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Roman/Erzählung

Unsummen
Tier und Mensch

Autorin: Isolde Knuff

Taschenbuch, 114 Seiten, mit Zeichnungen
erschienen: Dezember 2003
arte poetica
ISBN: 3-938348-00-3
Preis: 12,00 Euro
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arte poetica Verlag

 

Inhaltsverzeichnis:
1. Imaua-ti, die peruanische Federfrau
2. Weil Heulen so komisch ist...
3. ... und zum Grausen. Aber nicht vor einem Wolf
4. Noch wandern sie
5. Gansstockente
6. Vierfach
7. Waschecht
8. Woyjna und Murch
9. Tatzen, verbrannte Tatzen
10. Neuronen in Angst
11. Weiß man das?
12. Unnatürlich
13. Viel beobachtet - aber nicht beachtet
14. Auf Waranpirsch
15. Touristenattraktion
16. Iiihh - ist der aber hässlich!
17. Vermacht
18. Netter Besuch
19. Nichts Genaues
20. Verschandelung
21. Minotaurus
22. Gefesselter Kopf
23. Schwarzer Vogel
24. Maschinengeräusch
25. Klatsch - ein Fleck!
26. Vererblich verweichlicht
27. Schein
28. Wisserschaft
29. Geschäftsweise
30. Nichts als Geräusche
31. Verwandlung
32. Die feuchten Gefängnisse
33. ? Geschenk ?

(© 2003 arte poetica)


Textauszug mit Illustration:

Schwarzer Vogel

Ganz schwarz und furchtbar heiser, eine Krachsalve von oben aus, herab und über die Landschaft, und – noch schurkisch dazu – lautlos, einfach lautlos vom Himmel im pfeilschnellen jagenden Sturz: Kolkrabe, der große Schwarze über uns, holt sich die Beute zielsicher.

Er kam geräuschlos, er ließ sich wie stets mit Eleganz auf seine Beute fallen, und er entschwand mit ihr sofort. So schnell, noch nicht deutlich gesehen und doch sichtbar: unsichtbarer Geist.

Und solcher Geist holte sich Säugetiere, kleine rasche, die er sich griff, und er tat noch etwas: Er nahm sich auch kleine bis größere eilige Vögel und Eier von einem Nest und sogar Nestlinge, auch außerhalb eines Nestes, und – das war jetzt aber deutlich zu
sehen – auch hinterrücks, gemein hinterrücks, nahe ihrer doch wachsamen Mutter.

Verlassenen Nachwuchs nahm er sich. Abartigen Nachwuchs, unnatürlich verkorksten oder verunfallten und nicht mehr kräftigen. Er war und er ist der Aufräumpolizist; rasch, sofort zur Stelle, wo er in einer Landschaft noch da ist. Kein böser Vogel, kein sichtbar unsichtbarer Geist, kein abgefeimter Leichenfledderer, ein Mörder auch nicht, sondern nur ein ganz natürliches Tier. Mörder ist das natürliche Tier niemals, solange es noch natürliches Tier ist.

 

 

Völkerschaften sahen den schwarzen Vogel. Sie verstanden ihn damals, bis ihn Mörderschaften nicht mehr verstanden.

Viele Menschen sahen ihn dann als einen schwarzen Geist. Und wieder andere mochten ihn zwar nicht, aber sahen ihn als Orakelvogel. Man erschrak, wenn man ihn plötzlich aus einem Baum heraus hörte oder ihn in offener Landschaft auftauchen sah. Er galt als böses Omen, als prophetischer Todes-Ankündiger und auch als besonderer Gast. Als besonderer Gast kam er zunächst nur zum Angstmachen, bis er im Laufe der Zeit zusätzlich, mehr und mehr, den Ruf eines klugen und auch etwas komischen Vogels zwar nicht genoss aber immerhin haben durfte und musste. Er wurde oft gefangengesetzt und sollte entweder krächzen und damit irgend etwas orakeln, oder er sollte vorzeigbar dasitzen und möglichst artig sein. Er verblödete in solcher Gefangenschaft.

Heute ist er für viele ein grausames Tier. Weil er ja Jungvögel und andere Tiere einfach so weggreift und damit verschwindet. Wenn er mal seine Beute verliert, wenn sie ihm aus hohem Geäst doch einmal entfällt, freut man sich. Und manche schreien dann mit
Hinweisen auf diesen schrecklichen Vogel abermals auf, nur weil sie nicht erfassen, was er natürlich und instinktsicher für das natürliche Gleichgewicht als Rasse weltweit erbrachte und als restliche Rassen-Unterart immer noch leistet.

Text und Illustration: © Isolde Knuff/Rainer E. Rühl

Handsignierte Exemplare dieses Buches können über die Redaktion direkt beim arte poetica Verlag bestellt werden ...

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