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Wirtschaft, Politik & Zeitgeschichte

Eisenbahnen in Worms
Von der Ludwigsbahn zum Rheinland-Pfalz-Takt

Autor: Dr. Ralph Häussler

180 Seiten
erschienen: 2003
Verlag Stefan Kehl (Edition Schwarz&Weiss)
ISBN: 3-935651-10-4
Preis: 19,80 Euro

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Zum Buch:
Viele Aspekte der Eisenbahn in Worms sind in Vergessenheit geraten. Kaum jemand weiß noch von der Trajektanstalt oder dem Reiterstellwerk. Die meisten Nebenbahnen sind seit über 30 Jahren stillgelegt und die Gleisanlagen abgebaut. Selbst vom Güterbahnhof und Bahnbetriebswerk Worms gibt es kaum Photos. Die Privatisie-rungswelle der letzten Jahre hat die Situation zusätzlich erschwert, da viele Archive aufgelöst wurden und 150 Jahre Verkehrsgeschichte unwiederbringlich beseitigt wurden. Dieser erste Überblick über die Eisenbahnen und ihre Geschichte im Wormser Raum wurde somit gerade auch durch Hilfe zahlreicher interessierter Bürger erst ermöglicht, die sowohl Bildmaterial, als auch Informationen bereit-stellten und damit ein Kapitel Heimat- und Industriegeschichte für die Nachwelt erhalten haben. Die meisten Photos waren bisher unveröffentlicht und viele sind derzeit einmalige Dokumente. In der Hoffnung, dass das Interesse für die Eisenbahnen in Rheinhessen, Pfalz und Ried in den nächsten Jahren steigt, werden sicherlich weitere Photos und Dokumente aus privaten Archiven entdeckt werden. Mein besonderer Dank gilt natürlich, neben den zahlreichen auf S. 180 genannten Personen, dem gesamten Team des Stadt-archivs Worms und dem Verlag für die Energie und Geduld in der Produktion des Buchs.

(© 2003 Dr. Ralph Häussler)


Inhaltsverzeichnis:


1. Die Pionierjahre der Eisenbahn 1836 - 1900
2. Brückenschlag über den Rhein
3. Der neue »Central-Bahnhof« 1901 - 1904
4. Der Bahnbetrieb 1900 - 1945
5. Betrieb & Technik
6. Güter auf der Schiene
7. Eisenbahnknoten Worms Hauptbahnhof
8. Wormser Stadtverkehr
9. Wiederaufbau und Modernisierung 1945 - 2003


Textauszug (Kapitel 4) mit Bildern:

4. Der Bahnbetrieb 1900 – 1945

Seit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurde Worms zu einem wichtigen Knotenpunkt im Fernverkehr. Hier trafen sich die Schnellzüge der Strecke Köln-Stuttgart-München und diejenigen, die von Frankfurt über Worms nach Straßburg und Metz fuhren. Man findet im Fahrplan der Königlich Bayerischen Staatsbahn vom
1. Mai 1910 viele Schnellzüge in Worms, wie der D41 von Mailand über Ludwigshafen und Worms nach Frankfurt und Berlin, der D73 von Interlaken über Basel und Worms nach Frankfurt oder der D76 von Berlin/Hamburg über Frankfurt, Worms und Speyer nach Basel. Die linke Rheinstrecke über Straßburg war auch populär, wie die West-Ost-Route über Worms und Marnheim, z.B. für den E82 von Darmstadt nach Kaiserslautern.

 

Dampflok der Baureihe 38 3686, preußische P8 (Baujahr 1906; 2C) - die Stammlok des Wormser Bahnbetriebswerks. Der Güterzug wird von einer D-gekoppelten Güterzuglokomotive der Baureihe 55 441 gezogen (einer preußischen G7, erstes Baujahr 1893).

 

Im 1. Weltkrieg wurde die Eisenbahn voll von den Militärs über-nommen, die in den Jahrzehnten zuvor aktiv den Eisenbahnbau auf strategisch wichtigen Routen, wie Worms-Marnheim-Kaiserslautern, unterstützten.

Der neue Hauptbahnhof wurde zur fotogenen Bühne für viele historische Ereignisse. Im Aufmarsch für die Westfront im 1. Weltkrieg wurde Worms von täglich 20 Zügen auf ihrem Weg von Darmstadt zur Westfront über Langmeil-Kaiserslautern passiert. Wie im Bild oben - Coupéwagen der K.P.E.V. auf Gleis 1. Während des gesamten 1. Weltkriegs gab es Sonderzüge zur nahe gelegenen Westfront.

 

Nach dem 1. Weltkrieg folgte die Besetzung des Rheinlands und die für die Reichsbahn kostspieligen Reparationszahlungen. Die Kontakte zum besetzten Rheinland wurden erschwert. Auch die Mehrzahl der Schnellzüge mied die besetzten Gebiete auf der linksrheinischen Seite. Stadt und Handelskammer agierten auf der politischen Ebene und die verstaatlichten Länderbahnen reagierten prompt, so dass die Anzahl der D-Züge in Worms wieder anstieg.

In jener Zeit gab es aber auch immer mehr sogenannte »beschleunigte Schnellzüge«, die wesentlich größere Entfernungen in kürzerer Zeit zurücklegen sollten. Viele Züge aus dem Ruhrgebiet nach Basel wurden an Worms vorbei über die rechte Rheinseite (Riedstrecke) vorbeigeführt. Die Stadt Worms reagierte und bestand Anfang der 20er Jahre darauf, dass solche Züge in Biblis halten sollten, um dort Reisende aus Worms aufzunehmen!

NS-Propaganda

Ein neues Kapitel begann 1933: Die Eisenbahn im Dienst des Dritten Reichs mit dem Hauptbahnhof als Bühne für NS-Propaganda. Ein "werbewirksamer" NS-Sonderzug am Hauptbahnhof am 1. Mai 1933.

Besuch von SA- und SS-Leuten aus der "Ostmark" (Österreich) in Worms, 1938. Ankunft am Gleis 2, begrüßt vom Verkehrsdirektor der Stadt - Herrn Schambach (in der Mitte des Fotos). Man bemerke das 1945 zerstörte Reiterstellwerk der Reichsbahnen im Hintergrund.

Rückkehr der Wormser SA "Nibelungen" vom Reichsparteitag in Nürnberg 1938. Parade am Hauptbahnhof.

Im 2. Weltkrieg kam es zum ersten Mal in Deutschland und in Großbritannien zur massenweise Evakuierung von Kindern aus luftkriegsgefährdeten Städten - ursprünglich vor allem zur Beruhigung der Zivilbevölkerung. Grundlage war ein Rundschreiben von Martin Bormann an alle zuständigen NS-Stellen vom 27. September 1940. Anfangs erfolgte die Kinderlandverschickung primär auf freiwilliger Basis, aber ab Frühjahr 43 wurden vermehrt ganze Klassen und Schulen in eines der 9.000 KLV Lager geschickt.

Texte und Fotos: © Verlag Stefan Kehl, Hamm/Rheinhessen

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