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Wirtschaft, Politik & Zeitgeschichte

Eisenbahnen in Worms
Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt

Autor: Dr. Ralph Häussler

180 Seiten
erschienen: 2003
Verlag Stefan Kehl (Edition Schwarz&Weiss)
ISBN: 3-935651-10-4
Preis: 19,80 Euro

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Rückentext:
Die Ankunft der ersten Eisenbahn 1853 war eine Revolution für die Stadt Worms. Innerhalb weniger Jahre vervielfachten sich Handel und Fabriken und damit die Bevölkerungszahl. In den Pionierjahren des 19. Jahrhunderts ergriffen die Wormser selbst die Initiative und ermöglichten als Mitbegründer der "Hessischen Ludwigsbahn" den Bau der ersten Eisenbahnstrecke in Rheinhessen. Ihre "Bahn-interessen" vertraten sie sowohl auf der politischen Ebene, als auch durch ihre finanzkräftige Unterstützung des Eisenbahnbaus. Ziel der Wormser Bahnpolitik war der Ausbau zum nationalen Bahnknoten, was durch Partikularinteressen und die Kleinstaaterei des 19. Jahr-hunderts erschwert wurde.

Dieses Buch versucht einen ersten Überblick über 150 Jahre Eisenbahnen in der Region Worms zu bieten. Dokumente, Photos und Pläne dokumentieren die Entwicklung zum Verkehrsknoten.
13 Haupt- und Nebenbahnen aus Rheinhessen, Südhessen und der Pfalz endeten in Worms. Hafenbahn und Straßenbahn sorgten auch innerhalb der Stadt für eine zeitgemäße Mobilität. Neue Bau-vorhaben wurden um 1900 realisiert, darunter der monumentale Neubau des Hauptbahnhofs und die Eisenbahnbrücke.

(© 2003 Verlag Stefan Kehl, Hamm/Rheinhessen)


Über den Autor:
Dr. Ralph Häussler wurde 1968 in Worms geboren. Er studierte Geschichte und Archäologie an den Universitäten Frankfurt/Main und London, promovierte 1997 in London und war anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter in Oxford. Neben Studienaufenthalten in Frankreich und Italien gelten seine Forschungsinteressen vor allem der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.


Pressestimmen:
Schatzkästlein der Erinnerungen
Ralph Häussler stellt 180-seitigen Bildband »Eisenbahnen in Worms« vor

Dr. Fritz Reuter ließ es sich nicht nehmen, eine kleine Ein-führungsansprache zum Buch von Dr. Ralph Häussler zu halten: »Ein Schatzkästlein der Erinnerungen« sei es; das Buch »Eisen-bahnen in Worms« habe eine »unglaublich tolle Bebilderung«.

Bei der Vorstellung des druckfrischen Werkes in der Buchhandlung Gondrom waren sehr viele Eisenbahnfreunde zugegen. Die aus der Schweiz stammende Sängerin Schona Mihalys und Jan Hoffmann am E-Piano sorgten für die musikalische Begleitung an diesem Abend.

Autor Dr. Ralph Häussler ist Wormser, nach seinem Studium der Geschichte und Archäologie in Frankfurt und London kehrte er wieder in seine Heimatstadt zurück. Der 35-jährige entdeckte, dass es noch kein Buch über den Schienenverkehr gab. Er sammelte alte Fahrscheine und viele Schwarz-Weiß-Fotos. Er durchkämmte Archive, fragte bei Privatleuten und hatte das Pech, dass die Deutsche Bahn viele alte Archive auflöste.

Trotzdem gelang es ihm, 180 Seiten mit seinen Fotos zu be-stücken. Vor kurzem feierte der Bahnhof seinen hundertsten Ge-burtstag. Dabei war es eigentlich bereits der zweite Bahnhof; der erste war schon 1853 gebaut worden. Doch er wurde schnell zu klein: fuhren mehrere Züge gleichzeitig ein, »so hat das Bahn-personal regelmäßig die größte Mühe, die gepresste Menschen-menge auf dem Bahnsteig zurückzudrängen und Unglück zu ver-hüten« schrieb die Wormser Zeitung am 20. April 1890. Noch ein anderes, heute kaum mehr vorstellbares Unikum kam hinzu: Wer von der rechtsrheinischen Seite aus nach Worms wollte, konnte nur bis Rosengarten fahren. Dort wurden die Eisenbahnwagen auf eine Spezialfähre geladen – dem sogenannten »Trajekt« - und über den Rhein gefahren. Das änderte sich erst mit dem Bau der ersten Eisenbahnbrücke 1900.

Dr. Ralph Häussler zeigt die alten Pläne und Loks, informiert über die Altrhein- und Eistalbahn, den Güterverkehr, die Hafenbahn und sogar über die »Elektrische«. Einst ein rauschender Erfolg mit vielen Fahrgästen, ging es langsam bergab: 1914 hatte die Bahn in Worms 3.000 Mitarbeiter. 1980 arbeiteten noch 400 Menschen dort, heute ist nominell keiner mehr hier beschäftigt; die Angestellten sind Ludwigshafen zugeteilt.

Häussler zeigt auch die Spuren des Krieges: wie es aussah nach dem Bombenangriff der Amerikaner 1945. Vorher waren die deutschen Truppen mit geschmückten Zügen vom Hauptbahnhof aus an die Westfront gefahren worden, verabschiedet von fähnchenschwingenden Menschenmassen. Der alte Bahnhof steht noch, kaum einer beachtet noch die wunderschönen Reliefs der Steinmetze, die von Stadtbaumeister Karl Hofmann einst in Auftrag gegeben wurden; zum Teil sind sie verborgen. In Häusslers Buch sind sie jedoch in ihrer ganzen Schönheit zu bewundern.

(Quelle: Bericht der Wormser Zeitung (Alexandra Regner) vom 01.10.2003)


Buchbesprechung - Rezension:

Das vorliegende Werk stellt im Überblick 150 Jahre der Eisenbahn-Entwicklung eines eng umgrenzten Raums vor. Dabei wird zunächst in kurzem Abriss die Frühgeschichte der privaten Eisenbahnen im Raum Worms dargestellt. Leider verzichtet der Autor auf einen Überblick über die Situation des Verkehrswesens vor dem Bau der Bahnen bzw. auf eine Analyse der infrastrukturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Entwicklung bis einschließlich des Länderbahnsystems wird insgesamt knapp, aber übersichtlich präsentiert. Zahlreiche Abbildungen, teils als Reproduktion zeitgenössischer Dokumente, teils als neuere Fotografien, die aus dem ausgehenden 19. oder dem frühen 20. Jahrhundert stammen, illustrieren diesen Abschnitt. Das Zitat aus der "Wormser Zeitung" ist auch formal korrekt mit Quellenvermerk nachgewiesen.

Dem Anliegen des Werks angemessen werden die wichtigen Anlagen und Hochbauten der Eisenbahn in Worms im Abschnitt "Brückenschlag über den Rhein" detailliert und in Form und Inhalt ausführlich vorgestellt, wobei auch hier historische Fotografien und Zeichnungen die Textaussagen untermauern bzw. illustrieren. Das ausgewählte Bildmaterial ist dabei überwiegend aus anderen Publikationen nicht bekannt, so dass auch hier ein hoher Informationswert festzustellen ist.

Einen großen Raum nimmt dabei der Wormser "Central-Bahnhof" aus dem frühen 20. Jahrhundert ein. Mit der Vorgeschichte dieses Neubaus geht eine Wertung der Funktionalität und des architektonischen Stellenwertes des Bauwerks einher. Die dem Publikum zugänglichen Teile des Baukörpers werden in Wort und Bild vorgestellt, wobei die fotografischen Detail-Aufnahmen besonders hervorzuheben sind. Insgesamt vermittelt dieses Kapitel einen guten Eindruck des Wormser Hauptbahnhofs.

Dem Bahnbetrieb als solchem bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs widmet sich das folgende Kapitel, wobei auch die Rolle während des Dritten Reichs nicht verschwiegen wird. Sehr ausführlich ist der Abschnitt "Betrieb & Technik", wobei hier neben dem Bereich der Sicherungstechnik ("Stellwerke & Signale") insbesondere das Bahnbetriebswerk betrachtet wird. Auch hier ist der guten fotografischen Dokumentation ein zwar knapper, aber hinreichend erschöpfender Text beigefügt.

Die wichtigen Nebenbahnen werden einzeln angesprochen und fotografisch dokumentiert, so dass dieses Werk weit mehr als den engeren Stadtbereich der Stadt Worms betrachtet. Zusätzlich erwähnenswert ist die Betrachtung sowohl von privaten Bahnen als auch des örtlichen Personennahverkehrs, der zwar knapp, aber doch im gegebenen Rahmen vollständig hinreichend behandelt wird. Gegenüber ähnlichen Publikationen gewinnt damit die Publikation Häußlers deutlich an inhaltlicher Vollständigkeit.

Die Darstellung dieses Werks endet bei der gegenwärtigen Situation der Eisenbahnen im Raum Worms und versucht sogar Perspektiven aufzuzeigen.

Sprachlich ansprechend geschrieben sind die Textpassagen auch für ortsfremde Leser verständlich bzw. nachvollziehbar. Die Abbildungen sind von durchweg guter Qualität und präsentieren sich in einem für alte Fotogafien erstaunlich gutem Zustand.

Zwar erschweren vereinzelte inhaltliche Sprünge etwas, so dass eine deutlichere Strukturierung in der Gliederung wünschenswert erscheint. Angenehm ist die weitgehende Enthaltung des Verfassers von Bewertungen, besonders im Abschnitt, der Drittes Reich und Kriegseinwirkungen behandelt.
Insgesamt handelt es sich bei dem vorliegenden Buch aber um einen lesenswerten "Spaziergang" durch die Verkehrsgeschichte von Worms, der auch durch die hohe Reproduktionsqualität und den guten handwerklichen Standard des Verlags vermittelt wird.

(© 2003 Hans-Ludwig Leers für all-around-new-books.de)

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