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Klappentext:
Als James Cook 1768 zur ersten seiner drei großen Reisen
aufbrach, war die Erde gerade einmal zu zwei Dritteln kartiert.
Elf
Jahre später hatte Cook nicht nur auf dem Wasserweg die
Welt entschleiert, sondern auch umfangreiche kulturelle und
wissenschaftliche Studien vorgenommen, die das neuzeitliche
Bild der Erde entscheidend prägten. Kaum verwunderlich,
dass der Schriftsteller Georg Forster damals mutmaßte,
die Leistungen Cooks seien so ungeheuer, dass wohl niemand
jemals mehr fragen könne: «Wer war James Cook und
was tat er?»
Forster
irrte. Zwar ist viel über Cooks Leistungen bekannt, doch
verstellten die Fakten bisher den ungeschönten Blick
auf diese außergewöhnliche Figur. Tony Horwitz
lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters nicht nur auf die
dunklen Seiten des großen Forschers, sondern auch auf
die zum Teil entsetzlichen Konsequenzen, die dessen Entdeckungen
für «einfache» Kulturen nach sich zogen.
Dem Autor gelingt es, diese Begegnungen mit einer kraftvollen Plastizität zu schildern, da er sich nicht nur im übertragenen, sondern auch im wörtlichen Sinn auf die Spur des Entdeckers begeben hat. Er hat die Stationen von Cooks Reisen selbst besucht. An den Ufern, an denen Cook einst landete, hat Tony Horwitz den heißen Sand an den Füßen gespürt und die salzige Meeresluft geschmeckt mit einem außerordentlichen Gewinn: der «Entdeckung eines neuen, bisher unbekannten Captain Cook»
Der Autor:
Tony Horwitz, geboren in Washington, D. C., hat als Auslandskorrespondent für das Wall Street Journal aus den Krisengebieten der Welt berichtet, war Autor des New Yorker und ist 1995 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet worden. Nachdem er zehn Jahre in Sydney verbracht hat, lebt Tony Horwitz heute mit seiner Familie in Virginia.
(©
2004 Marebuchverlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
Der britische Seeoffizier und Forschungsreisende James Cook
(1728-1779) gilt als einer der bedeutendsten Seefahrer der
Entdeckungsgeschichte. Er unternahm zwischen 1768 und 1779
drei bedeutsame, an Entdeckungen reiche Weltreisen, wobei
er ausgiebig den Pazifik von Alaska bis zur Antarktis erforschte.
Mit seinem Schiff Endeavour erkundete Cook auf
der ersten Reise (1768/71) Tahiti und stellte fest, dass Neuseeland
aus zwei großen Inseln besteht. Außerdem landete
er als erster Europäer an der Ostküste Australiens
und nahm sie für England in Besitz (New South Wales).
Auf der wissenschaftlichen Reise (1772/75) mit Georg Forster
umsegelte er die Erde erstmals in Richtung von Osten nach
Westen und durchfuhr mit der Resolution die südlichen
Meere und überquerte dabei zweimal den südlichen
Polarkreis.
Auf der dritten Entdeckungsfahrt (1776/79) suchte er nach
einer nördlichen Durchfahrt vom Stillen zum Atlantischen
Ozean, entdeckte die Hawaii-Inseln und befuhr als einer der
ersten die Küste Alaskas und die Behringstraße.
Bei der Rückfahrt kam er auf Hawaii bei einer Auseinandersetzung
mit Eingeborenen um ein entwendetes Boot ums Leben.
James
Cook, der als Sohn eines mittellosen Landmanns und einer Schottin
geboren wurde, gilt als Musterbeispiel eines strebsamen Autodidakten
mit Weltkenntnissen. Mit 13 Jahren begann er eine Krämerlehre,
die er jedoch abbrach und sieben Jahre auf einem Kohleschiff
anheuerte. In dieser Zeit entwickelte Cook sich zu einem tüchtigen
Seemann und mit dem kargen Verdienst finanzierte er Unterrichtsstunden
in Mathematik und Nautik.
Er machte mehrere bedeutende Seereisen, ehe mit der Ernennung
zum Befehlshaber der Endeavour 1768 für ihn
die große Zeit der Entdeckungsreisen begann.
Der amerikanische Journalist Tony Horwitz hat sich vor ein paar Jahren mit einem Dutzend Wagemutiger an Bord eines modernen Nachbaus der Endeavour noch einmal auf die Cookschen Reisen gemacht. Er geht selber auf Expedition und hat sich die alten Logbücher vorgenommen, in dem Captain Cook alle Einzelheiten festgehalten hat, wo er war und was er tat. Doch sie geben nur selten Auskunft über das Warum.
Horwitz macht sich auf die Spuren des in einer Lehmhütte geborenen Bauernjungen, um den letzten großen Weltumsegler verstehen zu können. Diese Logbücher führen ihn immer wieder vor Augen, was für Fachidioten wir modernen Menschen doch geworden sind. Cook ließ sich in seinen Aufzeichnungen über Astronomie, Geologie und Meteorologie, über Handel und Diplomatie aus und auf der nächsten Seite über Meeresströmungen und die Entstehung von Inseln.
Horwitz
entdeckt den Entdecker Cook und beschäftigt sich mit
dessen vielschichtigem Charakter. Er versucht, dessen Person
zu ergründen und folgt dabei jedem Hinweis. Er entlarvt
ihn als einen zwanghaft ehrgeizigen Einzelgänger und
pedantischen Kontrollfanatiker mit einem Hang zu Verfolgungsängsten.
Zum Teil erklärt der Autor das aus der Herkunft, denn Cook hat sich aus den untersten Schichten der englischen Gesellschaft nach oben navigiert. Auf der anderen Seite sorgte er sich hingebungsvoll um seine Mannschaft und sagte der gefürchteten Skorbut-Krankheit den Kampf an. Auch die Folgen, die Cooks Reisen für die Entdeckten bedeuteten, untersucht Horwitz ausführlich, denn selbst Cook wurde mehr und mehr klar, dass er mit seinen Missionen die Flüche der europäischen Zivilisation viel großzügiger verbreitete als deren Segnungen. Er und seine Mannschaft brachten nicht nur Handelsgüter, sondern auch ansteckende Krankheiten und manchmal den Tod. So haben viele Tagebucheintragungen häufig etwas Beunruhigendes.
Intensiv beschäftigt sich Horwitz auch mit Cooks Tod in der Kealakekua Bay, indem er versucht nachzuvollziehen, wie es dazu kommen konnte und welche Fehler Cook und seine Mannschaft gemacht haben könnten.
Das
Buch ist eine spannende Abenteuerreise im Kielwasser des James
Cook, dabei entpuppt sich Tony Horwitz als ein exzellenter
und außergewöhnlicher Reiseführer. Nie kommt
auf den spannenden 700 Seiten Langeweile auf, denn der Schreibstil
ist flüssig und stilistisch ein Vergnügen. Mit großem
Idealismus wurde eine detaillierte Quellen- und Spurensuche
betrieben, hinter der immer wieder der Mensch Cook zum Vorschein
kommt. An allen aufgesuchten Orten wird die damals neuentdeckte
Welt mit der heutigen Realität verglichen und somit Vergangenheit
und Gegenwart verknüpft. Im Leser wird dadurch die Faszination
für ferne Länder und fremde Kulturen geweckt. Ein
literarisches Denkmal für den letzten großen Entdecker,
ein eindrucksvolles Porträt und eine unterhaltsame Lektüre!
(©
2004 Manfred Orlick)
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