diese Produktion ist klug gekürzt auf 77 Minuten, und mit Götz Naleppa hat man einen der profiliertesten Hörspielregisseure gewonnen. Gute Voraussetzungen für einen literarischen Hörgenuss. Aber der will sich leider nicht einstellen. Das Hörspiel wirkt kalt, gefühllos, unpersönlich. Als Hörer bleibt man sehr distanziert dem Geschehen gegenüber. Die oben geschilderten Höhepunkte verflachen; die Faszination und Begeisterung, die sich im Theater einstellen, kann man überhaupt nicht nachvollziehen.

Die Crossover-Praxis der Kunstsparten und Medien (Filme und Romane auf die Bühne, Theaterstücke im Film und Hörspiel), die in den letzen Jahren immer populärer wurde, kommt hier deutlich hörbar an ihre Grenzen.

"Enigma" auf der Bühne ist wie ein Boxkampf: Mal punktet der eine, mal setzt der andere einen Treffer, einen Leberhaken, der beinahe zum k.o. führt. Der Text eines Stückes ist nur die eine Hälfte des Kunstgenusses auf der Bühne, die andere ist das Sichtbare, der Schauspieler mit seinen Gesten, seiner Mimik. "Er genießt es, seinen Besucher zu verwirren. / Ein leichtes Unbehagen auf beiden Seiten / Larsen senkt betroffen den Kopf, er ist beschämt. Versucht diesen Zauber zu brechen / mit einem zweideutigen Blick / dem das ganze sehr peinlich ist." Solche Regieanweisungen kann ein Schauspieler darstellen. Und oft gelingt es, damit mehr auszudrücken als mit dem Text.

Einen Prosatext kann man problemlos vorlesen, als Vorlage zu einem Hörbuch benutzen. Bei einem Stück wie "Enigma", bei dem es auf den Ausdruck der Darsteller, auf die Emotionen ankommt, ist dies nicht möglich; die Theatervorlage bleibt als Hörspiel weit unter ihrer Qualität.

(© 2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)

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