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Rückentext:
Der Wahl-Wormser Ludwig (Lui) Fischer war Polizist mit
Leidenschaft. Jetzt ist er Privatdetektiv mit Frust.
Und
während er sich selbst sucht, findet ihn ein anderer.
Dieser andere ist ein Serienmörder, dem die Presse
den Namen "Der Reisende" gegeben hat.
Dessen grausige Spur führt vom hessischen Lampertheim
nach Eppelsheim, Alzey und schließlich in die
Rheinhessische Schweiz, in die Nähe der legendären
Teufelsrutsch bei Nack.
Dort
findet Fischer in einer alten Höhle mehr, als er
je gesucht hat.
(©
2002 Verlag
Stefan Kehl, Hamm/Rheinhessen)
Zum Autor:
Walter Passian wurde 1949 in Kassel/Hessen geboren.
Bis 1995 arbeitete der gelernte Kartograph bei der Deutschen
Bundesbahn (später Deutsche Bahn AG) in Kassel,
Frankfurt/Main und Mainz.
Heute lebt er als freier Schriftsteller in Worms. Er
veröffentlichte bisher zwei Musicals: Bühnenträume
und Tandaradei (Musik von Alexander Talmon).
Ferner schrieb er die musikalischen Komödien: Kopf
hoch, Brust raus; Hemshof Express; Der
Hemshofvampir und Der Pfälzer Wahnsinn
für das Theater Hemshofschachtel in Ludwigshafen,
sowie die Kabarettprogramme: Ein Tritt frei
und Wir sind ein Volk und was für zwei.
Mit E Lied fer die Palz gewann er den dritten
Preis beim Mundartwettbewerb der Stadt Frankenthal 1998.
Seine Komödie Das singende Telegramm wurde
im Kleinen Theater der Volksbühne Worms gespielt.
Darüber hinaus schreibt er seit einigen Jahren
die Bühnenfassungen für die alljährlich
stattfindenden Märchenaufführungen der Volksbühne
im Städtischen Spiel- und Festhaus in Worms (2002:
Schneewittchen).
Seine ersten beiden Kriminalromane Mord
am Geiersberg (2000, 3. Aufl. ca. 06/2004)
und Tief
im Rhein ... (2001, 2. Aufl. ca. 06/2004) erschienen
ebenfalls im Verlag Stefan Kehl, Hamm. Höhlengesänge
ist sein dritter Lui-Fischer-Roman in der Reihe "Der
Rheinhessen-Krimi". Weitere sollen folgen.
Pressestimmen:
Willkommen
zu Hause!
Walter
Passians dritter Rheinhessen-Krimi: Höhlengesänge
Walter
Passians sympathischer Protagonist Lui Fischer entspricht
dem Klischee: ein Polizist, der die engen Schranken
seines Beamtendaseins sprengt, um als Privatdetektiv
weiter zu schnüffeln. Als eigenbrötlerischer
Menschenfreund fahndet er im keineswegs humanen Umfeld.
Sein
»Revier« heißt indessen nicht »Dickicht
der Städte« sondern »Rheinhessen«.
Kurz: der Wormser Autor eint die populären Qualitäten
von Kriminalliteratur und Heimatroman. Ein Schelm, wer
Böses dabei denkt und dieser Poesie aus der Provinz
mehr ökonomisches – denn ästhetisches
Kalkül unterstellt. Richtig aber ist, dass Passian
zu jenen Autoren gehört, die dem Ort, an dem sie
sich befinden, als Schauplatz erzählerischer Fiktion
nutzen.
Der
Vorteil liegt auf der Hand: So wie Donna Leon ihren
Commissario durch Venedig und Mestre jagt, so hetzt
Passian den »berufsneugierigen« Fischer
durch vertraute Gegenden zwischen dem hessischen Ried
und dem linksrheinischen Hügelland.
Nunmehr
liegt der dritte Rheinhessen-Krimi aus der Feder des
ehemaligen Kartographen vor. Nach »Mord am Geiersberg«
und »Tief im Rhein ...« entführt nun
»Höhlengesänge« den Leser in das
Terrain zwischen Lampertheim und der legendären
Teufelsrutsch bei Nack in der Rheinhessischen Schweiz.
Lokalkolorit dient jedoch nur als Kulisse eines düsteren
Szenarios. Eher zufällig, doch schicksalshaft verweben
sich verschiedene Geschichten miteinander – wie
im Leben.
Das
Unvorstellbare, der Schrecken lauert gleich um die Ecke.
Horror drängt in den Alltag: Die Medien nennen
den Serientäter den »Reisenden«. Er
mordet ausschließlich junge Mädchen, die
Gesangsausbildungen absolvieren. Verschleppt in eine
Höhle im Naturidyll, bringt er sie nach ihrem unausweichlichen
Tod zurück in ihre Heimat. »Willkommen zu
Hause!« ... – ein Schlüsselsatz.
Sein
Handeln, keineswegs rein trieb-gesteuert, gehorcht pedantischen
Plänen, einer abstrusen Logik der Begierde –
auf der Suche nach der optimalen Stimme. Bis hin zur
finalen Inszenierung, die aus einem Geburtstag eine
Hinrichtung macht und Selbstmord aus fremder Hand ...
Ein
Ehebruchdrama, eine vertrackte Liebesgeschichte, Cliquen-Getue
auf dem Lande, Szenen aus der Anstalt sind es, die das
zentrale Motiv beleuchten.
Passian
wechselt die Perspektiven, weil er die Charaktere wichtiger
nimmt als die Schlüssigkeit der collagenhaften
Erzählung. Die »schöne kranke Seele«
des Mörders offenbart sich ebenso wie der Ehrgeiz
des Fahnders. Die Psyche einer attraktiven Frau, die
nach einem fremdverschuldeten Verkehrsunfall ein Bein
und die Achtung vor sich selbst verliert, wird ebenso
nachvollziehbar wie die panische Angst ihrer Tochter
vor einer Teufelsmaske. Aus einer Rauferei wird Männerfreundschaft.
Geschwisterhass und Mutterliebe ... – Die sekundären
Ereignisse geben dem Text um intelligenten Wahn so etwas
wie Authentizität; ebenso sorgen all die Orts-
und Landschaftsbeschreibungen für Glaubwürdigkeit.
Dass
der Leser schnell weiß, wer einzig als Täter
in Betracht kommt, beraubt den Roman nicht um »Thrill«.
Spannung wächst, weil sich das Mosaik verdichtet.
Wie bei einem Puzzle vervollständigt sich das Bild.
Aus unscharfer Ahnung erwächst das detailgetreue
Porträt.
(Quelle:
Bericht des Rheinhessischen Wochenblatts (Achim Schiff)
vom 09.01.2003)
Fazit:
Unterirdische Seelen
Höhlengesänge ist ein unterhaltsamer, flott
geschriebener Krimi, der nur zu schnell gelesen ist.
Das Lesevergnügen hätte man gerne noch länger
und vernimmt den Verlagshinweis, die Reihe werde ausgebaut,
mit freudiger Erwartung.
Zwei
Helden sorgen dafür, dass es immer spannend und
schön bleibt. Die rheinhessische Lokalität
untermalt mit Wein, Weib und wenig Gesang die menschlichen
Abgründe, welche sich mit den Seiten entfalten,
und Privatdetektiv Lui Fischer ist lebensnah genug präsent,
dass der Leser gelegentlich Mitgefühl hat. Auch
wenn das Muster bekannt ist – Ex-Polizist wird
Privatdetektiv – hat die Figur des menschlichen
Helden nichts Abgenutztes an sich. Dafür sorgen
nicht nur die detailgenau geschilderten kleinen Freuden
des Lebens wie beispielsweise der Genuss von höllischen
Erzeugnissen (Nachahmung empfohlen!), sondern vor allem
die allmähliche stimmige Einbindung des Detektivs
in seine menschliche und landschaftliche Umgebung.
Worum
geht es nun? Eine Reihe von Morden an jungen Mädchen
beiderseits des Rheins im Raum des östlichen Rheinhessens
blieben unaufgeklärt. Sie haben Fischer interessiert,
ohne dass er aber selbst mit den Fällen zu tun
gehabt hätte. Erst als ein Auftrag doch nicht kommt
und ein anderer zum Personenschutz ihn als Vaterfigur
packt, ermittelt er. Natürlich ohne sogleich zu
erkennen, in welchen Abgründen seelischer und geologischer
Art er stochern wird. Aber es braucht dann doch Monate
der Nachforschungen, die mit Schlägereien, Verbrüderungen,
angedeuteter Erotik oder Verfolgungsfahrten viel Abwechslung
bringen, bis er einzelne Fakten und Verbindungen zu
einem halbwegs konturierten Bild zu fügen vermag.
Dann jedoch geht alles mit Feuerofengeschwindigkeit.
Nachdem er zur Rennstrecke (Teufelsrutsch bei Nack)
gerufen wurde und unglaubliche Töne erklingen,
tut er, was ein Mann halt tun muss, der den Glauben
an Aufrichtigkeit und Moral noch nicht aufgegeben hat
und über eine Schusswaffe verfügt.
Sympathisch
ist der Roman einmal durch seine glaubwürdigen
Figuren. Das Leben des Mädchens Gilla, zum Beispiel,
ist, wie das anderer Jugendlicher abseits der Städte
auch, von Schule, gemeinsamen Abendfahrten zur Disko
im Kleinbus, Ärger und Spaß mit Jungs und
Tagebucheinträgen geprägt. Anna Herbig wiederum
zeigt Schwächen und Stärken eines Menschen,
den es sehr viel Kraft und Zeit kostet, einen körperlichen
und seelischen Rückschlag zu überwinden und
einfach das Leben weiterzuleben.
Aber nicht nur die Figuren machen den Roman interessant,
sondern auch seine Sprache. Nicht die durchkonstruierte,
vorhersehbare Diktion der vielen Übersetzungen
von Krimis aus dem Land jenseits des großen Teichs
bestimmt hier. Es finden sich Sätze, Dialoge und
Handlungen, wie jeder sie kennt. Zwei Beispiele:
"Der Schmerz war wieder vorbei.
'Hier, bei dem Schnüff ... bei dem Privatdetektiv?
Jetzt? Was heißt jetzt?'
Fischer machte sich auf den Weg zurück ins Hauptzimmer
seines Büros. Es ging jetzt schon besser als vorhin.
'Du auch? Der hat doch was vor. Ich rieche, dass der
was vor hat. Bleibe lieber weg. Wenn es hier Mord und
Totschlag ...' Koop brach ab. Er lauschte eine Weile
erregt und ergriffen, dann blickte er zu Fischer auf,
der vor ihm stand und ihm eine Flasche Bier reichte.
Er nahm die Flasche vollkommen automatisch an und öffnete
sie mit einem Wegwerffeuerzeug, während er das
Handy zwischen Kinn und Schulter eingeklemmt hielt.
Dann widmete er sich wieder ausschließlich der
Stimme seiner Geliebten." (S. 23)
"Anna ärgerte sich wieder einmal über
den VW Bus. Das ist kein Auto, wie sie es sich immer
gewünscht hat. Aber sie will ihr Geld zusammenhalten
und verkneift sich seit der Scheidung von Gillas Vater
den Wunsch nach einem neuen fahrbaren Untersatz. In
einem Anfall von Mutterliebe hatte sie damals eingewilligt,
den Bus zu übernehmen und ihrem Ex-Mann den großen
Audi zu überlassen. Seinerzeit war Gilla noch wesentlich
kontaktscheuer gewesen als heute, und Anna hatte sich
überlegt, dass sie Fahrten zur Schule und zu allen
möglichen Kindertreffen durchführen könnte.
Das war ihr bei ihrem Beruf besser möglich als
anderen Eltern, die feste Arbeitszeiten hatten. Gilla
hätte dadurch vielleicht einen besseren Stand bei
den Gleichaltrigen, hoffte sie seinerzeit. So fungiert
sie seitdem oft als Fahrerin zu wichtigen schulischen
Terminen, und seit einem Jahr wird der VW Bus auch für
die Fahrt zu Discothekenbesuchen benutzt."
(S. 95)
Alle
"Rhoihesse" wird freuen, dass Orte, Straßen
und selbst Schilder so heißen und dort stehen,
wo sie der Roman hat. Zweifellos schlägt hier der
Kartograph im Autor durch.
Das Inhaltliche
abschließend ein kleiner Sicherheitshinweis: Akkumulatoren
lädt man auf; bei Batterien sollte das unterbleiben.
Angewendet
wird die reformierte Rechtschreibung, allerdings unter
weitgehendem Verzicht auf ihre unverdaulicheren Auswüchse.
Angesichts der Textmenge unerheblich sind zwei kleine
Satzfehler – "Entfernstesten" und "Colombo"
(für den Typus des Inspektor Columbo).
Für ein Taschenbuch ist das Werk gut verarbeitet,
die Seiten öffnen sich flach und die Schrift ist
angenehme 10 Punkt. Sehr gelungen ist schließlich
der Umschlag; er verbindet Groteskes mit Sinnlichem
und zeigt damit die Essenz des Inhalts treffend an.
Insgesamt gute Unterhaltung, die ihr Geld wert ist.
(©
2004 Michael Titz für all-around-new-books.de)
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