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Inhalt:
Eindringlich und sensibel erzählt Frank Huyler von den
Spuren und Irritationen, von den Augenblicken des Glücks
und den Momenten der Hilflosigkeit, die die oft dramatische
Arbeit eines Notarztes begleiten. Keine göttergleichen
Ärzte und lebenskluge Patienten à la Emergency
Room oder Chicago Hope spielen hier die Hauptrolle.
Und vielleicht ist gerade dies das eigentlich Verstörende
an Huylers Erzählungen: Zu erkennen, dass offenbar weder
Arzt noch Patient zum Helden taugen.
Verdichtet wie in einer Vignette, portraitiert Huyler ebenso
faszinierende wie irritierende Charaktere, Ärzte wie
Patienten, und bringt dabei die Seite der Medizin zum Vorschein,
in der die kleinen unscheinbaren Momente des Klinikalltags
verwoben sind mit dem Leben und Sterben unheilbar Kranker
oder Schwerverletzter. Gleichzeitig dokumentiert dies die
fast unmerkliche, doch stete Suche des Autors, das immer wieder
neu aufzunehmende Ringen um die Unversehrtheit oder gar um
das Leben eines Fremden, seines Patienten, aushalten und bestehen
zu können. Ein eindringliches Portrait der heutigen Medizin
und ein bewegendes Psychogramm der Begegnungen und Gefühle
von Arzt und Patient.
(©
2001 C. H. Beck Verlag)
Fazit:
Frank Huyler schildert in sehr unterschiedlichen Kurzgeschichten
seine Erfahrungen als junger Chirurg in der Notaufnahme einer
Klinik im Süden der Vereinigten Staaten. Es sind eindrückliche
Geschich-ten, oft extrem, manche auch makaber, andere wunderlich,
viele wundervoll.
Einige
davon räumen radikal mit unseren von Vorabendserien geprägten
Vorstellungen des ärztlichen Alltags auf. Schonungslos
beschreibt Huyler die Arbeitsbedingungen. Ernüchtert
lernt er, keine persönlichen Beziehungen zu Patienten
aufzubauen, um nicht emotional zu zerbrechen. Doch zum Glück
lässt sich dies nicht ganz vermeiden. Erschreckt beobachtet
er bei sich und seinem Umfeld die Tendenz zu Sarkasmus und
Zynismus. Für alle Leser und insbesondere Leserinnen,
die in Ärzten - im Gegensatz z. B. zu Politikern - eine
Vertrauensperson sehen, wird George Clooney in Emergency Room
nie mehr der Gleiche sein. Oder würde er folgendes von
sich sagen: "Ich bin ein Mann mit unauffälligem
Äußerem, mager, mit kurzgeschnittenem braunen Haar
und blauen Augen ... Wenn ich morgens in den Rasierspiegel
blicke, ist dort nichts Aufregendes zu sehen - keine großen
Einsichten, keine besonderen Fähigkeiten, kein Anzeichen
von Zufriedenheit oder Einsamkeit, keine Spur von Visionen
oder Träumen - nur ein unbestimmbares Gesicht, jung,
blass, mit dünnem, trockenem Haar."
In
anderen, bewegenden Geschichten wiederum bedient Huyler unser
Bild vom "Engel in Weiß". Herzzerreißend
lässt er uns an seinen Bemühungen und Hoffnungen
um die Rettung eines Patienten mitfiebern. Wobei er sich selber
eingesteht, dass sein Einsatz manchmal weniger aus Menschlichkeit,
sondern aus beruflichem Ehrgeiz heraus motiviert war. Diese
Reflektionen sind es, die dem Buch zu seinen eindrücklichsten
Passagen verhelfen. Aber nicht immer sind Huylers Feststellungen
selbstkritisch, manche Vergleiche auch unverständlich,
insbesondere wenn sie nicht aus dem Klinikbetrieb stammen.
Der
Stil von Huyler ist kurz, präzise und ohne jeden Schnörkel.
Er wäre ein hervorragender Journalist geworden. Und er
oder sein Lektor besitzen ein perfektes Gespür für
die Anordnung der Geschichten, so dass nie eine der unterschiedlichen
Stimmungen dominiert. Hieraus entsteht eine zusätzliche
Spannung, wenn man versucht zu raten, welche Saite in der
nächsten Geschichte angeschlagen werden wird.
So
bleibt dem Leser am Ende ein Potpourri von Eindrücken.
Mal wird etwas unterhalten, teilweise informiert, ein bisschen
schockiert, es darf gelacht und auch die eine oder andere
Träne verdrückt werden. Mal empfindet man für
die Ärzte Bewunderung und Respekt, mal Mitleid und Verwunderung.
Gemischte Gefühle halt, genau die, welche ich jeden Tag
auf der Arbeit erlebe - in der unfallchirurgischen Klinik
der Charité Berlin.
(©
2002 Philip Schreiterer für all-around-new-books.de)
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