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Inhalt und Fazit:
Junk
Food auf Papier
Inhalt
Auf
der Flucht vor einem Mörder reißt der Chef
des Louvre nachts einen Caravaggio von der Wand. Alarm
wird ausgelöst. Eisengitter senken sich und schotten
die Gemäldeabteilung ab. Dennoch trifft ihn die
Kugel des Attentäters und verwundet ihn tödlich.
Eingesperrt nutzt der Chef des Louvre sein Wissen über
Kunst um codierte Zeichen zu hinterlassen. An erster
Stelle die Zeichenfolge 13-3-2-21-1-1-8-5.
Eine
Dechiffrierexpertin und ein Gelehrter der Symbolik (Symbolologe)
zerbrechen sich am Tatort den Kopf. Die Dechiffrierexpertin
ist Enkeltochter des Ermordeten. Sie entdecken in der
Zahlenfolge die umgestellte Fibonacci Reihe. Sie geraten
selbst ins Fadenkreuz der Ermittler und kommen dennoch
der Mitteilung des Ermordeten auf die Spur. Es handelt
sich um ein Geheimnis, in das Jesus, Maria Magdalena,
Konstantin der Große, die Merowinger, die Prieuré
de Sion, der Heilige Gral, die Templer, Flamel, Leonardo
da Vinci, Isaac Newton, Victor Hugo, Jean Cocteau und
die katholische Kirche verwickelt sind.
Die beiden Experten fliehen und werden von einem englischen
Multimillionär, der Kunstexperte und Lord ist –
sein Fuhrpark enthält: Rolls Royce, Daimler, Jaguar,
Porsche, Range Rover sowie Privatjet nebst Piloten und
immerwährender diplomatischer Start- und Landeerlaubnis
- unterstützt.
Währenddessen
macht die für das Attentat verantwortliche Organisation
gleichfalls Jagd auf die beiden.
Binnen
48 Stunden lösen die beiden Protagonisten das Rätsel
des heiligen Gral.
Soviel
zum Inhalt.
Positiv
Die
Fibonacci Reihe ist es wert, einem größeren
Publikum bekannt zu werden. Sie steckt auch im goldenen
Schnitt, durchzieht in der Tat Gemälde, Architektur
und etwa auch Cartier-Bressons Fotografie. Nebenbei
bemerkt: Die Fibonacci-Reihe gibt auch an, wieviele
Kaninchenelternpaare es jeden Monat gibt. Im ersten
die werdenden Eltern, dann das Elternpaar, die Kinder
werden Eltern
usw.: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21 ...
Auf
den inneren Umschlagseiten sind Stadtpläne der
Pariser und Londoner Innenstadt abgedruckt. Schön.
Das Papier
ist angenehm anzufassen.
Eine längere
Bahnreise kann durch das Buch verkürzt werden.
Oder ein sonnenstichiger Tag am Strand.
Auffallend
Beim Attentat
befindet sich zwischen Louvrechef und seinem Mörder
das durch den Alarm herabgefallene eiserne Gitter. Der
Chef rennt nicht etwa davon. Platz wäre da. Er
könnte sich von dem Attentäter fortbewegen.
Er tut es nicht.
Während
der Flucht telefoniert die von Interpol und Opus Dei
gesuchte Kryptologin mal eben einige Minuten mit ihrem
Handy. Im Buch hat dies nicht die Folge der Ortung.
Die Polizei
entdeckt einen Computer. Er enthält geheimes Material.
Mit einem einzigen Griff gelingt es einem Feld- Wald-
und Wiesenpolizisten Lesezugriff auf das explosive Material
auf der Festplatte zu erhalten.
Da
wird mal eben aus einem fliegenden Passagierflugzeug
mit Handy telefoniert. Da
gelingen auch sofort Handygespräche von Frankreich
nach England und von Frankreich in die USA.
Von sechs
Hauptwörtern (Substantiva) versieht der Autor fünf
mit einem Eigenschaftswort (Adjektiv). Das ist der Stil
von Heftchenromanen. Beispiel Seite 14, zweiter Absatz:
"Blinzelnd ließ er den Blick durch das herrschaftliche
Renaissance-Schlafzimmer mit den antiken Möbeln,
dem mächtigen Mahagoni-Himmelbett und dem handgemalten
Fresko an der Wand schweifen."
Die Charaktere sind flach, schablonenhaft, eindimensional.
Abziehbilder. Sie entwickeln sich nicht.
Die Story ist vorhersagbar.
Die Kapitel enden mit sogenannten Cliffhangers.
Gedanken
der Protagonisten werden in kursiver Schrift dargestellt,
und damit der Leser auch wirklich begreift, dass es
sich um Gedanken handelt, wird dann noch hinzugefügt:
“redete er sich ein“.
Mit einem Wort: Dan Brown kann nicht schreiben.
Die Übersetzung
leidet an dem alten Problem: Übersetzer sind unterbezahlt,
sie bekommen einen Hungerlohn. Was halten sie von diesem
Satz auf Seite 11, vorletzter Absatz:
“Die wahre Identität des Museumsdirektors
und seiner drei Seneschalle wurde nicht weniger streng
geheim gehalten wie das uralte Geheimnis, das sie hüteten.“?
In
Kapitel 60 nennt Dan Brown seine Bibliographie. Es handelt
sich um Verschwörungsschinken. Beispielsweise „Der
Heilige Gral und seine Erben“ von Henry Lincoln/Michael
Baigent/Richard Leigh.
Auf
da Vincis berühmten Gemälde „Das Abendmahl“
hat Leonardo ganz bestimmt nicht Maria Magdalena dargestellt.
Auch wenn es Dan Brown einem „Kunstexperten“
in den Mund legt. Leonardos Vorstudien zum Abendmahl
enthalten Skizzen, auf denen er die Namen der Personen
nennt. Es sind die Jünger. Wenn Sie nachprüfen
wollen, werfen Sie einen Blick in „History
of Italian Renaissance Art“ von Frederick
Hartt.
Wer
glaubt, durch dieses Buch verlässliche historische
Informationen zu erhalten, erliegt einem Irrtum.
Nicht
nur auf den Seiten 218, 222, 231, 234 und 353 erwähnt
der Autor die vorgebliche „Prieuré de Sion.“
Abgesehen davon, dass es sich hierbei in Wirklichkeit
um die im 20. Jahrhundert geschaffene Pseudoorganisation
eines verrückten faschistischen Franzosen handelte,
bereitet mir die Übersetzung von „Prieuré
de Sion“ Magenschmerzen: “Priorat [Konvent,
Kloster] von Zion“ oder freier: „Die Ersten
von Zion“. Ich erinnere an die zaristische Fälschung.
Im Buch will die Geheimorganisation „Prieuré
de Sion“ der christlichen Kirche einen Todesstoß
versetzen. War da mal nicht ein fürchterliches
und fürchterlich folgenschweres Gefasel in Deutschland?
Wenn es nur wenigstens beim Gefasel geblieben wäre!
Warum hat das Buch Erfolg?
Weil
es schablonenhaft geschrieben ist. Wie eine Seifenoper.
Da weiß man, was man hat.
Weil es anspruchslos ist. Flach ist es und arbeitet
mit gröbsten Mitteln. Wie ein Groschenroman.
Es täuscht durch „Name-Dropping“ Kultur
vor. Eine Art von Trancetechnik: Man verwende einfach
gewisse Begriffe und bei manchen Menschen stellt sich
dann der gewünschte Pawlowsche Reflex ein.
Offensichtlich ist es mit dem Ziel der Verfilmung geschrieben.
Oder besser formuliert: Dan Brown sah in seiner Kindheit
Fernsehserien. Die haben ihn geprägt. Entsprechend
schreibt er. Und je geringer die Bildung der Rezipienten
ist, desto besser kommt es heute an.
Verschwörungstheorien sind in. Auf das Verschwörungskarussell
ist Dan Brown aufgesprungen. Auf Seite 233 schreibt
er es selber im Kursivdruck: „Was gibt es schöneres
als Verschwörungstheorien?“ Auf wen setzen
Sie heute beim Verschwörungsroulette: Illuminati,
Rosenkreuzer, Bilderberger, MAD, Rat der 300, FBI, CIA,
UFOs, Satanisten, P2, Freimaurer, Les Adéptes
de La Magie Noir, Templer, Skulls & Bones, 4711,
Loge der Gelbkappentibeter, Opus Dei, Ordo Templi Orientalis,
NSA, kosmische Konföderation, Merlinisten, Reptiloide?
Sie haben Besseres verdient
Mit
folgenden Autoren sind Sie sowohl sprachlich als auch
inhaltlich besser dran: Frederick Forsyth, Jeffrey Archer,
Ken Follett, Umberto Eco.
(©
2004 Holger Roehlig für all-around-new-books.de)
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