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Roman/Erzählung

Die große Liebe

Autor: Hanns-Josef Ortheil

Roman
gebunden, 320 Seiten
erschienen: August 2003
Luchterhand Literaturverlag
ISBN: 3-630-87147-X
Preis: 22,50 Euro

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Klappentext:
Hanns-Josef Ortheil ist nach seiner gefeierten Trilogie historischer Romane wieder in unserer Gegenwart angekommen. Er erzählt von der leidenschaftlichen Liebe eines Paares, das sich an der italienischen Adria-Küste kennenlernt. Er, ein deutscher Fernsehredakteur, recherchiert dort für einen Film über das Meer, sie ist Meeresbiologin und leitet ein Forschungsinstitut. Er hat sich gerade aus einer längeren Beziehung gelöst, sie ist mit einem Institutskollegen verlobt. Beide sind fasziniert vom Wasser, seinen Farben, Gerüchen, und bereits über ihrer ersten Begegnung liegt eine eigentümliche Magie. Sie können den anderen nicht mehr aus den Augen lassen und erkennen, daß sie füreinander geschaffen sind - eine Erfahrung, die keiner von beiden vorher gemacht hat. Zuerst langsam, dann mit rapide wachsender Intensität gehen sie ihren Wünschen nach und versuchen, ihre Liebe gegen alle inneren und äußeren Widerstände zu behaupten.

Hanns-Josef Ortheil erzählt die Geschichte einer großen, romantischen Liebe als eine Geschichte der Sinne und ihrer Inszenierungen. Blicke, Berührungen und Stimmen verdichtet Ortheil in seinem Roman zur Ästhetik einer einzigartigen Annäherung, der sich dieses Paar mit allen seinen Gefühlen hingibt.


Zum Autor:
Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln geboren, er lebt in Stuttgart, Hildesheim und Wissen an der Sieg. Er gehört zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern der Gegenwart, sein Werk ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Brandenburger Literaturpreis und dem Thomas-Mann-Preis der Hansestadt Lübeck. Er lehrt als Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim.

(© 2003 Luchterhand Literaturverlag)


Buchbesprechung - Rezension:

Nach langer Zeit ist der deutsche Fernsehjournalist und Ich-Erzähler wieder einmal in Italien, in einer kleinen Stadt an der Adria. Auf Dienstreise. Er soll Recherchen für einen Filmbeitrag über das Meer anstellen. Das Besondere an diesem Ort ist die Landschaft, der schöne Strand und die Tatsache, dass hier ein meeresbiologisches Institut angesiedelt ist. Noch für den Ankunftstag hat sein Sekretariat einen Gesprächstermin mit der Leiterin des Instituts vereinbart.
Es bleibt kaum Zeit, sich zu akklimatisieren. Die wenigen Tage sind gut organisiert, er ist ja nicht zu seinem Vergnügen hier. Ein Zimmer in einem kleinen Hotel am Strand ist schnell besorgt. Da es bis zu dem Termin im Institut eine Weile hin ist, geht er noch einmal seine Unterlagen und vorbereiteten Fragen durch, nimmt anschließend ein schnelles Bad im Meer und findet sich pünktlich am verabredeten Ort ein. Hier trifft er die Leiterin, die "Dottoressa", wie sie von allen genannt wird. Eine Frau. Anfang dreißig, klug, höflich, charmant, hübsch, mit langen Haaren, in einem grünen Kleid. Sie gibt ihm ein paar wissenschaftliche Hinweise über die Wasserbeschaffenheit und führt ihn durch eine kleine Ausstellung. Mehr Zeit hat sie nicht für den deutschen Besucher, aber sie verabreden sich zum Mittagessen in einem kleinen Restaurant am Hafen. Und hier passiert es: Die beiden verlieben sich ineinander, und die Woche verläuft für beide ganz anders als sie es sich vorgestellt haben. Er hat gerade eine mehrjährige, etwas gleichförmige und unspektakuläre Beziehung mit Hanna sehr vernunftmäßig beendet, sie, Franca, ist verlobt mit einem Kollegen im Institut. Beide erleben und empfinden, trotz einiger Schwierigkeiten, in den nächsten Tagen die große Liebe ...

Nichts Weltbewegendes würde in diesem Buch behandelt, habe ich mal vor einiger Zeit in einer Rezension gelesen. Das mag für den Schreiber so sein. Es geht nicht um Elend in Kriegsgebieten, es geht nicht um Arbeitslosigkeit und Hartz IV, es geht nicht um Misshandlungen in der Familie, um Drogen und Psychotherapie, es geht um die Liebe zweier Menschen, um "die große Liebe" unter der brennenden Sonne Italiens. Ist das nicht für die Betroffenen das Weltbewegendste überhaupt? "Es ist, was es ist, sagt die Liebe", heißt es in einem Gedicht von Erich Fried.

Hanns-Josef Ortheil hat ein wunderbar zartes, sinnliches, atmosphärisch dichtes Buch über den Beginn dieser Liebe geschrieben. Für Anhänger der heute so beliebten Fickwörter sei gleich gesagt, dass sie in diesem Roman nicht auf ihre Kosten kommen. Ortheil schafft es, aus der Sicht des Mannes die langsame, aber immer intensiver werdende Beziehung, die die beiden wie ein Rausch erfasst hat, mit einer poetischen, stimmungsreichen Sprache darzustellen, die uns in den Bann zieht. Wir spüren den Wind auf der nackten Haut der beiden, der durch das offene Fenster in das Zimmer weht, wir schmecken die gefüllten Oliven und die Fischsuppe, die sie verzehren, wir riechen den italienischen Sommer und wir sehen die faszinierend schöne Landschaft, die durch die Brille der Verliebten ins Traumhafte gesteigert ist.

Die Liebe scheint absurd und zum Scheitern verurteilt zu sein, und doch wissen beide, dass sie füreinander geschaffen sind;
es ist "Die große Liebe".

Einen besonderen Trick wendet der Autor mit dem kleinen schwarzen Tagebuch an, in das der verliebte Journalist seine Wünsche, Sehnsüchte und Ängste formulieren lässt, die uns als Leser nur allzu bekannt sind. Die Beschreibung dieser Liebe ist ein sprachlicher, ästhetischer und sinnlicher Genuss, der niemals in Kitsch oder Obszönität abgleitet. Ein großartiges Sommerbuch.

Wahrscheinlich muss man mindestens einmal im Leben eine "große Liebe" und deren Zauber erlebt haben, um dies nachfühlen und begreifen zu können, was mit einem in einer solchen Situation passieren kann.

(© 2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)

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