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Roman/Erzählung

Kitt, der Dobermann-Schäferhund-Mix
Tierische Momentgeschichten

Autor: Karl Heinz Baumann

Taschenbuch, 138 Seiten
erschienen: August 2003
Books on Demand
ISBN: 3-8330-1130-0
Preis: 9,80 Euro
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Inhalt:
Kitt, ein schwarzer Mischlingshund, erzählt aus seinem Leben: Wie er im Tierheim landet, ein neues Zuhause findet, was er mit dem neuen Herrchen und Frauchen (und leider auch Kater Benny) erlebt und wie er über die Menschen denkt. Ein nicht ganz alltägliches Hundeleben, das viel über das Leben der Menschen sagt.

Amüsant und unterhaltsam schildert Karl Heinz Baumann Gedanken und Empfindungen des aufgeweckten Mischlingshundes, dem die Menschen manchmal wirklich ein Rätsel sind. Wieso sagen sie oft dasselbe, ob er sie gegen einen bedrohlichen Hund verteidigen will oder eine betörende Hundedame erblickt hat? "Bleib lieb, Kitt. Aus, Kitt!"

Trotzdem sagt Kitt: "Dass ich mich bei meinen Herrschaften sehr, sogar sehr, sehr wohlfühle, bedarf aus meiner Sicht keiner besonderen Erwähnung. Das ist nun einmal so! Punktum!!!"

(© 2003 Karl Heinz Baumann)

Zum Autor:
Karl Heinz Baumann, 1942 in Weiden (Oberpfalz) geboren, ist Bühnen- und Buchautor und Vorsitzender einer Amateurbühne. Der Enkel des Weidener Stadtoriginals Roberl Beck lebt heute in Hamburg. Bisherige Veröffentlichungen umfassen die Theaterstücke "Hab ich oder hab ich nicht", "Kein Gramm zuviel" und "Agentur Schilling".


Textauszug:


Ronia, der unerwartete Vulkan

Als wenn mein kurzes Hundeleben nicht schon genug gebeutelt wäre, ist die Erfahrung, über die ich euch jetzt erzählen möchte, ein für mich sehr einschneidendes Geschehen.

Dass ich mich bei meinen Herrschaften sehr, sogar sehr, sehr wohlfühle, bedarf aus meiner Sicht keiner besonderen Erwähnung. Das ist nun einmal so! Punktum!!!
Worte, wie "mit dem haben wir einen guten Griff gemacht" kommen mit einem in mir aufkommenden Stolz an meine gutfunktionierenden Schlappohren. Und ich kann auch nur bestätigen, dass das Gleiche, ob Frauchen oder Herrchen, auch für mich gilt.

Vergessen ist das Heim, ja, sogar mein Abgeber. Dieser Zehnkilokater "Benny" wird zur Gewohnheit mit nur noch leichten üblen Nebenwirkungen. Die Uhr kenne ich immer noch nicht und das mit dem Sprachfehler hat sich auch nicht groß geändert.
Also, nichts Neues im Hause von Kitt, das bin natürlich ich, der, na, ihr wisst schon, wer!

Dieser "gute Griff" lebt sein jetzt schönes Hundeleben genüsslich so vor sich hin. Träumt mal im Sessel, mal auf dem Sofa, mal in Herrchens Bett. Ist mit sich und seiner angenehmen Lebenslage mehr als zufrieden.
Dass meine Spaziergänge zwar regelmäßig, aber für mich immer noch zu wenig sind, das verstehe wahrscheinlich nur ich alleine. Mein Herrchen will schon für mich und mein liebes Frauchen ein Zelt auf der großen Wiese aufbauen.
Ja, meint der etwa, dass damit mein nicht gestillter Drang in die freie Natur endlich aufhört? Da kann ich aber wirklich nur kurz grinsen. Herrchen, da gehören immerhin noch drei dazu. Mein Frauchen, dein braver Hund, Kitt, und na, na, was wohl? Na, mein bequemes Sofa - und das auf der großen Wiese? Hi, hi!!!
"Große Wiese", Kitt, das ist dein Stichwort. Du verplauderst dich schon wieder. Komm endlich zu diesem für dich so ungewöhnlichen Geschehen.

Ein Spaziergang mit meinem Herrchen hatte gerade begonnen. Ihr wisst ja, zweimal “Sitz” und gelber Briefkasten. Freude auf die große Wiese vor der Nase und dann, dann ...
“Ups”, was ist das denn? Viel mehr, wer ist das denn? Dieses Ding, das mit einem eleganten Hüftschwung auf meinen Weg einbiegt, lässt mich in einer sehr peinlichen Situation erstarren. Kitt, behalte Haltung, auch wenn es auf drei Beinen ist.
Dass das schöne Ding ohne Leine die Natur genießt, macht die Lage schon viel einfacher. Nur ein, “Kitt, du bleibst lieb” von Herrchen ist mir schon unangenehm. Ich weiß mich doch einer Lady gegenüber zu benehmen. Nur, wie bekomme ich meine linke Hinterpfote unbemerkt auf den Boden? Mann, was mache ich nur, bin doch so unerfahren! Herrchen, und du mit deinem “Kitt, du bleibst lieb”.

Das Ding bleibt plötzlich stehen, schaut über ihre Schulter zu mir herüber, lässt ein buntes Bällchen aus ihrem lieblichen Maul fallen und bewegt sich mit Grazie auf mich zu. Kitt, so schießt es mir durch mein in Wallung geratenes Hundegehirn, Kitt, die meint dich. Dich, den Bastardhund mit einer Vielzahl von Hunderassen in sich. Was mache ich nur? Wie verhalte ich mich nur? Kitt, am besten ist, geh auf sie zu und lächle.
Verdammt, auf drei Beinen sieht das wirklich sehr albern aus. Kitt, nun reiß dich zusammen. Dein Herrchen amüsiert sich schon über deine Unbeholfenheit. Das habe ich gerne, keine Aufklärung für seinen “braven Hund” und dann auch noch über ihn hämisch lachen.
"Ronia", höre ich weit aus der Ferne ein unbekanntes Wesen rufen. Eine Herrchenstimme? Bitte, nicht jetzt, wo so ein leichter, betäubender, elektrisierender Duft mit einem zarten Nebenaroma von Abenteuer durch eine Windbewegung an meine übersensibilisierte Nase dringt. Bitte, bitte, bitte, nicht jetzt!!!!

Ronia. Welch ein Name! Ein Name, den du dir unbedingt merken musst, Kitt. Ein Name zum Träumen auf deinem Sofa. Oder träume ich dies jetzt schon? Nein, sie ist noch da. Steht mit ihrem prächtigen Körper so einfach vor mir und knurrt in den unterschiedlichsten Tönen. Haucht mir ihren heißen Atem vor die Schnauze und säuselt: “Was bist du denn für ein Hübscher, habe dich hier noch nie gesehen?”
Oh, Mann, was für eine Stimme. Kitt, was mache ich denn nur? Herrchen, Herrchen, du bist doch auch ein Rüde. Wo ist der denn nun hin? Jetzt, wo ich dich brauche, stehst du mit einem Fremden herum und bist am Quatschen. Dein “braver, lieber Hund” braucht dich doch. Dein “guter Griff” ist, sein Hundeleben betreffend, in Schwierigkeiten und du bist nicht an seiner Seite.
Das “willst du mich nicht kennen lernen”, von Ronia lässt meinen aufkommenden Ärger sofort wieder verfliegen. Herrchen, unterhalte du dich nur weiter mit dem Fremden. Dadurch haben wir mehr Zeit für uns. Ronia und ich!!!!

Aber, was mache ich nur mit dieser Zeit? Also, Kitt, stelle erst mal deine Pfote auf den Boden und begrüße dieses wunderbare Wesen hundegerecht.
“Darf ich es wagen, dein Hinterteil, na ja, du weißt schon”, höre ich mich säuseln, während ich mich wie ein vor Kraft strotzender, kaum seine Muskeln in seinem Fell haltender, extrem Sport treibender Hund zu ihrer Rückseite bewege.
Wieder dieses Imponiergehabe, würde wohl mein Herrchen sagen, wenn er nicht zu sehr mit dem anderen beschäftigt wäre ...

(Text: © Karl Heinz Baumann)

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