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Krimi/Thriller

Höhlengesänge
Der Rheinhessen-Krimi, Band 3

Autor: Walter Passian

Krimi
Taschenbuch, 232 Seiten
erschienen: November 2002
Verlag Stefan Kehl, Hamm/Rheinhessen
ISBN: 3-935651-03-1
Preis: 11,00 Euro
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Rückentext:

Der Wahl-Wormser Ludwig (Lui) Fischer war Polizist mit Leidenschaft. Jetzt ist er Privatdetektiv mit Frust.

Und während er sich selbst sucht, findet ihn ein anderer. Dieser andere ist ein Serienmörder, dem die Presse den Namen "Der Reisende" gegeben hat.
Dessen grausige Spur führt vom hessischen Lampertheim nach Eppelsheim, Alzey und schließlich in die Rheinhessische Schweiz, in die Nähe der legendären Teufelsrutsch bei Nack.

Dort findet Fischer in einer alten Höhle mehr, als er je gesucht hat.

(© 2002 Verlag Stefan Kehl, Hamm/Rheinhessen)


Zum Autor:

Walter Passian wurde 1949 in Kassel/Hessen geboren. Bis 1995 arbeitete der gelernte Kartograph bei der Deutschen Bundesbahn (später Deutsche Bahn AG) in Kassel, Frankfurt/Main und Mainz.
Heute lebt er als freier Schriftsteller in Worms. Er veröffentlichte bisher zwei Musicals: Bühnenträume und Tandaradei (Musik von Alexander Talmon).
Ferner schrieb er die musikalischen Komödien: Kopf hoch, Brust raus; Hemshof Express; Der Hemshofvampir und Der Pfälzer Wahnsinn für das Theater Hemshofschachtel in Ludwigshafen, sowie die Kabarettprogramme: Ein Tritt frei und Wir sind ein Volk und was für zwei. Mit E Lied fer die Palz gewann er den dritten Preis beim Mundartwettbewerb der Stadt Frankenthal 1998.
Seine Komödie Das singende Telegramm wurde im Kleinen Theater der Volksbühne Worms gespielt. Darüber hinaus schreibt er seit einigen Jahren die Bühnenfassungen für die alljährlich stattfindenden Märchenaufführungen der Volksbühne im Städtischen Spiel- und Festhaus in Worms (2002: Schneewittchen).
Seine ersten beiden Kriminalromane Mord am Geiersberg (2000, 3. Aufl. ca. 06/2004) und Tief im Rhein ... (2001, 2. Aufl. ca. 06/2004) erschienen ebenfalls im Verlag Stefan Kehl, Hamm. Höhlengesänge ist sein dritter Lui-Fischer-Roman in der Reihe "Der Rheinhessen-Krimi". Weitere sollen folgen.


Pressestimmen:
Willkommen zu Hause!
Walter Passians dritter Rheinhessen-Krimi: Höhlengesänge

Walter Passians sympathischer Protagonist Lui Fischer entspricht dem Klischee: ein Polizist, der die engen Schranken seines Beamtendaseins sprengt, um als Privatdetektiv weiter zu schnüffeln. Als eigenbrötlerischer Menschenfreund fahndet er im keineswegs humanen Umfeld.
Sein »Revier« heißt indessen nicht »Dickicht der Städte« sondern »Rheinhessen«. Kurz: der Wormser Autor eint die populären Qualitäten von Kriminalliteratur und Heimatroman. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und dieser Poesie aus der Provinz mehr ökonomisches – denn ästhetisches Kalkül unterstellt. Richtig aber ist, dass Passian zu jenen Autoren gehört, die dem Ort, an dem sie sich befinden, als Schauplatz erzählerischer Fiktion nutzen.
Der Vorteil liegt auf der Hand: So wie Donna Leon ihren Commissario durch Venedig und Mestre jagt, so hetzt Passian den »berufsneugierigen« Fischer durch vertraute Gegenden zwischen dem hessischen Ried und dem linksrheinischen Hügelland.

Nunmehr liegt der dritte Rheinhessen-Krimi aus der Feder des ehemaligen Kartographen vor. Nach »Mord am Geiersberg« und »Tief im Rhein ...« entführt nun »Höhlengesänge« den Leser in das Terrain zwischen Lampertheim und der legendären Teufelsrutsch bei Nack in der Rheinhessischen Schweiz. Lokalkolorit dient jedoch nur als Kulisse eines düsteren Szenarios. Eher zufällig, doch schicksalshaft verweben sich verschiedene Geschichten miteinander – wie im Leben.
Das Unvorstellbare, der Schrecken lauert gleich um die Ecke. Horror drängt in den Alltag: Die Medien nennen den Serientäter den »Reisenden«. Er mordet ausschließlich junge Mädchen, die Gesangsausbildungen absolvieren. Verschleppt in eine Höhle im Naturidyll, bringt er sie nach ihrem unausweichlichen Tod zurück in ihre Heimat. »Willkommen zu Hause!« ... – ein Schlüsselsatz.
Sein Handeln, keineswegs rein trieb-gesteuert, gehorcht pedantischen Plänen, einer abstrusen Logik der Begierde – auf der Suche nach der optimalen Stimme. Bis hin zur finalen Inszenierung, die aus einem Geburtstag eine Hinrichtung macht und Selbstmord aus fremder Hand ...
Ein Ehebruchdrama, eine vertrackte Liebesgeschichte, Cliquen-Getue auf dem Lande, Szenen aus der Anstalt sind es, die das zentrale Motiv beleuchten.

Passian wechselt die Perspektiven, weil er die Charaktere wichtiger nimmt als die Schlüssigkeit der collagenhaften Erzählung. Die »schöne kranke Seele« des Mörders offenbart sich ebenso wie der Ehrgeiz des Fahnders. Die Psyche einer attraktiven Frau, die nach einem fremdverschuldeten Verkehrsunfall ein Bein und die Achtung vor sich selbst verliert, wird ebenso nachvollziehbar wie die panische Angst ihrer Tochter vor einer Teufelsmaske. Aus einer Rauferei wird Männerfreundschaft. Geschwisterhass und Mutterliebe ... – Die sekundären Ereignisse geben dem Text um intelligenten Wahn so etwas wie Authentizität; ebenso sorgen all die Orts- und Landschaftsbeschreibungen für Glaubwürdigkeit.
Dass der Leser schnell weiß, wer einzig als Täter in Betracht kommt, beraubt den Roman nicht um »Thrill«. Spannung wächst, weil sich das Mosaik verdichtet. Wie bei einem Puzzle vervollständigt sich das Bild. Aus unscharfer Ahnung erwächst das detailgetreue Porträt.

(Quelle: Bericht des Rheinhessischen Wochenblatts (Achim Schiff) vom 09.01.2003)


Fazit:

Unterirdische Seelen
Höhlengesänge ist ein unterhaltsamer, flott geschriebener Krimi, der nur zu schnell gelesen ist. Das Lesevergnügen hätte man gerne noch länger und vernimmt den Verlagshinweis, die Reihe werde ausgebaut, mit freudiger Erwartung.

Zwei Helden sorgen dafür, dass es immer spannend und schön bleibt. Die rheinhessische Lokalität untermalt mit Wein, Weib und wenig Gesang die menschlichen Abgründe, welche sich mit den Seiten entfalten, und Privatdetektiv Lui Fischer ist lebensnah genug präsent, dass der Leser gelegentlich Mitgefühl hat. Auch wenn das Muster bekannt ist – Ex-Polizist wird Privatdetektiv – hat die Figur des menschlichen Helden nichts Abgenutztes an sich. Dafür sorgen nicht nur die detailgenau geschilderten kleinen Freuden des Lebens wie beispielsweise der Genuss von höllischen Erzeugnissen (Nachahmung empfohlen!), sondern vor allem die allmähliche stimmige Einbindung des Detektivs in seine menschliche und landschaftliche Umgebung.

Worum geht es nun? Eine Reihe von Morden an jungen Mädchen beiderseits des Rheins im Raum des östlichen Rheinhessens blieben unaufgeklärt. Sie haben Fischer interessiert, ohne dass er aber selbst mit den Fällen zu tun gehabt hätte. Erst als ein Auftrag doch nicht kommt und ein anderer zum Personenschutz ihn als Vaterfigur packt, ermittelt er. Natürlich ohne sogleich zu erkennen, in welchen Abgründen seelischer und geologischer Art er stochern wird. Aber es braucht dann doch Monate der Nachforschungen, die mit Schlägereien, Verbrüderungen, angedeuteter Erotik oder Verfolgungsfahrten viel Abwechslung bringen, bis er einzelne Fakten und Verbindungen zu einem halbwegs konturierten Bild zu fügen vermag. Dann jedoch geht alles mit Feuerofengeschwindigkeit. Nachdem er zur Rennstrecke (Teufelsrutsch bei Nack) gerufen wurde und unglaubliche Töne erklingen, tut er, was ein Mann halt tun muss, der den Glauben an Aufrichtigkeit und Moral noch nicht aufgegeben hat und über eine Schusswaffe verfügt.

Sympathisch ist der Roman einmal durch seine glaubwürdigen Figuren. Das Leben des Mädchens Gilla, zum Beispiel, ist, wie das anderer Jugendlicher abseits der Städte auch, von Schule, gemeinsamen Abendfahrten zur Disko im Kleinbus, Ärger und Spaß mit Jungs und Tagebucheinträgen geprägt. Anna Herbig wiederum zeigt Schwächen und Stärken eines Menschen, den es sehr viel Kraft und Zeit kostet, einen körperlichen und seelischen Rückschlag zu überwinden und einfach das Leben weiterzuleben.
Aber nicht nur die Figuren machen den Roman interessant, sondern auch seine Sprache. Nicht die durchkonstruierte, vorhersehbare Diktion der vielen Übersetzungen von Krimis aus dem Land jenseits des großen Teichs bestimmt hier. Es finden sich Sätze, Dialoge und Handlungen, wie jeder sie kennt. Zwei Beispiele:
"Der Schmerz war wieder vorbei.
'Hier, bei dem Schnüff ... bei dem Privatdetektiv? Jetzt? Was heißt jetzt?'
Fischer machte sich auf den Weg zurück ins Hauptzimmer seines Büros. Es ging jetzt schon besser als vorhin. 'Du auch? Der hat doch was vor. Ich rieche, dass der was vor hat. Bleibe lieber weg. Wenn es hier Mord und Totschlag ...' Koop brach ab. Er lauschte eine Weile erregt und ergriffen, dann blickte er zu Fischer auf, der vor ihm stand und ihm eine Flasche Bier reichte. Er nahm die Flasche vollkommen automatisch an und öffnete sie mit einem Wegwerffeuerzeug, während er das Handy zwischen Kinn und Schulter eingeklemmt hielt. Dann widmete er sich wieder ausschließlich der Stimme seiner Geliebten."
(S. 23)
"Anna ärgerte sich wieder einmal über den VW Bus. Das ist kein Auto, wie sie es sich immer gewünscht hat. Aber sie will ihr Geld zusammenhalten und verkneift sich seit der Scheidung von Gillas Vater den Wunsch nach einem neuen fahrbaren Untersatz. In einem Anfall von Mutterliebe hatte sie damals eingewilligt, den Bus zu übernehmen und ihrem Ex-Mann den großen Audi zu überlassen. Seinerzeit war Gilla noch wesentlich kontaktscheuer gewesen als heute, und Anna hatte sich überlegt, dass sie Fahrten zur Schule und zu allen möglichen Kindertreffen durchführen könnte. Das war ihr bei ihrem Beruf besser möglich als anderen Eltern, die feste Arbeitszeiten hatten. Gilla hätte dadurch vielleicht einen besseren Stand bei den Gleichaltrigen, hoffte sie seinerzeit. So fungiert sie seitdem oft als Fahrerin zu wichtigen schulischen Terminen, und seit einem Jahr wird der VW Bus auch für die Fahrt zu Discothekenbesuchen benutzt." (S. 95)

Alle "Rhoihesse" wird freuen, dass Orte, Straßen und selbst Schilder so heißen und dort stehen, wo sie der Roman hat. Zweifellos schlägt hier der Kartograph im Autor durch.

Das Inhaltliche abschließend ein kleiner Sicherheitshinweis: Akkumulatoren lädt man auf; bei Batterien sollte das unterbleiben.

Angewendet wird die reformierte Rechtschreibung, allerdings unter weitgehendem Verzicht auf ihre unverdaulicheren Auswüchse. Angesichts der Textmenge unerheblich sind zwei kleine Satzfehler – "Entfernstesten" und "Colombo" (für den Typus des Inspektor Columbo).
Für ein Taschenbuch ist das Werk gut verarbeitet, die Seiten öffnen sich flach und die Schrift ist angenehme 10 Punkt. Sehr gelungen ist schließlich der Umschlag; er verbindet Groteskes mit Sinnlichem und zeigt damit die Essenz des Inhalts treffend an. Insgesamt gute Unterhaltung, die ihr Geld wert ist.

(© 2004 Michael Titz für all-around-new-books.de)

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