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Religion, Esoterik & Lebenshilfe

Was ist koscher?
Jüdischer Glaube - jüdisches Leben

Autor: Paul Spiegel

Taschenbuch, 303 Seiten
erschienen: 2003
Ullstein
ISBN: 3-550-07575-8
Preis: 14,95 Euro

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Inhalt:
Paul Spiegel, den Johannes Rau als "Glücksfall für unser Land" würdigte, ist in der jüdischen Tradition verwurzelt. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Öffentlichkeit die Grundzüge des Lebens und des Glaubens der Juden verständlich zu machen, weil er überzeugt ist, dass Toleranz und friedliches Zusammenleben nur möglich ist, wenn jeder weiß, was der andere denkt und fühlt.

Er gibt hier Antworten auf Fragen, die ihm immer wieder gestellt werden.
Er erzählt von jüdischer Religion und Geschichte, erklärt Riten und Festtage, die Rolle der Familie und des jüdischen Humors, und natürlich behandelt er auch aktuelle Fragen, die wie nach der Bedeutung des Staates Israel für die Juden in aller Welt und die nach der Möglichkeit, als Jude in Deutschland zu leben.

Mit diesem umfassenden, auf eigener Erfahrung beruhenden Buch leistet Paul Spiegel einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung einer Gesellschaft, in der Vorurteile durch Kenntnis voneinander überwunden werden.

(© 2003 Ullstein Verlag)


Buchbesprechung - Rezension:
Mit diesem Buch widmet sich Spiegel einem in seiner Komplexität schwierigen Thema, das zudem durch die historischen Gegebenheiten stark belastet ist. Aus seiner kompetenten Perspektive möchte er über Glaubens- und Lebensvorstellungen seiner Religionsgemeinschaft aufklären. Wie er selber in der Einleitung betont, muss das vorliegende Buch im Sinne der Übersichtlichkeit zwangsläufig fragmentarisch bleiben. Gleichwohl spricht er im Verlaufe seines Buchs für das spezielle Anliegen wichtige Punkte an.

Systematisch beschreibt Spiegel dabei Aspekte seiner Weltsicht. Er bezieht dabei eindeutig Stellung auch zu "innerjüdischen" Positionen, die von seiner eigenen abweichen. Die hauptsächlichen Unterschiede zwischen diesen unterschiedlichen Ansichten - etwa zwischen Orthodoxie und liberalem Judentum - arbeitet er heraus, ohne aber eine Bewertung im Sinne von "richtig" oder "falsch" vorzunehmen. Durch seine eigene Positionsbestimmung kann der Leser jedoch seine Einschätzungen erahnen. Zwar unterlaufen ihm dabei in der Abgrenzung von anderen Glaubensgemeinschaften vereinzelt Fehleinschätzungen bzw. Ungenauigkeiten - als Beispiele seien hier nur seine Aussagen zum Bilderverbot im Christentum genannt, das er fälschlicherweise generell als nicht existierend bezeichnet (S. 112, erinnert sei nur an die Bilderstürmer der Reformationszeit und die "Kargheit" reformierter Gotteshäuser) und zur Einschätzung jüdischen Glaubens aus "christlicher Sicht" (S. 225) - doch bleiben derartige "Unsauberkeiten" eher geringfügig. Viel wichtiger ist das im Großen und Ganzen um deutlich Gerechtigkeit und Aufklärung bemühte Aufzeigen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den Glaubensrichtungen.

Spiegel stellt in den Kapiteln sowohl die historischen als auch die religiösen Erfahrungen und Überzeugungen der Juden in zwar deutlich verkürzter, aber allgemein verständlicher Form vor, was exakt seinem Anliegen entspricht. Das betrifft sowohl die Stationen individuellen als auch kollektiven Lebens. Er bemüht sich dabei, Klarheit zu schaffen, über Hintergründe zu informieren und seine Denkweise vorzustellen. Sein offenkundiges Anliegen, zu informieren und Wissbegier zu erzeugen, prägt dabei das gesamte Buch. Der Leser bekommt zwar nicht "auf alle seine Fragen" Antworten, was indes auch kaum möglich sein dürfte, wird aber zu einer weitergehenden Auseinandersetzung mit dem Judentum angeregt. Entsprechend seinem Anliegen erfüllt somit das Buch seinen Zweck.

Seine Differenzierung zwischen Staat und den Menschen, die beispielsweise im Kapitel "Muss man die Juden mögen? - Antizionismus" deutlich wird, zeigt, wie sehr er sich darum bemüht, zwischen Rassismus/Antisemitismus einerseits und individueller Kritik andererseits zu unterscheiden (S. 284-285). Es gelingt dem Verfasser dabei, den Unterschied zwischen verallgemeinerndem Rassismus und - mehr oder weniger – gerechtfertigter Kritik deutlich zu machen. Dass er individuelle Kritik nicht ablehnt, sondern zu einer gedanklichen Auseinandersetzung mit dem kritisierten Gegenstand, aber auch mit der Kritik selbst auffordert, ist dabei für sein Hauptanliegen förderlich.

Sehr hervorzuheben ist die differenzierte Haltung gegenüber "den Deutschen", zumal er derartige Generalisierungen ausdrücklich ablehnt (S. 274). Dabei ist er sichtlich um Gerechtigkeit und eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus bemüht. Auch seine Haltung gegenüber Deutschland im Kapitel "Wie kann man als Jude in Deutschland leben?" unterstreicht seine eben nicht generalisierende Haltung zu diesem Thema. Dabei setzt er sich auch mit den Positionen von Juden im europäischen und außereuropäischen Ausland auseinander. Er verschweigt aber auch heutige Probleme bzw. latente Befürchtungen nicht (S. 301-303). Auch wenn er hin und wieder eigenen Voreingenommenheiten - was für jedes Individuum natürlich legitim ist - aufsitzt, gelingt es ihm, in den wichtigen Passagen recht objektiv zu sein. Hilfreich war dabei sicherlich auch seine herausragende gesellschaftliche Stellung. Durch die Betrachtungen in diesem abschließenden Kapitel erhält das vorliegende Buch einen versöhnlichen Akzent.

Insgesamt verständlich geschrieben vermittelt Spiegel kompetent die Grundvorstellungen und Traditionen seiner Religionsgemeinschaft. Dabei vermeidet er die Reduzierung seiner Darstellung auf eine rein sachliche Abhandlung; es gelingt ihm vielmehr, sein Anliegen bzw. die entsprechenden Inhalte interessant aufzuarbeiten und geistreich zu präsentieren. Das vorliegende Buch ist dabei ein auch für Laien interessanter Einstieg mit einem gut verständlichen Überblick über eine komplexe Gedankenwelt.

(© 2004 Hans-Ludwig Leers für all-around-new-books.de)

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