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Klappentext:
Hanns-Josef Ortheil ist nach seiner gefeierten Trilogie historischer Romane wieder in unserer Gegenwart angekommen. Er erzählt von der leidenschaftlichen Liebe eines Paares, das sich an der italienischen Adria-Küste kennenlernt. Er, ein deutscher Fernsehredakteur, recherchiert dort für einen Film über das Meer, sie ist Meeresbiologin und leitet ein Forschungsinstitut. Er hat sich gerade aus einer längeren Beziehung gelöst, sie ist mit einem Institutskollegen verlobt. Beide sind fasziniert vom Wasser, seinen Farben, Gerüchen, und bereits über ihrer ersten Begegnung liegt eine eigentümliche Magie. Sie können den anderen nicht mehr aus den Augen lassen und erkennen, daß sie füreinander geschaffen sind - eine Erfahrung, die keiner von beiden vorher gemacht hat. Zuerst langsam, dann mit rapide wachsender Intensität gehen sie ihren Wünschen nach und versuchen, ihre Liebe gegen alle inneren und äußeren Widerstände zu behaupten.
Hanns-Josef
Ortheil erzählt die Geschichte einer großen,
romantischen Liebe als eine Geschichte der Sinne und
ihrer Inszenierungen. Blicke, Berührungen und Stimmen
verdichtet Ortheil in seinem Roman zur Ästhetik
einer einzigartigen Annäherung, der sich dieses
Paar mit allen seinen Gefühlen hingibt.
Zum
Autor:
Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln
geboren, er lebt in Stuttgart, Hildesheim und Wissen
an der Sieg. Er gehört zu den bedeutendsten deutschen
Schriftstellern der Gegenwart, sein Werk ist mit vielen
Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Brandenburger
Literaturpreis und dem Thomas-Mann-Preis der Hansestadt
Lübeck. Er lehrt als Professor für Kreatives
Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität
Hildesheim.
(©
2003 Luchterhand Literaturverlag)
Buchbesprechung - Rezension:
Nach langer Zeit ist der deutsche Fernsehjournalist
und Ich-Erzähler wieder einmal in Italien, in einer
kleinen Stadt an der Adria. Auf Dienstreise. Er soll
Recherchen für einen Filmbeitrag über das
Meer anstellen. Das Besondere an diesem Ort ist die
Landschaft, der schöne Strand und die Tatsache,
dass hier ein meeresbiologisches Institut angesiedelt
ist. Noch für den Ankunftstag hat sein Sekretariat
einen Gesprächstermin mit der Leiterin des Instituts
vereinbart.
Es bleibt kaum Zeit, sich zu akklimatisieren. Die wenigen
Tage sind gut organisiert, er ist ja nicht zu seinem
Vergnügen hier. Ein Zimmer in einem kleinen Hotel
am Strand ist schnell besorgt. Da es bis zu dem Termin
im Institut eine Weile hin ist, geht er noch einmal
seine Unterlagen und vorbereiteten Fragen durch, nimmt
anschließend ein schnelles Bad im Meer und findet
sich pünktlich am verabredeten Ort ein. Hier trifft
er die Leiterin, die "Dottoressa", wie sie
von allen genannt wird. Eine Frau. Anfang dreißig,
klug, höflich, charmant, hübsch, mit langen
Haaren, in einem grünen Kleid. Sie gibt ihm ein
paar wissenschaftliche Hinweise über die Wasserbeschaffenheit
und führt ihn durch eine kleine Ausstellung. Mehr
Zeit hat sie nicht für den deutschen Besucher,
aber sie verabreden sich zum Mittagessen in einem kleinen
Restaurant am Hafen. Und hier passiert es: Die beiden
verlieben sich ineinander, und die Woche verläuft
für beide ganz anders als sie es sich vorgestellt
haben. Er hat gerade eine mehrjährige, etwas gleichförmige
und unspektakuläre Beziehung mit Hanna sehr vernunftmäßig
beendet, sie, Franca, ist verlobt mit einem Kollegen
im Institut. Beide erleben und empfinden, trotz einiger
Schwierigkeiten, in den nächsten Tagen die große
Liebe ...
Nichts
Weltbewegendes würde in diesem Buch behandelt,
habe ich mal vor einiger Zeit in einer Rezension gelesen.
Das mag für den Schreiber so sein. Es geht nicht
um Elend in Kriegsgebieten, es geht nicht um Arbeitslosigkeit
und Hartz IV, es geht nicht um Misshandlungen in der
Familie, um Drogen und Psychotherapie, es geht um die
Liebe zweier Menschen, um "die große Liebe"
unter der brennenden Sonne Italiens. Ist das nicht für
die Betroffenen das Weltbewegendste überhaupt?
"Es ist, was es ist, sagt die Liebe", heißt
es in einem Gedicht von Erich Fried.
Hanns-Josef
Ortheil hat ein wunderbar zartes, sinnliches, atmosphärisch
dichtes Buch über den Beginn dieser Liebe geschrieben.
Für Anhänger der heute so beliebten Fickwörter
sei gleich gesagt, dass sie in diesem Roman nicht auf
ihre Kosten kommen. Ortheil schafft es, aus der Sicht
des Mannes die langsame, aber immer intensiver werdende
Beziehung, die die beiden wie ein Rausch erfasst hat,
mit einer poetischen, stimmungsreichen Sprache darzustellen,
die uns in den Bann zieht. Wir spüren den Wind
auf der nackten Haut der beiden, der durch das offene
Fenster in das Zimmer weht, wir schmecken die gefüllten
Oliven und die Fischsuppe, die sie verzehren, wir riechen
den italienischen Sommer und wir sehen die faszinierend
schöne Landschaft, die durch die Brille der Verliebten
ins Traumhafte gesteigert ist.
Die Liebe scheint absurd und zum Scheitern verurteilt
zu sein, und doch wissen beide, dass sie füreinander
geschaffen sind;
es ist "Die große Liebe".
Einen
besonderen Trick wendet der Autor mit dem kleinen schwarzen
Tagebuch an, in das der verliebte Journalist seine Wünsche,
Sehnsüchte und Ängste formulieren lässt,
die uns als Leser nur allzu bekannt sind. Die Beschreibung
dieser Liebe ist ein sprachlicher, ästhetischer
und sinnlicher Genuss, der niemals in Kitsch oder Obszönität
abgleitet. Ein großartiges Sommerbuch.
Wahrscheinlich muss man mindestens einmal im Leben eine "große Liebe" und deren Zauber erlebt haben, um dies nachfühlen und begreifen zu können, was mit einem in einer solchen Situation passieren kann.
(©
2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)
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