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Inhalt:
Kitt, ein schwarzer
Mischlingshund, erzählt aus seinem Leben: Wie er im Tierheim
landet, ein neues Zuhause findet, was er mit dem neuen Herrchen
und Frauchen (und leider auch Kater Benny) erlebt und wie
er über die Menschen denkt. Ein nicht ganz alltägliches
Hundeleben, das viel über das Leben der Menschen sagt.
Amüsant und unterhaltsam
schildert Karl Heinz Baumann Gedanken und Empfindungen des
aufgeweckten Mischlingshundes, dem die Menschen manchmal wirklich
ein Rätsel sind. Wieso sagen sie oft dasselbe, ob er
sie gegen einen bedrohlichen Hund verteidigen will oder eine
betörende Hundedame erblickt hat? "Bleib lieb, Kitt.
Aus, Kitt!"
Trotzdem sagt Kitt: "Dass
ich mich bei meinen Herrschaften sehr, sogar sehr, sehr wohlfühle,
bedarf aus meiner Sicht keiner besonderen Erwähnung.
Das ist nun einmal so! Punktum!!!"
(©
2003 Karl Heinz Baumann)
Zum
Autor:
Karl Heinz Baumann, 1942 in Weiden (Oberpfalz) geboren, ist
Bühnen- und Buchautor und Vorsitzender einer Amateurbühne.
Der Enkel des Weidener Stadtoriginals Roberl Beck lebt heute
in Hamburg. Bisherige Veröffentlichungen umfassen die
Theaterstücke "Hab ich oder hab ich nicht",
"Kein Gramm zuviel" und "Agentur Schilling".
Textauszug:
Ronia, der unerwartete Vulkan
Als wenn mein kurzes Hundeleben
nicht schon genug gebeutelt wäre, ist die Erfahrung,
über die ich euch jetzt erzählen möchte, ein
für mich sehr einschneidendes Geschehen.
Dass ich mich bei meinen Herrschaften
sehr, sogar sehr, sehr wohlfühle, bedarf aus meiner Sicht
keiner besonderen Erwähnung. Das ist nun einmal so! Punktum!!!
Worte, wie "mit dem haben wir einen guten Griff gemacht"
kommen mit einem in mir aufkommenden Stolz an meine gutfunktionierenden
Schlappohren. Und ich kann auch nur bestätigen, dass
das Gleiche, ob Frauchen oder Herrchen, auch für mich
gilt.
Vergessen ist das Heim, ja,
sogar mein Abgeber. Dieser Zehnkilokater "Benny"
wird zur Gewohnheit mit nur noch leichten üblen Nebenwirkungen.
Die Uhr kenne ich immer noch nicht und das mit dem Sprachfehler
hat sich auch nicht groß geändert.
Also, nichts Neues im Hause von Kitt, das bin natürlich
ich, der, na, ihr wisst schon, wer!
Dieser "gute Griff"
lebt sein jetzt schönes Hundeleben genüsslich so
vor sich hin. Träumt mal im Sessel, mal auf dem Sofa,
mal in Herrchens Bett. Ist mit sich und seiner angenehmen
Lebenslage mehr als zufrieden.
Dass meine Spaziergänge zwar regelmäßig, aber
für mich immer noch zu wenig sind, das verstehe wahrscheinlich
nur ich alleine. Mein Herrchen will schon für mich und
mein liebes Frauchen ein Zelt auf der großen Wiese aufbauen.
Ja, meint der etwa, dass damit mein nicht gestillter Drang
in die freie Natur endlich aufhört? Da kann ich aber
wirklich nur kurz grinsen. Herrchen, da gehören immerhin
noch drei dazu. Mein Frauchen, dein braver Hund, Kitt, und
na, na, was wohl? Na, mein bequemes Sofa - und das auf der
großen Wiese? Hi, hi!!!
"Große Wiese", Kitt, das ist dein Stichwort.
Du verplauderst dich schon wieder. Komm endlich zu diesem
für dich so ungewöhnlichen Geschehen.
Ein Spaziergang mit meinem
Herrchen hatte gerade begonnen. Ihr wisst ja, zweimal “Sitz”
und gelber Briefkasten. Freude auf die große Wiese vor
der Nase und dann, dann ...
“Ups”, was ist das denn? Viel mehr, wer ist das
denn? Dieses Ding, das mit einem eleganten Hüftschwung
auf meinen Weg einbiegt, lässt mich in einer sehr peinlichen
Situation erstarren. Kitt, behalte Haltung, auch wenn es auf
drei Beinen ist.
Dass das schöne Ding ohne Leine die Natur genießt,
macht die Lage schon viel einfacher. Nur ein, “Kitt,
du bleibst lieb” von Herrchen ist mir schon unangenehm.
Ich weiß mich doch einer Lady gegenüber zu benehmen.
Nur, wie bekomme ich meine linke Hinterpfote unbemerkt auf
den Boden? Mann, was mache ich nur, bin doch so unerfahren!
Herrchen, und du mit deinem “Kitt, du bleibst lieb”.
Das Ding bleibt plötzlich
stehen, schaut über ihre Schulter zu mir herüber,
lässt ein buntes Bällchen aus ihrem lieblichen Maul
fallen und bewegt sich mit Grazie auf mich zu. Kitt, so schießt
es mir durch mein in Wallung geratenes Hundegehirn, Kitt,
die meint dich. Dich, den Bastardhund mit einer Vielzahl von
Hunderassen in sich. Was mache ich nur? Wie verhalte ich mich
nur? Kitt, am besten ist, geh auf sie zu und lächle.
Verdammt, auf drei Beinen sieht das wirklich sehr albern aus.
Kitt, nun reiß dich zusammen. Dein Herrchen amüsiert
sich schon über deine Unbeholfenheit. Das habe ich gerne,
keine Aufklärung für seinen “braven Hund”
und dann auch noch über ihn hämisch lachen.
"Ronia", höre ich weit aus der Ferne ein unbekanntes
Wesen rufen. Eine Herrchenstimme? Bitte, nicht jetzt, wo so
ein leichter, betäubender, elektrisierender Duft mit
einem zarten Nebenaroma von Abenteuer durch eine Windbewegung
an meine übersensibilisierte Nase dringt. Bitte, bitte,
bitte, nicht jetzt!!!!
Ronia. Welch ein Name! Ein
Name, den du dir unbedingt merken musst, Kitt. Ein Name zum
Träumen auf deinem Sofa. Oder träume ich dies jetzt
schon? Nein, sie ist noch da. Steht mit ihrem prächtigen
Körper so einfach vor mir und knurrt in den unterschiedlichsten
Tönen. Haucht mir ihren heißen Atem vor die Schnauze
und säuselt: “Was bist du denn für ein Hübscher,
habe dich hier noch nie gesehen?”
Oh, Mann, was für eine Stimme. Kitt, was mache ich denn
nur? Herrchen, Herrchen, du bist doch auch ein Rüde.
Wo ist der denn nun hin? Jetzt, wo ich dich brauche, stehst
du mit einem Fremden herum und bist am Quatschen. Dein “braver,
lieber Hund” braucht dich doch. Dein “guter Griff”
ist, sein Hundeleben betreffend, in Schwierigkeiten und du
bist nicht an seiner Seite.
Das “willst du mich nicht kennen lernen”, von
Ronia lässt meinen aufkommenden Ärger sofort wieder
verfliegen. Herrchen, unterhalte du dich nur weiter mit dem
Fremden. Dadurch haben wir mehr Zeit für uns. Ronia und
ich!!!!
Aber, was mache ich nur mit
dieser Zeit? Also, Kitt, stelle erst mal deine Pfote auf den
Boden und begrüße dieses wunderbare Wesen hundegerecht.
“Darf ich es wagen, dein Hinterteil, na ja, du weißt
schon”, höre ich mich säuseln, während
ich mich wie ein vor Kraft strotzender, kaum seine Muskeln
in seinem Fell haltender, extrem Sport treibender Hund zu
ihrer Rückseite bewege.
Wieder dieses Imponiergehabe, würde wohl mein Herrchen
sagen, wenn er nicht zu sehr mit dem anderen beschäftigt
wäre ...
(Text:
© Karl Heinz Baumann)
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