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Rückentext:
Die Ankunft der ersten
Eisenbahn 1853 war eine Revolution für die Stadt Worms.
Innerhalb weniger Jahre vervielfachten sich Handel und Fabriken
und damit die Bevölkerungszahl. In den Pionierjahren
des 19. Jahrhunderts ergriffen die Wormser selbst die Initiative
und ermöglichten als Mitbegründer der "Hessischen
Ludwigsbahn" den Bau der ersten Eisenbahnstrecke in Rheinhessen.
Ihre "Bahn-interessen" vertraten sie sowohl auf
der politischen Ebene, als auch durch ihre finanzkräftige
Unterstützung des Eisenbahnbaus. Ziel der Wormser Bahnpolitik
war der Ausbau zum nationalen Bahnknoten, was durch Partikularinteressen
und die Kleinstaaterei des 19. Jahr-hunderts erschwert wurde.
Dieses Buch versucht einen
ersten Überblick über 150 Jahre Eisenbahnen in der
Region Worms zu bieten. Dokumente, Photos und Pläne dokumentieren
die Entwicklung zum Verkehrsknoten.
13 Haupt- und Nebenbahnen aus Rheinhessen, Südhessen
und der Pfalz endeten in Worms. Hafenbahn und Straßenbahn
sorgten auch innerhalb der Stadt für eine zeitgemäße
Mobilität. Neue Bau-vorhaben wurden um 1900 realisiert,
darunter der monumentale Neubau des Hauptbahnhofs und die
Eisenbahnbrücke.
(©
2003 Verlag
Stefan Kehl, Hamm/Rheinhessen)
Über den Autor:
Dr.
Ralph Häussler
wurde 1968 in Worms geboren. Er studierte Geschichte und Archäologie
an den Universitäten Frankfurt/Main und
London, promovierte 1997 in London und war anschließend
wissenschaftlicher Mitarbeiter in Oxford. Neben Studienaufenthalten
in Frankreich und Italien gelten seine Forschungsinteressen
vor allem der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.
Pressestimmen:
Schatzkästlein
der Erinnerungen
Ralph
Häussler stellt 180-seitigen Bildband »Eisenbahnen
in Worms« vor
Dr.
Fritz Reuter ließ es sich nicht nehmen, eine kleine
Ein-führungsansprache zum Buch von Dr. Ralph Häussler
zu halten: »Ein Schatzkästlein der Erinnerungen«
sei es; das Buch »Eisen-bahnen in Worms« habe
eine »unglaublich tolle Bebilderung«.
Bei der Vorstellung
des druckfrischen Werkes in der Buchhandlung Gondrom waren
sehr viele Eisenbahnfreunde zugegen. Die aus der Schweiz stammende
Sängerin Schona Mihalys und Jan Hoffmann am E-Piano sorgten
für die musikalische Begleitung an diesem Abend.
Autor
Dr. Ralph Häussler ist Wormser, nach seinem Studium der
Geschichte und Archäologie in Frankfurt und London kehrte
er wieder in seine Heimatstadt zurück. Der 35-jährige
entdeckte, dass es noch kein Buch über den Schienenverkehr
gab. Er sammelte alte Fahrscheine und viele Schwarz-Weiß-Fotos.
Er durchkämmte Archive, fragte bei Privatleuten und hatte
das Pech, dass die Deutsche Bahn viele alte Archive auflöste.
Trotzdem
gelang es ihm, 180 Seiten mit seinen Fotos zu be-stücken.
Vor kurzem feierte der Bahnhof seinen hundertsten Ge-burtstag.
Dabei war es eigentlich bereits der zweite Bahnhof; der erste
war schon 1853 gebaut worden. Doch er wurde schnell zu klein:
fuhren mehrere Züge gleichzeitig ein, »so hat das
Bahn-personal regelmäßig die größte
Mühe, die gepresste Menschen-menge auf dem Bahnsteig
zurückzudrängen und Unglück zu ver-hüten«
schrieb die Wormser Zeitung am 20. April 1890. Noch ein anderes,
heute kaum mehr vorstellbares Unikum kam hinzu: Wer von der
rechtsrheinischen Seite aus nach Worms wollte, konnte nur
bis Rosengarten fahren. Dort wurden die Eisenbahnwagen auf
eine Spezialfähre geladen – dem sogenannten »Trajekt«
- und über den Rhein gefahren. Das änderte sich
erst mit dem Bau der ersten Eisenbahnbrücke 1900.
Dr. Ralph Häussler
zeigt die alten Pläne und Loks, informiert über
die Altrhein- und Eistalbahn, den Güterverkehr, die Hafenbahn
und sogar über die »Elektrische«. Einst ein
rauschender Erfolg mit vielen Fahrgästen, ging es langsam
bergab: 1914 hatte die Bahn in Worms 3.000 Mitarbeiter. 1980
arbeiteten noch 400 Menschen dort, heute ist nominell keiner
mehr hier beschäftigt; die Angestellten sind Ludwigshafen
zugeteilt.
Häussler
zeigt auch die Spuren des Krieges: wie es aussah nach dem
Bombenangriff der Amerikaner 1945. Vorher waren die deutschen
Truppen mit geschmückten Zügen vom Hauptbahnhof
aus an die Westfront gefahren worden, verabschiedet von fähnchenschwingenden
Menschenmassen. Der alte Bahnhof steht noch, kaum einer beachtet
noch die wunderschönen Reliefs der Steinmetze, die von
Stadtbaumeister Karl Hofmann einst in Auftrag gegeben wurden;
zum Teil sind sie verborgen. In Häusslers Buch sind sie
jedoch in ihrer ganzen Schönheit zu bewundern.
(Quelle:
Bericht der Wormser Zeitung (Alexandra Regner) vom 01.10.2003)
Buchbesprechung - Rezension:
Das
vorliegende Werk stellt im Überblick 150 Jahre der Eisenbahn-Entwicklung
eines eng umgrenzten Raums vor. Dabei wird zunächst in
kurzem Abriss die Frühgeschichte der privaten Eisenbahnen
im Raum Worms dargestellt. Leider verzichtet der Autor auf
einen Überblick über die Situation des Verkehrswesens
vor dem Bau der Bahnen bzw. auf eine Analyse der infrastrukturellen
und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Entwicklung bis
einschließlich des Länderbahnsystems wird insgesamt
knapp, aber übersichtlich präsentiert. Zahlreiche
Abbildungen, teils als Reproduktion zeitgenössischer
Dokumente, teils als neuere Fotografien, die aus dem ausgehenden
19. oder dem frühen 20. Jahrhundert stammen, illustrieren
diesen Abschnitt. Das Zitat aus der "Wormser Zeitung"
ist auch formal korrekt mit Quellenvermerk nachgewiesen.
Dem
Anliegen des Werks angemessen werden die wichtigen Anlagen
und Hochbauten der Eisenbahn in Worms im Abschnitt "Brückenschlag
über den Rhein" detailliert und in Form und Inhalt
ausführlich vorgestellt, wobei auch hier historische
Fotografien und Zeichnungen die Textaussagen untermauern bzw.
illustrieren. Das ausgewählte Bildmaterial ist dabei
überwiegend aus anderen Publikationen nicht bekannt,
so dass auch hier ein hoher Informationswert festzustellen
ist.
Einen großen
Raum nimmt dabei der Wormser "Central-Bahnhof" aus
dem frühen 20. Jahrhundert ein. Mit der Vorgeschichte
dieses Neubaus geht eine Wertung der Funktionalität und
des architektonischen Stellenwertes des Bauwerks einher. Die
dem Publikum zugänglichen Teile des Baukörpers werden
in Wort und Bild vorgestellt, wobei die fotografischen Detail-Aufnahmen
besonders hervorzuheben sind. Insgesamt vermittelt dieses
Kapitel einen guten Eindruck des Wormser Hauptbahnhofs.
Dem Bahnbetrieb
als solchem bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs widmet sich
das folgende Kapitel, wobei auch die Rolle während des
Dritten Reichs nicht verschwiegen wird. Sehr ausführlich
ist der Abschnitt "Betrieb & Technik", wobei
hier neben dem Bereich der Sicherungstechnik ("Stellwerke
& Signale") insbesondere das Bahnbetriebswerk betrachtet
wird. Auch hier ist der guten fotografischen Dokumentation
ein zwar knapper, aber hinreichend erschöpfender Text
beigefügt.
Die
wichtigen Nebenbahnen werden einzeln angesprochen und fotografisch
dokumentiert, so dass dieses Werk weit mehr als den engeren
Stadtbereich der Stadt Worms betrachtet. Zusätzlich erwähnenswert
ist die Betrachtung sowohl von privaten Bahnen als auch des
örtlichen Personennahverkehrs, der zwar knapp, aber doch
im gegebenen Rahmen vollständig hinreichend behandelt
wird. Gegenüber ähnlichen Publikationen gewinnt
damit die Publikation Häußlers deutlich an inhaltlicher
Vollständigkeit.
Die Darstellung
dieses Werks endet bei der gegenwärtigen Situation der
Eisenbahnen im Raum Worms und versucht sogar Perspektiven
aufzuzeigen.
Sprachlich
ansprechend geschrieben sind die Textpassagen auch für
ortsfremde Leser verständlich bzw. nachvollziehbar. Die
Abbildungen sind von durchweg guter Qualität und präsentieren
sich in einem für alte Fotogafien erstaunlich gutem Zustand.
Zwar
erschweren vereinzelte inhaltliche Sprünge etwas, so
dass eine deutlichere Strukturierung in der Gliederung wünschenswert
erscheint. Angenehm ist die weitgehende Enthaltung des Verfassers
von Bewertungen, besonders im Abschnitt, der Drittes Reich
und Kriegseinwirkungen behandelt.
Insgesamt
handelt es sich bei dem vorliegenden Buch aber um einen lesenswerten
"Spaziergang" durch die Verkehrsgeschichte von Worms,
der auch durch die hohe Reproduktionsqualität und den
guten handwerklichen Standard des Verlags vermittelt wird.
(©
2003 Hans-Ludwig Leers für all-around-new-books.de)
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