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Roman/Erzählung

Wa(h)re Mitarbeiter
Szenen aus der IT-Branche

Autorinnen: Heike Lenk/Gudrun Negele

gebunden mit Schutzumschlag, 134 Seiten
erschienen: November 2002
Books on Demand
ISBN: 3-8311-4527-X
Preis: 16,90 Euro
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Inhalt:
Was?
Episoden und Szenen, die offen und schonungslos den ganz normalen Wahnsinn in der IT-Branche nach wahren Begebenheiten schildern
Wer?
Mitarbeiter, Manager, Kunden und eine fiktive Firma erzählen jeweils aus ihrer Perspektive ihre Erlebnisse und Eindrücke
Wie?
Eine Realsatire von nachdenklich bis lustig, voller Emotionen.
Kurz, ein Buch wie das Leben!


(© 2002 Heike Lenk/Gudrun Negele)


Das Autorenteam:
Heike Lenk, Diplom-Informatikerin, geboren 1968 in Augsburg, ist seit 1987 mit der IT-Branche verbunden.
Ein über die Jahre breitgefächertes Tätigkeitsfeld in den unterschiedlichsten Geschäftsbereichen mehrerer IT-Unternehmen, ermöglicht ihr einen tiefen Einblick in diese Branche. Die Palette der von ihr bereits ausgeübten Funktionen reicht dabei von der rein technischen Systemspezialistin bis hin zur vermarktungsorientierten Vertriebsleiterin.
Gudrun Negele, Jahrgang 1953, ist seit 1972 in der IT-Branche unterwegs. Als Systementwicklerin, Dozentin, Systemberaterin, Vertriebsrepräsentantin, Partner- und Marketing-Managerin in verschiedensten Firmen hat sie diese Branche als Insider über einen langen Zeitraum verfolgt und von allen Seiten kennen, lieben und manchmal auch fürchten gelernt.
Gudrun Negele lebt heute mit ihrem Mann im Süden von München und ist der Branche noch eng verbunden.


Textauszug:


Personalkarussell

IT-Branche steht für schnell, dynamisch und flexibel und so sollten auch die Mitarbeiter sein. Ansonsten sind sie völlig ungeeignet für den Alltag im High-Tech-Unternehmen.
Die IT-Eignung des Individuums wird im Personalkarussell festgestellt. Wer hier nicht auf Hochtouren läuft, sozusagen performt, fliegt raus. Jeder Mitarbeiter versucht sich auf diesem Karussell festzuhalten, und wenn Mann/Frau die Regeln kennt, kann dies auch gelingen.
Als Erstes wird vom Management Verwirrung durch Umstrukturierung gestiftet. Es ist dabei wichtig, die neue Struktur so lange wie möglich geheim zu halten und durch unterschiedlichste Gerüchte falsche Fährten zu legen. Sobald die Struktur dann öffentlich gemacht wird, kommt es zur ungeplanten Jobrotation. Das heißt, Müller tauscht mit Huber, Huber mit Meier und dabei stellt sich heraus, dass der Job von Meier abgebaut wird, was allerdings Huber zu spät erfährt und damit durch den Rost fällt. Nun wäre Huber nicht IT-Profi, wenn er sich von dieser kleinen Unwegsamkeit irritieren lassen würde. Ein neuer Job muss definiert werden. Jetzt heißt es cool bleiben, Fantasie zeigen und alle Register ziehen.

Das Spiel erinnert an die Reise nach Jerusalem , was meine Generation gern am Kindergeburtstag spielte. Ein Stuhl ist immer zu wenig da! Je fortgeschrittener das Spiel, desto größer das Chaos und Gerangel, genau wie in der Firma. Damit ist bewiesen, dass realitätsnahe Spiele Kinder optimal aufs wahre Leben vorbereiten. Ist es gelungen, durch beherzten Kampf, einen Stuhl zu besetzen, stellt sich sofort die Kompetenzfrage: Ko i des ieberhaupts? Was auf Deutsch so viel heißt wie: Entsprechen meine Fähigkeiten und fachlichen Erfahrungen dem Anforderungsprofil der zu besetzenden Position?
Keine Panik, Hilfe naht durchs "iManagement"! Das kleine "i" steht dabei für die Fähigkeit des Managements, im Internet-Zeitalter auch die virtuelle Realität zu bedienen. Die moderne Sprachforschung geht heute davon aus, dass das Wort "iManagement" von "Manege" abgeleitet wird. Also diese runde Fläche in der Mitte eines Zirkuszelts, wo Clowns ihre Späße machen und Dompteure ihre Raubkatzen gezähmt vorführen. Der Zirkusdirektor hat bei der Show die gleiche Aufgabe wie der Manager in der Firma. Er sorgt dafür, dass jeder seinen Platz einnimmt und die Vorführung rund läuft.

Auch im Zirkus gibt es Jobrotation. So kann zum Beispiel der Dompteur als Clown eingesetzt werden, der Clown als Platzanweiser arbeiten, der Platzanweiser Würstchen verkaufen und der Würstchenverkäufer Hochseilakrobatik vorführen.
Hoppla, da ist dem Direktor jetzt ja wohl ein kleiner Fehler unterlaufen, oder? Einen Wüstchenverkäufer als Hochseilakrobaten einzusetzen, klingt abenteuerlich. Warum eigentlich nicht? Näher betrachtet sind die Jobs sehr ähnlich, da Würstchen verkaufen unter BSE-Aspekten auch ein Hochseilakt sein kann. Nur, dass es im Zirkus ein Netz für alle Fälle gibt und genau das ist der Unterschied zur IT-Branche.
Was passiert nun aber, wenn der Hochseilakrobat gern Würstchen verkaufen möchte, sein Vorgesetzter ihm diesen Wunsch aber nicht genehmigt? Nun ja, dann bleibt der Mitarbeiter für diese Runde eben frustrierter Hochseilakrobat. Dabei motiviert ihn bei seinen Drahtseilakten die Hoffnung auf einen baldigen Wechsel im Management.
Zurück zum Mitarbeiter Huber, der durch zahlreiche Mitarbeitergespräche mit seinem Vorgesetzten nun doch noch einen Job gefunden hat und vom Würstchenverkäufer zum Hochseilakrobaten avanciert. Das nennt man eine steile Karriere. Huber, als alter Hase in der Branche, beginnt just in diesem Moment mit einer weiteren Spielart, um seine Position zu festigen: IT-Poker. Die Kunst dabei besteht darin, aus drei Achten einen Royal Flash vorzugaukeln, ohne dass es auffliegt. Huber pokert also auf die lang ersehnte Gehaltserhöhung, eine persönliche Assistentin und einen größeren Firmenwagen.
Meier ist da viel bescheidener. Der will nur mit Freude und Engagement seine Arbeit machen und respektvoll als erwachsener Mensch behandelt werden. Passt dieser Typ mit seiner Einstellung überhaupt in die IT-Branche?

(Text: © Heike Lenk/Gudrun Negele)

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