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Biografie & Lebenserinnerungen

 
Notaufnahme
Geschichten zwischen Leben und Tod

Autor: Frank Huyler

gebunden mit Schutzumschlag, 174 Seiten
erschienen: 09/2001
C. H. Beck
ISBN: 3406480799
Preis: 14,90 Euro
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Inhalt:
Eindringlich und sensibel erzählt Frank Huyler von den Spuren und Irritationen, von den Augenblicken des Glücks und den Momenten der Hilflosigkeit, die die oft dramatische Arbeit eines Notarztes begleiten. Keine göttergleichen Ärzte und lebenskluge Patienten à la Emergency Room oder Chicago Hope spielen hier die Hauptrolle. Und vielleicht ist gerade dies das eigentlich Verstörende an Huylers Erzählungen: Zu erkennen, dass offenbar weder Arzt noch Patient zum Helden taugen.

Verdichtet wie in einer Vignette, portraitiert Huyler ebenso faszinierende wie irritierende Charaktere, Ärzte wie Patienten, und bringt dabei die Seite der Medizin zum Vorschein, in der die kleinen unscheinbaren Momente des Klinikalltags verwoben sind mit dem Leben und Sterben unheilbar Kranker oder Schwerverletzter. Gleichzeitig dokumentiert dies die fast unmerkliche, doch stete Suche des Autors, das immer wieder neu aufzunehmende Ringen um die Unversehrtheit oder gar um das Leben eines Fremden, seines Patienten, aushalten und bestehen zu können. Ein eindringliches Portrait der heutigen Medizin und ein bewegendes Psychogramm der Begegnungen und Gefühle von Arzt und Patient.

(© 2001 C. H. Beck Verlag)

Fazit:
Frank Huyler schildert in sehr unterschiedlichen Kurzgeschichten seine Erfahrungen als junger Chirurg in der Notaufnahme einer Klinik im Süden der Vereinigten Staaten. Es sind eindrückliche Geschich-ten, oft extrem, manche auch makaber, andere wunderlich, viele wundervoll.

Einige davon räumen radikal mit unseren von Vorabendserien geprägten Vorstellungen des ärztlichen Alltags auf. Schonungslos beschreibt Huyler die Arbeitsbedingungen. Ernüchtert lernt er, keine persönlichen Beziehungen zu Patienten aufzubauen, um nicht emotional zu zerbrechen. Doch zum Glück lässt sich dies nicht ganz vermeiden. Erschreckt beobachtet er bei sich und seinem Umfeld die Tendenz zu Sarkasmus und Zynismus. Für alle Leser und insbesondere Leserinnen, die in Ärzten - im Gegensatz z. B. zu Politikern - eine Vertrauensperson sehen, wird George Clooney in Emergency Room nie mehr der Gleiche sein. Oder würde er folgendes von sich sagen: "Ich bin ein Mann mit unauffälligem Äußerem, mager, mit kurzgeschnittenem braunen Haar und blauen Augen ... Wenn ich morgens in den Rasierspiegel blicke, ist dort nichts Aufregendes zu sehen - keine großen Einsichten, keine besonderen Fähigkeiten, kein Anzeichen von Zufriedenheit oder Einsamkeit, keine Spur von Visionen oder Träumen - nur ein unbestimmbares Gesicht, jung, blass, mit dünnem, trockenem Haar."

In anderen, bewegenden Geschichten wiederum bedient Huyler unser Bild vom "Engel in Weiß". Herzzerreißend lässt er uns an seinen Bemühungen und Hoffnungen um die Rettung eines Patienten mitfiebern. Wobei er sich selber eingesteht, dass sein Einsatz manchmal weniger aus Menschlichkeit, sondern aus beruflichem Ehrgeiz heraus motiviert war. Diese Reflektionen sind es, die dem Buch zu seinen eindrücklichsten Passagen verhelfen. Aber nicht immer sind Huylers Feststellungen selbstkritisch, manche Vergleiche auch unverständlich, insbesondere wenn sie nicht aus dem Klinikbetrieb stammen.

Der Stil von Huyler ist kurz, präzise und ohne jeden Schnörkel. Er wäre ein hervorragender Journalist geworden. Und er oder sein Lektor besitzen ein perfektes Gespür für die Anordnung der Geschichten, so dass nie eine der unterschiedlichen Stimmungen dominiert. Hieraus entsteht eine zusätzliche Spannung, wenn man versucht zu raten, welche Saite in der nächsten Geschichte angeschlagen werden wird.

So bleibt dem Leser am Ende ein Potpourri von Eindrücken. Mal wird etwas unterhalten, teilweise informiert, ein bisschen schockiert, es darf gelacht und auch die eine oder andere Träne verdrückt werden. Mal empfindet man für die Ärzte Bewunderung und Respekt, mal Mitleid und Verwunderung. Gemischte Gefühle halt, genau die, welche ich jeden Tag auf der Arbeit erlebe - in der unfallchirurgischen Klinik der Charité Berlin.

(© 2002 Philip Schreiterer für all-around-new-books.de)

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