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Titel der amerikanischen Originalausgabe:
"The Da Vinci Code"


Außerdem
erschienen
als:

Audio - 4 CDs





 

Krimi/Thriller

Sakrileg

Autor: Dan Brown
Aus dem Amerikanischen von Piet van Poll

Thriller
gebunden mit Schutzumschlag, 605 Seiten
erschienen: 2004
Lübbe
ISBN: 3-7857-2152-8
Preis: 19,90 Euro
Hier bestellen:

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Inhalt und Fazit:

Junk Food auf Papier

Inhalt

Auf der Flucht vor einem Mörder reißt der Chef des Louvre nachts einen Caravaggio von der Wand. Alarm wird ausgelöst. Eisengitter senken sich und schotten die Gemäldeabteilung ab. Dennoch trifft ihn die Kugel des Attentäters und verwundet ihn tödlich. Eingesperrt nutzt der Chef des Louvre sein Wissen über Kunst um codierte Zeichen zu hinterlassen. An erster Stelle die Zeichenfolge 13-3-2-21-1-1-8-5.
Eine Dechiffrierexpertin und ein Gelehrter der Symbolik (Symbolologe) zerbrechen sich am Tatort den Kopf. Die Dechiffrierexpertin ist Enkeltochter des Ermordeten. Sie entdecken in der Zahlenfolge die umgestellte Fibonacci Reihe. Sie geraten selbst ins Fadenkreuz der Ermittler und kommen dennoch der Mitteilung des Ermordeten auf die Spur. Es handelt sich um ein Geheimnis, in das Jesus, Maria Magdalena, Konstantin der Große, die Merowinger, die Prieuré de Sion, der Heilige Gral, die Templer, Flamel, Leonardo da Vinci, Isaac Newton, Victor Hugo, Jean Cocteau und die katholische Kirche verwickelt sind.
Die beiden Experten fliehen und werden von einem englischen Multimillionär, der Kunstexperte und Lord ist – sein Fuhrpark enthält: Rolls Royce, Daimler, Jaguar, Porsche, Range Rover sowie Privatjet nebst Piloten und immerwährender diplomatischer Start- und Landeerlaubnis - unterstützt.
Währenddessen macht die für das Attentat verantwortliche Organisation gleichfalls Jagd auf die beiden.
Binnen 48 Stunden lösen die beiden Protagonisten das Rätsel des heiligen Gral.
Soviel zum Inhalt.


Positiv

Die Fibonacci Reihe ist es wert, einem größeren Publikum bekannt zu werden. Sie steckt auch im goldenen Schnitt, durchzieht in der Tat Gemälde, Architektur und etwa auch Cartier-Bressons Fotografie. Nebenbei bemerkt: Die Fibonacci-Reihe gibt auch an, wieviele Kaninchenelternpaare es jeden Monat gibt. Im ersten die werdenden Eltern, dann das Elternpaar, die Kinder werden Eltern
usw.: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21 ...

Auf den inneren Umschlagseiten sind Stadtpläne der Pariser und Londoner Innenstadt abgedruckt. Schön.

Das Papier ist angenehm anzufassen.

Eine längere Bahnreise kann durch das Buch verkürzt werden. Oder ein sonnenstichiger Tag am Strand.


Auffallend

Beim Attentat befindet sich zwischen Louvrechef und seinem Mörder das durch den Alarm herabgefallene eiserne Gitter. Der Chef rennt nicht etwa davon. Platz wäre da. Er könnte sich von dem Attentäter fortbewegen. Er tut es nicht.

Während der Flucht telefoniert die von Interpol und Opus Dei gesuchte Kryptologin mal eben einige Minuten mit ihrem Handy. Im Buch hat dies nicht die Folge der Ortung.

Die Polizei entdeckt einen Computer. Er enthält geheimes Material. Mit einem einzigen Griff gelingt es einem Feld- Wald- und Wiesenpolizisten Lesezugriff auf das explosive Material auf der Festplatte zu erhalten.

Da wird mal eben aus einem fliegenden Passagierflugzeug mit Handy telefoniert. Da gelingen auch sofort Handygespräche von Frankreich nach England und von Frankreich in die USA.

Von sechs Hauptwörtern (Substantiva) versieht der Autor fünf mit einem Eigenschaftswort (Adjektiv). Das ist der Stil von Heftchenromanen. Beispiel Seite 14, zweiter Absatz:
"Blinzelnd ließ er den Blick durch das herrschaftliche Renaissance-Schlafzimmer mit den antiken Möbeln, dem mächtigen Mahagoni-Himmelbett und dem handgemalten Fresko an der Wand schweifen."
Die Charaktere sind flach, schablonenhaft, eindimensional. Abziehbilder. Sie entwickeln sich nicht.
Die Story ist vorhersagbar.
Die Kapitel enden mit sogenannten Cliffhangers.

Gedanken der Protagonisten werden in kursiver Schrift dargestellt, und damit der Leser auch wirklich begreift, dass es sich um Gedanken handelt, wird dann noch hinzugefügt: “redete er sich ein“.
Mit einem Wort: Dan Brown kann nicht schreiben.

Die Übersetzung leidet an dem alten Problem: Übersetzer sind unterbezahlt, sie bekommen einen Hungerlohn. Was halten sie von diesem Satz auf Seite 11, vorletzter Absatz:
“Die wahre Identität des Museumsdirektors und seiner drei Seneschalle wurde nicht weniger streng geheim gehalten wie das uralte Geheimnis, das sie hüteten.“?

In Kapitel 60 nennt Dan Brown seine Bibliographie. Es handelt sich um Verschwörungsschinken. Beispielsweise „Der Heilige Gral und seine Erben“ von Henry Lincoln/Michael Baigent/Richard Leigh.

Auf da Vincis berühmten Gemälde „Das Abendmahl“ hat Leonardo ganz bestimmt nicht Maria Magdalena dargestellt. Auch wenn es Dan Brown einem „Kunstexperten“ in den Mund legt. Leonardos Vorstudien zum Abendmahl enthalten Skizzen, auf denen er die Namen der Personen nennt. Es sind die Jünger. Wenn Sie nachprüfen wollen, werfen Sie einen Blick in „History of Italian Renaissance Art“ von Frederick Hartt.
Wer glaubt, durch dieses Buch verlässliche historische Informationen zu erhalten, erliegt einem Irrtum.

Nicht nur auf den Seiten 218, 222, 231, 234 und 353 erwähnt der Autor die vorgebliche „Prieuré de Sion.“ Abgesehen davon, dass es sich hierbei in Wirklichkeit um die im 20. Jahrhundert geschaffene Pseudoorganisation eines verrückten faschistischen Franzosen handelte, bereitet mir die Übersetzung von „Prieuré de Sion“ Magenschmerzen: “Priorat [Konvent, Kloster] von Zion“ oder freier: „Die Ersten von Zion“. Ich erinnere an die zaristische Fälschung. Im Buch will die Geheimorganisation „Prieuré de Sion“ der christlichen Kirche einen Todesstoß versetzen. War da mal nicht ein fürchterliches und fürchterlich folgenschweres Gefasel in Deutschland? Wenn es nur wenigstens beim Gefasel geblieben wäre!


Warum hat das Buch Erfolg?

Weil es schablonenhaft geschrieben ist. Wie eine Seifenoper. Da weiß man, was man hat.
Weil es anspruchslos ist. Flach ist es und arbeitet mit gröbsten Mitteln. Wie ein Groschenroman.
Es täuscht durch „Name-Dropping“ Kultur vor. Eine Art von Trancetechnik: Man verwende einfach gewisse Begriffe und bei manchen Menschen stellt sich dann der gewünschte Pawlowsche Reflex ein.
Offensichtlich ist es mit dem Ziel der Verfilmung geschrieben. Oder besser formuliert: Dan Brown sah in seiner Kindheit Fernsehserien. Die haben ihn geprägt. Entsprechend schreibt er. Und je geringer die Bildung der Rezipienten ist, desto besser kommt es heute an.
Verschwörungstheorien sind in. Auf das Verschwörungskarussell ist Dan Brown aufgesprungen. Auf Seite 233 schreibt er es selber im Kursivdruck: „Was gibt es schöneres als Verschwörungstheorien?“ Auf wen setzen Sie heute beim Verschwörungsroulette: Illuminati, Rosenkreuzer, Bilderberger, MAD, Rat der 300, FBI, CIA, UFOs, Satanisten, P2, Freimaurer, Les Adéptes de La Magie Noir, Templer, Skulls & Bones, 4711, Loge der Gelbkappentibeter, Opus Dei, Ordo Templi Orientalis, NSA, kosmische Konföderation, Merlinisten, Reptiloide?


Sie haben Besseres verdient

Mit folgenden Autoren sind Sie sowohl sprachlich als auch inhaltlich besser dran: Frederick Forsyth, Jeffrey Archer, Ken Follett, Umberto Eco.

(© 2004 Holger Roehlig für all-around-new-books.de)

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