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Roman/Erzählung

Klaras NEIN

Autorin: Soazig Aaron
Aus dem Französischen von Grete Osterwald

Roman
gebunden mit Schutzumschlag, 188 Seiten
erschienen: Oktober 2003
Friedenauer Presse
ISBN: 3-932109-32-5
Preis: 19,50 Euro

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Klappentext:
Klara hat 29 Monate im Konzentrationslager Auschwitz verbracht, bevor sie im Pariser Hotel Lutetia von ihrer Schwägerin Angelika aufgegriffen wird. In einer Irrfahrt hatte sie halb Europa durchquert, und nach Dresden, Linz, Prag und Krakau schließlich für drei Wochen in ihrer in Trümmern liegenden Geburtsstadt Berlin Station gemacht.
Ende Juli 1945 - Klara ist unter den letzten heimgekehrten Überlebenden, bis zur Unkenntlichkeit abgemagert - beginnt Angelika ein Tagebuch, um festzuhalten, wie sie die Freundin, eine aus Frankreich deportierte Deutsche, nach ihrer Rückkehr erlebt. Sie notiert, was diese sagt, was ihr auffällt, und es ist das Unsagbare, das Unaussprechliche, das sich durch Klaras Stimme, in Bruchstücken und unter größter Anstrengung, nach und nach mitteilt.

(© 2003 Friedenauer Presse)


Fazit:

Blicke in die Seele

"Noch ist nicht genug gesagt, um schweigen zu dürfen." Diesen Satz Robert Pingets stellt die bretonische Autorin Soazig Aaron ihrem Tagebuch-Roman voran. In diesen Worten liegt die Motivation für ihr Schreiben.
Ihr Buch wirft Fragen auf: Warum noch ein Buch über den Holocaust? Darf man ein fiktives Werk aus Opfersicht schreiben, ohne persönlich betroffen zu sein? Kann man überhaupt den richtigen Ton treffen, das Grauen erfassen, sich das Unvorstellbare vorstellen?

Soazig Aaron gibt eine beindruckende Antwort. Sie schlüpft als Angelika, die ihre Schwägerin 1945 zwei Monate lang begleitet, in die Rolle der Zuhörenden, sie wird zu ihrer Chronistin. Klara, Jüdin, war 29 Monate lang in Auschwitz und findet nur mühsam in die Welt der Lebenden zurück. Sie empfindet sich selbst als "innerlich verschwunden" und rechtfertigt damit auch ihr äußeres Verschwinden aus dem Leben ihrer 3-jährigen Tochter, die sie nicht mehr wiedersehen will. Sie will nach Amerika auswandern und dort neu anfangen.
Klara zuzuhören ist schmerzlich und anstrengend, für Angelika sind ihre Worte manchmal zu gewaltig, zu gewalttätig, werden nahezu unerträglich. Aber Zuhören scheint das einzige zu sein, was sie für ihre ehemals beste Freundin noch tun kann.
Auch der Leser empfindet diesen Schmerz; die Frage, ob die Situation tatsächlich so gewesen sein könnte wie beschrieben, tritt dabei in den Hintergrund. Sätze wie "Sie könnte wer weiß was sein, eine Figur, deren Zeitlichkeit man nicht erfasst, so dass man sagen könnte, sie besäße das ganze Spektrum wie auch alle Formen, bis hin zum Neutrum." zeigen eindrucksvoll den völligen Zerfall einer Persönlichkeit, hallen noch lange nach und machen dieses Buch zu einem aufwühlenden Leseerlebnis.

Einzig die Szene, in der sich ein Freund der Familie dazu bekennt, früher Antisemit gewesen zu sein, erscheint wenig überzeugend. Diese wohl als mögliche Antwort auf die Frage: "Was hätten wir getan?" zu lesenden Worte wirken aufgesetzt. Was der Autorin bei der Opfersicht gelingt, misslingt ihr bei der Täterperspektive: der Einblick in ihre Seele.

(© 2004 Ingrid Ickler für all-around-new-books.de)

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