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Gesundheit & Naturmedizin

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Der veräppelte Patient?
Alternativmedizin zwischen (Aber-)Glauben und Wissenschaft

Autor: Dr. med. Theodor Much

gebunden mit Schutzumschlag, 192 Seiten
erschienen: 2003
Edition Va Bene
ISBN: 3-85167-143-0
Preis: 23,90 €

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Klappentext:
Alternativmedizin ist "in" wie nie zuvor und gleichzeitig ein äußerst lukratives Geschäft. Unzählige alternativmedizinische („sanfte“) Therapieverfahren – viele von ihnen entstammen dem Esoterikmilieu - werden von diversen Privatpersonen, Heilern, aber auch ausgebil-deten Ärzten angeboten.
Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß: Manche schwören auf diese – wie sie meinen - „wunderbaren sanften“ Therapie-methoden, andere hingegen sind von den Behandlungsergebnissen maßlos enttäuscht und bald um viele Euro ärmer.

Zum Thema „Alternativmedizin – kritisch gesehen“ existieren nur sehr wenige Bücher, wohl auch deswegen, weil Autoren, die es wagen, die Wirksamkeit der diversen alternativmedizinischen Angebote zu hinterfragen, nicht selten von diversen Anhängern und Interessenvertretungen derartiger Therapien massiv angegriffen oder angefeindet werden.
Sind alternativmedizinische Verfahren eine echte therapeutische Alternative oder eine willkommene Ergänzung zur (oftmals gescholtenen) Schulmedizin oder vielleicht nur eine Veräppelung von gutgläubigen Menschen? Können Bioresonanz, Homöopathie, Bachblüten, Heilkräuter, Magnetfeldanwendungen, Akupunktur und vieles mehr besser oder zumindest gleich gut wie die Schulmedizin wirken oder wird hier lediglich der berühmte Placeboeffekt geschickt ausgenützt? Was ist von den Empfehlungen der Impfgegner zu halten? Können Edelsteine, „universelle Energien“, „energetisches Wasser“ und die Beachtung der Mondphasen etwas zur Genesung beitragen?
Auf all diese Fragen geht der Autor kritisch und – soweit wie möglich – unvoreingenommen, doch aus der Sicht der wissen-schaftlich ausgerichteten Medizin, ein
.

(© 2003 Edition Va Bene)

Zum Autor:
Primar Dr. Theodor Much, 1942 in Tel Aviv geboren, ist Facharzt für Hauterkrankungen und seit 1977 Leiter (Primarius) der Hautambu-lanz im Hanusch-Krankenhaus in Wien und einer Facharzt-Praxis in Baden bei Wien.
Zahlreiche kritische Publikationen und Bücher zu medizinischen, theologischen (interkonfessioneller Dialog, Fundamentalismus) und gesellschaftlichen Fragen.

Pressestimmen:

Alternativmedizin zwischen (Aber-) Glauben und Wissenschaft

Alternativmedizin ist "in" wie nie zuvor und gleichzeitig ein äußerst lukratives Geschäft. Unzählige alternativmedizinische („sanfte“) Therapieverfahren – viele von ihnen entstammen dem Esoterikmilleu - werden von diversen Privatpersonen, Heilern, aber auch von ausgebildeten Ärztinnen und Ärzten angeboten.
Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß: Manche schwören auf diese – wie sie meinen - „wunderbaren sanften“ Therapie-methoden, andere hingegen sind von den Behandlungsergebnissen maßlos enttäuscht und bald um viele Euro ärmer.
Zum Thema „Alternativmedizin – kritisch gesehen“ existieren nur wenige Bücher, wohl auch deswegen, weil Autoren, die es wagen, die Wirksamkeit der diversen alternativmedizinischen Angebote zu hinterfragen, nicht selten von diversen Anhängern und Interessenvertretungen derartiger Therapien massiv angegriffen oder angefeindet werden.
Sind alternativmedizinische Verfahren eine echte therapeutische Alternative oder eine willkommene Ergänzung zur (oftmals gescholtenen) Schulmedizin oder vielleicht nur eine Veräppelung von gutgläubigen Menschen? Können Bioresonanz, Homöopathie, Bachblüten, Heilkräuter, Magnetfeldanwendungen, Akupunktur und vieles mehr besser oder zumindest gleich gut wie die Schulmedizin wirken? Oder wird hier lediglich der berühmte Placeboeffekt geschickt ausgenützt?
Auf all diese Fragen geht der Autor kritisch und – soweit wie möglich unvoreingenommen, doch aus der Sicht der wissen-schaftlich ausgerichteten Medizin, ein
.

(Erschienen in: "doktorinwien", Monatsmagazin der Wiener Ärztekammer, Ausgabe 12/2003 - Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung)

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Much: Der veräppelte Patient? - Alternativmedizin

Einmal wöchentlich gönnte sich die Pensionistin Fini K. den Luxus, Lotto zu spielen. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung tat sie dabei stets mit dem Argument ab: "Aber einer gewinnt ja doch immer." - Ein Beispiel, das durchaus auf so gut wie alles anwendbar ist, was "sanfte" bzw. "natürliche Heilverfahren" zu bieten haben. Denn auch hier werden Menschen (bisweilen trotzdem) wieder gesund. Allerdings kosten solche Verfahren in der Regel mehr als ein Lottoschein - und mitunter ein Vermögen, wenn auf ihre offizielle Aufnahme ins Gesundheitssystem gedrängt wird und wenn die Krankenkassen für etwaige Folgen dubioser Behandlungen aufkommen müssen.

Doch so negativ muss man das gar nicht sehen: Ob Bach-Blüten, Bioresonanz, Kinesiologie, Reiki, Edelsteine, lebendiges Wasser, Aromen, Ayurveda, Anthroposophie, Akupunktur, Softlaser, Magnetfeldgeräte oder Sauerstoff-Ozon und vieles andere mehr - wenigstens richten sie im Allgemeinen infolge Nutzlosigkeit wenigstens keine gröberen Schäden an. Und weil auch Ärzte und Pharmazeuten wissen, dass die Wirksamkeit jeder Therapie auch vom Vertrauen in den Behandelnden und dem Glauben an die Richtigkeit der therapeutischen Maßnahmen mitbestimmt wird, lassen es die meisten damit gut sein.
Ein falscher Standpunkt, wie Primarius Dr. Theodor Much findet. Der Leiter der Hautambulanz im Wiener Hanusch-Krankenhaus und einer Facharztpraxis für Hauterkrankungen in Baden, der bereits zahlreiche Publikationen und Bücher zu medizinischen, theologischen und gesellschaftlichen Fragen verfasst hat, setzt sich in seinem jüngsten Buch nicht nur mit den diversen "Alternativ-Therapien" kritisch auseinander, sondern auch mit seinen Kollegen, die er - aus guten Gründen - auffordert, "rasch und geschlossen auf die bisher weitgehend unterschätzte Herausforderung der Pseudomedizin und Scharlatanerie energisch zu reagieren".
Much: "Ich meine, dass die Hauptgründe für unsere bisherige Vogelstraußpolitik in Überheblichkeit, Trägheit, falsch verstandener Liberalität, Desinteresse, Nichtbeschäftigung mit den geistigen Wurzeln alternativmedizinischer Verfahren (manche von ihnen wurden im ,dritten Reich' besonders gefördert), oder aber einfach auch in finanziellen Erwägungen (Wer möchte nicht gerne vom großen Kuchen der so populären Heilverfahren mitnaschen?) zu sehen sind."

Schierer Obskurantismus

Der Facharzt weiter: "Statt sich mit den (teilweise mittelalterlichen und esoterischen) Grundlagen diverser ,Heilverfahren' bewusst und intensiv auseinander zu setzen, auf breiter Basis Aufklärung zu betreiben . . . überlassen wir das Feld fast kampflos (und oft ahnungslos) einem heute sehr mächtigen Block von Befürwortern und (teilweise fanatischen) Anhängern einer angeblichen ,Ganzheitsmedizin'."
Much schreibt dies am Ende eines wahren Kompendiums des Obskurantismus, dessen diverse Strömungen - wider alle Vernunft und Aufklärung - weite Teile unserer Gesellschaft erfasst haben. Mit dem Ergebnis, "dass nicht wenige Menschen heute ernsthaft meinen, dass die ,Schulmedizin' mit ,gefährlicher, schädlicher Chemie' gleichzusetzen ist, während alles, was von der Natur kommt, ,sanft, unschädlich und gesund' sein muss".
Viele glaubten daher an die "Gleichwertigkeit" von zwei völlig unterschiedlichen, miteinander großteils unvereinbaren Diagnose- und Therapiesystemen und meinten, mit der Forderung vom gleichberechtigten Nebeneinander von "Schul- und Alternativmedizin" dem "Fortschritt" zu dienen. "Doch die moderne Medizin verlangt bestimmte harte Nachweiskriterien . . . und ist stets und allerorts reproduzierbar, während die reine ,Erfahrungsmedizin' genau diese Forderungen . . . ablehnt, ja lächerlich macht."

Der Placebo-Effekt

Aber einer gewinnt ja doch immer: Und genau auf diese Einzelfälle stützt sich die ganze Branche, ohne sich je durch umfassende Studien in die Karten schauen zu lassen. Wo sie solche - von unabhängiger Wissenschaftsseite durchgeführt - doch nicht verhindern kann, zeigt sich ein überaus ernüchterndes Bild: Placebos (Scheinmedikamente) haben durchgängig den gleichen Effekt, aber wenigstens keine Nebenwirkungen (wie sie etwa bei kontaminierten Pflanzenmischungen auftreten). So genannte Spontanheilungen finden immer wieder statt und sind logisch zu erklären (bisweilen durch Entdecken einer falschen Ausgangsdiagnose).

Selbstlimitierende Leiden

Und schließlich sollte nicht übersehen werden, dass es sich bei den zahlreichen Leiden, die nach dem Willen der Betroffenen alternativ kuriert werden sollen, um (oft psychosomatische) Befindlichkeitsstörungen handelt, von denen die weitaus meisten auch unbehandelt wieder vorüber gehen oder sich allein dadurch "bessern", dass die Betroffenen - wie etwa bei der Fußreflexzonenmassage - Zuwendung erfahren bzw. generell glauben, "etwas Gutes" für ihren Körper zu tun. Dafür werden insgesamt Unsummen, mitunter bis zur persönlichen Verschuldung, ausgegeben.
Nicht wenige Ärzte, so Much, reagieren auf solche Entwicklungen mit einem Schulterzucken und meinen, dass - Placebo hin oder her - "wer heilt, recht hat, und ein wenig Hokuspokus, besonders bei selbstlimitierenden Erkrankungen, nicht schaden kann". Dabei übersehen sie indessen, dass der Glaube auch ganz entschieden negative Auswirkungen haben kann und hat.
Denn beim harmlosen Hokuspokus ist spätestens dann Schluss mit lustig, wenn verunsicherte Patienten aus Angst vor der "Schulmedizin" zu spät zum Arzt kommen, notwendige Medikamente nicht einnehmen, Operationen hinausgezögert oder überhaupt abgelehnt werden - und wenn, dies vor allem, Kindern wichtige und wirksame Therapien und Impfungen vorenthalten werden.

Kriminelle Tendenz

Hier sei nur in Kürze darauf verwiesen, dass wir unsere beträchtliche "westliche" Lebenserwartung heute in erster Linie den Schutzimpfungen verdanken - und dass es der neuerdings so geschmähten klassischen Medizin zuzuschreiben ist, dass u. a. viele Krebserkrankungen mittlerweile bei rechtzeitiger Erkennung gut behandel- und sogar heilbar sind. Betroffene durch falsche Versprechungen davon abzuhalten, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist hier mehr als Scharlatanerie, nämlich kriminell. Was natürlich ebenso im Fall von psychischen Erkrankungen wie etwa Depressionen und Schizophrenie gilt.
Much ist deshalb beizupflichten, wenn er schreibt, dass diese Art des Laissez-faire "Aberglauben und Pseudomedizin" sowie eine von Unwissenheit und Halbwissen lebende Riesenindustrie fördert, die es Richtern und Staatsanwälten immer schwerer mache, gegen schwarze Schafe vorzugehen. Und dass damit "Versicherungen und Krankenkassen unter (ebenfalls politischen) Druck" gesetzt werden, die "letztlich astronomischen Kosten (und Spätfolgen) vieler solcher Pseudotherapien zu tragen".

(Erschienen in: Wiener Zeitung (Christa Karas) vom 27.10.2003 - Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung)

Leserstimmen:

Wir leben im 21. Jahrhundert, aber nicht wirklich. Aberglaube, Vorurteile, unkritische Leichtgläubigkeit und mittelalterliche Vorstellungen (besonders in bezug auf Gesundheitsfragen) sind immer noch weit verbreitet und viel häufiger als vermutet anzutreffen. Warum das so ist, vermögen Psychologen oder Psychiater wahrscheinlich am besten zu erklären, doch dass es sich so verhält, kann tagtäglich - besonders in der medizinischen Praxis - festgestellt werden. Diesen Umstand machen sich unterschiedlichste Gegener der modernen Wissenschaft zu Nutzen, indem sie - mit tatkräftiger Unterstützung diverser Medien - Menschen in Gesundheitsfragen einfach veräppeln, ihnen unbewiesene medizinische Diagnose- und Therapieverfahren, für oft teures Geld, verkaufen und - was nicht selten vorkommt - dadurch die Einleitung von rechtzeitigen Behandlungen bei gefährlichen Krankheiten hinauszögern oder verhindern.
Dieses Buch ist nicht gegen die sogenannte Alternativmedizin geschrieben. Der Autor beabsichtigt nicht, sämtliche Anbieter von komplementärmedizinischen Verfahren zu diffamieren und der Komplementärmedizin ihre Existenzberechtigung abzusprechen, sondern vielmehr den Weizen vom Spreu zu trennen und Gutgläubige vor sinnlosen, manchmal gefährlichen und oftmals teuren pseudomedizinischen Therapien und vorprogrammierten Enttäuschungen zu warnen. Viele heute in Mode gekommenen alternative Heilverfahren basieren (vom Konsumenten unbemerkt) auf Ideen und Vorstellungen, die in der Antike und Mittelalter wurzeln. Eine esoterische Glaubensmedizin aus (angeblich) längst vergangenen Zeiten, als selbst Ärzte so gut wie nichts von der menschlichen Anatomie, Biologie und Biochemie wußten und ihre Medizin mit Glaubensbekenntnissen und Astrologie vermengten. Der Autor ist Dermatologe; viele seiner Beispiele sind deshalb aus der Dermatologie und aus der Allergologie. Das Buch liefert zahlreiche Informationen, die einem beim Umgang mit Alternativmedizin-begeisterten Patienten genauso wie mit Alternativtherapie-betreibenden Kollegen sehr hilfreich sind.

Prof. Dr. Werner Aberer (Universität Graz, Haut-Abteilung), 04.11.2003

 

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