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Rückentext:
Der Journalist Fabio Rossi, dreiunddreißig, erwacht
im Krankenhaus, mit einer Kopfverletzung und einem Blackout
von fünfzig Tagen. Die blonde junge Frau, die sich
zärtlich über ihn beugt, soll schon seit ein
paar Wochen seine Freundin sein. Fabio hat sie nie zuvor
gesehen. Seine Lebensgefährtin Norina dagegen weigert
sich hartnäckig, mit ihm zu sprechen. Nur allmählich
findet sich Fabio im eigenen Leben wieder zurecht. Aber
er kommt einem Alter ego auf die Spur, das ihm immer
rätselhafter wird. Warum bloß hatte er seinen
Job beim SONNTAG-MORGEN gekündigt? Und was verbirgt
sich hinter der "ganz großen Sache",
an der er angeblich drangewesen ist, wie man in der
Redaktion munkelt? Und welche Rolle spielte bei all
dem sein bester Freund und Kollege Lucas Jäger,
den er ausgerechnet mit Norina zusammen erwischt? Lucas,
der am ehesten Zugang zu all seinen Unterlagen und elektronischen
Daten hatte - die von dritter Hand manipuliert wurden.
Fabio
gibt nicht auf. Er rekonstruiert sein verschwundenes
Leben Schritt für Schritt. Und er wird wieder in
jene skandalöse Geschichte hineingezogen, die der
Öffentlichkeit eigentlich verheimlicht werden sollte
...
Ein
faszinierender Roman über einen Mann in einer Lebenskrise.
Ein Psychothriller über eine Männerfreundschaft.
Ein aufregender Krimi zu einem leider sehr aktuellen
Thema.
(©
2002 Diogenes Verlag)
Fazit:
Das Thema Gedächtnisverlust beschäftigt momentan
die Unter-haltungsbranche: Im Kino der Film "Memento",
in der Politik die Parteispendenuntersuchungsausschüsse
und jetzt die Krimiliteratur. Die Konstellation mag
reizvoll sein, eine Geschichte von hinten aufzuzäumen,
die Hauptfigur nach etwas suchen zu lassen, was bereits
passiert ist. Nur bei Martin Suters Ein perfekter
Freund klappt das nicht.
Seine
Hauptfigur, der Journalist Fabio Rossi, erwacht nach
einem "Unfall" im Krankenhaus. Eine Frau pflegt
ihn, die er nicht kennt. Seine Freunde, insbesondere
seine große Liebe, meiden ihn. Seine Stelle bei
einer Zeitung hat er gekündigt. Insgesamt fehlen
in seiner Erinnerung 50 Tage. Peu a peu versucht er,
diese zu rekapitulieren. Dabei stellt er fest, dass
seine Aufzeichnungen verschwunden und Daten von seinem
Palm gelöscht wurden. Eine für ihn und den
Leser mühsame Kleinarbeit beginnt.
In
den Wochen vor seinem Unfall hatte Fabio Rossi sich
verändert. Macht, Geld und Sex standen plötzlich
an erster Stelle. Als er im Krankenhaus erwacht, ist
er wieder der Alte, der nette, idealistische, investigative
Journalist. Seine neue Welt ist ihm fremd, seine alte
glaubt ihm seine Wandlung nicht. Nur ein Freund hält
zu ihm, aber den verdächtigt Rossi, ihm seine Freundin
und die "Große Geschichte" gestohlen
zu haben, die es vielleicht gar nicht gab.
Natürlich
stellt sich heraus, dass es kein Unfall war, der zu
seinem Gedächtnisverlust führte. Natürlich
gab es eine "Grosse Geschich-te", hinter der
er her war. Natürlich gewinnt er am Ende seine
große Liebe zurück. Alles vorhersehbar! Insbesondere
der Kniff, auf den alles zusteuert. Und die zweifache
Wandlung von Rossi ist in keiner Weise nachvollziehbar.
Schade und ärgerlich.
Was
Ein perfekter Freund noch halbwegs lesenswert
macht, ist Suters hervorragender Stil und die Randanekdoten.
Wunderbar ist die Figur des Psychiaters Dr. Vogel. Charmant
die Beschreibung der Erlebnisse eines Italieners in
der Schweiz. Originell auch die Darstellung der "high
society", auch wenn Marlen, die hübsche PR-Maus,
etwas zu flach geraten ist.
Leider
reicht das nicht, jedenfalls nicht für Krimifreunde.
Trotzdem darf man mit Spannung auf das nächste
Buch von Suter warten, wenn er nicht einem Modethema
hinterher rennt.
(©
2002 Philip Schreiterer für all-around-new-books.de)
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