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Inhaltsverzeichnis:
1. Imaua-ti, die peruanische
Federfrau
2. Weil Heulen so komisch ist...
3. ... und zum Grausen. Aber nicht vor einem Wolf
4. Noch wandern sie
5. Gansstockente
6. Vierfach
7. Waschecht
8. Woyjna und Murch
9. Tatzen, verbrannte Tatzen
10. Neuronen in Angst
11. Weiß man das?
12. Unnatürlich
13. Viel beobachtet - aber nicht beachtet
14. Auf Waranpirsch
15. Touristenattraktion
16. Iiihh - ist der aber hässlich!
17. Vermacht
18. Netter Besuch
19. Nichts Genaues
20. Verschandelung
21. Minotaurus
22. Gefesselter Kopf
23. Schwarzer Vogel
24. Maschinengeräusch
25. Klatsch - ein Fleck!
26. Vererblich verweichlicht
27. Schein
28. Wisserschaft
29. Geschäftsweise
30. Nichts als Geräusche
31. Verwandlung
32. Die feuchten Gefängnisse
33. ? Geschenk ?
(©
2003 arte poetica)
Textauszug mit Illustration:
Schwarzer
Vogel
Ganz schwarz und furchtbar
heiser, eine Krachsalve von oben aus, herab und über
die Landschaft, und – noch schurkisch dazu – lautlos,
einfach lautlos vom Himmel im pfeilschnellen jagenden Sturz:
Kolkrabe, der große Schwarze über uns, holt sich
die Beute zielsicher.
Er kam geräuschlos, er
ließ sich wie stets mit Eleganz auf seine Beute fallen,
und er entschwand mit ihr sofort. So schnell, noch nicht deutlich
gesehen und doch sichtbar: unsichtbarer Geist.
Und solcher Geist holte sich
Säugetiere, kleine rasche, die er sich griff, und er
tat noch etwas: Er nahm sich auch kleine bis größere
eilige Vögel und Eier von einem Nest und sogar Nestlinge,
auch außerhalb eines Nestes, und – das war jetzt
aber deutlich zu
sehen – auch hinterrücks, gemein hinterrücks,
nahe ihrer doch wachsamen Mutter.
Verlassenen Nachwuchs nahm
er sich. Abartigen Nachwuchs, unnatürlich verkorksten
oder verunfallten und nicht mehr kräftigen. Er war und
er ist der Aufräumpolizist; rasch, sofort zur Stelle,
wo er in einer Landschaft noch da ist. Kein böser Vogel,
kein sichtbar unsichtbarer Geist, kein abgefeimter Leichenfledderer,
ein Mörder auch nicht, sondern nur ein ganz natürliches
Tier. Mörder ist das natürliche Tier niemals, solange
es noch natürliches Tier ist.
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Völkerschaften sahen
den schwarzen Vogel. Sie verstanden ihn damals, bis ihn Mörderschaften
nicht mehr verstanden.
Viele Menschen sahen ihn dann
als einen schwarzen Geist. Und wieder andere mochten ihn zwar
nicht, aber sahen ihn als Orakelvogel. Man erschrak, wenn
man ihn plötzlich aus einem Baum heraus hörte oder
ihn in offener Landschaft auftauchen sah. Er galt als böses
Omen, als prophetischer Todes-Ankündiger und auch als
besonderer Gast. Als besonderer Gast kam er zunächst
nur zum Angstmachen, bis er im Laufe der Zeit zusätzlich,
mehr und mehr, den Ruf eines klugen und auch etwas komischen
Vogels zwar nicht genoss aber immerhin haben durfte und musste.
Er wurde oft gefangengesetzt und sollte entweder krächzen
und damit irgend etwas orakeln, oder er sollte vorzeigbar
dasitzen und möglichst artig sein. Er verblödete
in solcher Gefangenschaft.
Heute ist er für viele
ein grausames Tier. Weil er ja Jungvögel und andere Tiere
einfach so weggreift und damit verschwindet. Wenn er mal seine
Beute verliert, wenn sie ihm aus hohem Geäst doch einmal
entfällt, freut man sich. Und manche schreien dann mit
Hinweisen auf diesen schrecklichen Vogel abermals auf, nur
weil sie nicht erfassen, was er natürlich und instinktsicher
für das natürliche Gleichgewicht als Rasse weltweit
erbrachte und als restliche Rassen-Unterart immer noch leistet.
Text
und Illustration: © Isolde Knuff/Rainer E. Rühl
Handsignierte
Exemplare dieses Buches können über die Redaktion
direkt beim arte poetica Verlag bestellt werden
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