Textauszug:
BLÜTENSCHWINGUNGEN
FÜRS GEMÜT:
BACH-BLÜTENTHERAPIE
»Unsere
Erfahrung setzt sich mehr aus verlorenen
Illusionen zusammen, als aus gewonnenen Einsichten.«
(Joseph Roux)
Dieses
Heilverfahren ist nach seinem Begründer Dr. Edward Bach
(1880–1936) benannt.
Er war der Überzeugung, »daß Krankheiten
letztlich durch einen Konflikt zwischen Seele und Geist entstehen«.
Dieser Konflikt liegt nach Dr. Bach darin begründet,
»daß man durch eigene weltliche Bedürfnisse
oder fremde Einflüsse von dem Pfad abweicht, den die
Seele weist«.
»Göttlich inspiriert« – wie er glaubte
– ermittelte Dr. Bach 38 nahe seinem Haus wild wachsende
Blüten, die »jeweils einen bestimmten negativen
Gemütszustand positiv beeinflussen« (auch Mischungen
von bis zu sechs Essenzen sind möglich).
Die Einnahme von Blütenauszügen soll »negative
Gedanken und Gefühle in Harmonie bringen«. Die
Stechpalme etwa »wirkt gegen Eifersucht, die Rotbuche
gegen Arroganz und Intoleranz.«
Nach Überzeugung seiner Anhänger, »kann solcherweise
die organische Krankheit durch Beseitigung von Blockaden im
bioenergetischen Feld und Ausgleich der negativen Grundverstimmung
heilen, und selbst Charakterschwächen werden durch Bachblüten
beseitigt.«
Bekanntlich verwendet auch die heutige Medizin (und nicht
nur die »Alternativmedizin«) Medikamente, in denen
pflanzliche Stoffe enthalten sind (Phytotherapie), doch in
dem von Dr. Bach entwickelten Heilverfahren spielen die Pflanzeninhaltsstoffe
anscheinend keine Rolle. Es sollen »feinste Schwingungen
der Blüten (keine akustischen Schwingungen) sein, wobei
jeder Blüte ein eigenes Schwingungsmuster zukommt, die
heilsam auf die Seele wirken.«
Bach war davon überzeugt, daß er – nach langjähriger
Meditation und Studium der Natur – »eine besondere
Sensibilität entwickelt hatte, die es ihm ermöglichte,
die Blütenschwingungen zu spüren und intuitiv richtig
einzusetzen«. Mit Hilfe von Sonnenlicht glaubte er,
»ihre positive Schwingungsenergie in Quellwasser übertragen
zu können«, wobei zur Konservierung des Flascheninhaltes
Alkohol (Cognac oder Brandy) zugesetzt wurde.
Als Hilfen zum Finden der richtigen Blütenessenz dienen
heute zum Teil unwissenschaftliche Diagnose-Methoden wie Pendel,
Elektroakupunktur nach Voll oder kinesiologische Tests (siehe:
»Ping-Pong der Schwingungen: Bioresonanz und Kinesiologie«).
PERSÖNLICHE
BEWERTUNG
Bachs Blütenauswahl und Herstellung seiner Essenzen waren
lediglich ein Ergebnis seiner Intuition. Über die angeblichen
positiven Wirkungen von Bachblüten gibt es keine seriösen
wissenschaftlichen Arbeiten, lediglich subjektiv gefärbte
Einzelberichte.
In der Duisburger Frauenklinik hingegen wurden 205 Gebärende
in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhielt eine spezielle
Blütenmischung (»Rescue-Tropfen«) gegen Angst,
Schmerzen und Krämpfe, die Kontrollgruppe bekam ein Placebo.
Das Ergebnis: In den Kriterien Schmerzmittelverbrauch, Geschwindigkeit
der Muttermundöffnung und subjektives Erleben ergaben
sich keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen.
Selbst wenn Bachblüten kaum Nebenwirkungen verursachen,
besteht immer wieder die Gefahr, daß Erstsymptome von
gefährlichen Krankheiten (wie Krebs) infolge von Fehldeutungen
und Zeitverlust nicht rechtzeitig erkannt werden und dadurch
lebensrettende Gegenmaßnahmen unterlassen werden.
Die Grundidee »von den heilenden, feinen Blütenschwingungen«
ist hübsch, aber leider nur ein schönes Märchen.
Unser (leider sehr aggressiver und wenig esoterisch veranlagter)
Cairn-Terrier ließ sich jedenfalls durch teure »Rescue-Tropfen«
nicht beeindrucken.
LITERATUR
Alternative Medizin im Test: Bachblütentherapie,
F. Wittig (Sonde) • Bachblüten (Stiftung Warentest,
Berlin, 1992) • Die übersinnlichen Phänomene
im Test, B. Harder (Pattloch, 1996)
FOR YOUR EYES ONLY: IRISDIAGNOSTIK
»Auf
einen Irrtum aufmerksam gemacht
geht der Weise schweigend in sich,
der Schlaue sucht eine Ausrede,
und der Narr beschönigt ihn.«
(unbekannter Autor)
Die
Irisdiagnostik geht auf die Thesen von Philippus Meynes (1670)
zurück. Entwickelt wurde die Methode vom ungarischen
Arzt Ignaz van Peczely im Jahre 1881, der angeblich in den
Augen einer Eule, die sich ein Bein gebrochen hatte, besondere
Veränderungen der Iris (Regenbogenhaut) bemerkte.
Irisdiagnostiker (Iridologen) teilen die von ihnen mit einer
Lupe betrachtete oder photographierte Iris in Segmente ein
(diese Einteilung ist aber – je nach »Diagnoseschule«
– nicht einheitlich). Sie sehen das Auge als »Spiegel
des Körpers« und glauben daran, daß von allen
Teilen des Körpers (von jedem Organ) direkte Nervenverbindungen
zur Iris bestehen, wobei die rechte Körperhälfte
in der rechten Iris erkennbar ist, die linke Seite im linken
Auge, und es daher möglich sei, an Hand von Veränderungen
am Auge Erkrankungen diagnostizieren zu können.
So sollen sich beispielsweise Gallenwegserkrankungen in der
rechten Iris, etwa in Position »Viertel vor acht«,
zeigen.
PERSÖNLICHE
BEWERTUNG
Die »Wissenschaft von der Iridologie« beruht auf
falschen anatomischen Vorstellungen.
Schon 1961 konnte der Anatom Rohen beweisen, daß es
keine Nervenbahnen gibt, die den ganzen Körper mit der
Iris verbinden. Auch die Behauptung der Iridologen, »die
rechte Körperhälfte projiziere sich auf die rechte
Iris« geht von falschen Voraussetzungen aus, weil sich
die Nervenbahnen des Rückenmarkes nach dem Eintritt ins
Gehirn überschneiden und die rechte Körperhälfte
sich in der Iris des linken Auges repräsentieren müßte
und umgekehrt (Arbeiten von Prof. Irmgard Oepens).
Außerdem finden sich die »Iris-Positionen von
Organen« auf rund zwanzig verschiedenen Iriskarten an
voneinander abweichenden Stellen.
Doch viel entscheidender als jede Theorie sind praktische
Beobachtungen am Patienten.
Daher wurden immer wieder bekannte Iridologen ersucht, ihre
»Künste« – unter kontrollierten Bedingungen
– direkt am Patienten zu beweisen.
Im Jahre 1979 untersuchten drei bekannte US-Iridologen (u.
a. Bernard Jensen) 143 gesunde und nachweislich kranke Versuchspersonen
in bezug auf Nierenschäden, wobei die Trefferquote absolut
katastrophal ausgefallen ist (An evaluation of Iridology,
J. Am. Med. Assoc. 242, 1979).
Ähnliche Ergebnisse lieferten Untersuchungen unter Beteiligung
von bekannten australischen und niederländischen Iridologen
(A study of validity of iris diagnosis, Aust. J. Optometry
64, 1981 und Looking for gall blader disease in the patients
iris, Br. Med. J. 297, 1988).
Unterschiedliche Farbflecken an der Iris mögen zwar hübsch
zum Anschauen sein, sie sind aber normale Variationen der
gesunden Iris und nur ganz selten Ausdruck von irgendwelchen
Erkrankungen.
Medizinische Diagnosen mittels Irisdiagnostik sind daher im
Lichte der Wissenschaft etwa so zuverlässig wie die Aussagen
des Orakels von Delphi, möglicherweise aber teurer.
Text:
© Dr. med. Theodor Much
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