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Gesundheit & Naturmedizin

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Der veräppelte Patient?
Alternativmedizin zwischen (Aber-)Glauben und Wissenschaft

Autor: Dr. med. Theodor Much

gebunden mit Schutzumschlag, 192 Seiten
erschienen: 2003
Edition Va Bene
ISBN: 3-85167-143-0
Preis: 23,90 €

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Textauszug:

BLÜTENSCHWINGUNGEN FÜRS GEMÜT:
BACH-BLÜTENTHERAPIE

»Unsere Erfahrung setzt sich mehr aus verlorenen
Illusionen zusammen, als aus gewonnenen Einsichten.«
(Joseph Roux)

Dieses Heilverfahren ist nach seinem Begründer Dr. Edward Bach (1880–1936) benannt.
Er war der Überzeugung, »daß Krankheiten letztlich durch einen Konflikt zwischen Seele und Geist entstehen«. Dieser Konflikt liegt nach Dr. Bach darin begründet, »daß man durch eigene weltliche Bedürfnisse oder fremde Einflüsse von dem Pfad abweicht, den die Seele weist«.
»Göttlich inspiriert« – wie er glaubte – ermittelte Dr. Bach 38 nahe seinem Haus wild wachsende Blüten, die »jeweils einen bestimmten negativen Gemütszustand positiv beeinflussen« (auch Mischungen von bis zu sechs Essenzen sind möglich).
Die Einnahme von Blütenauszügen soll »negative Gedanken und Gefühle in Harmonie bringen«. Die Stechpalme etwa »wirkt gegen Eifersucht, die Rotbuche gegen Arroganz und Intoleranz.«
Nach Überzeugung seiner Anhänger, »kann solcherweise die organische Krankheit durch Beseitigung von Blockaden im bioenergetischen Feld und Ausgleich der negativen Grundverstimmung heilen, und selbst Charakterschwächen werden durch Bachblüten beseitigt.«
Bekanntlich verwendet auch die heutige Medizin (und nicht nur die »Alternativmedizin«) Medikamente, in denen pflanzliche Stoffe enthalten sind (Phytotherapie), doch in dem von Dr. Bach entwickelten Heilverfahren spielen die Pflanzeninhaltsstoffe anscheinend keine Rolle. Es sollen »feinste Schwingungen der Blüten (keine akustischen Schwingungen) sein, wobei jeder Blüte ein eigenes Schwingungsmuster zukommt, die heilsam auf die Seele wirken.«
Bach war davon überzeugt, daß er – nach langjähriger Meditation und Studium der Natur – »eine besondere Sensibilität entwickelt hatte, die es ihm ermöglichte, die Blütenschwingungen zu spüren und intuitiv richtig einzusetzen«. Mit Hilfe von Sonnenlicht glaubte er, »ihre positive Schwingungsenergie in Quellwasser übertragen zu können«, wobei zur Konservierung des Flascheninhaltes Alkohol (Cognac oder Brandy) zugesetzt wurde.
Als Hilfen zum Finden der richtigen Blütenessenz dienen heute zum Teil unwissenschaftliche Diagnose-Methoden wie Pendel, Elektroakupunktur nach Voll oder kinesiologische Tests (siehe: »Ping-Pong der Schwingungen: Bioresonanz und Kinesiologie«).

PERSÖNLICHE BEWERTUNG
Bachs Blütenauswahl und Herstellung seiner Essenzen waren lediglich ein Ergebnis seiner Intuition. Über die angeblichen positiven Wirkungen von Bachblüten gibt es keine seriösen wissenschaftlichen Arbeiten, lediglich subjektiv gefärbte Einzelberichte.
In der Duisburger Frauenklinik hingegen wurden 205 Gebärende in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhielt eine spezielle Blütenmischung (»Rescue-Tropfen«) gegen Angst, Schmerzen und Krämpfe, die Kontrollgruppe bekam ein Placebo. Das Ergebnis: In den Kriterien Schmerzmittelverbrauch, Geschwindigkeit der Muttermundöffnung und subjektives Erleben ergaben sich keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen.
Selbst wenn Bachblüten kaum Nebenwirkungen verursachen, besteht immer wieder die Gefahr, daß Erstsymptome von gefährlichen Krankheiten (wie Krebs) infolge von Fehldeutungen und Zeitverlust nicht rechtzeitig erkannt werden und dadurch lebensrettende Gegenmaßnahmen unterlassen werden.
Die Grundidee »von den heilenden, feinen Blütenschwingungen« ist hübsch, aber leider nur ein schönes Märchen.
Unser (leider sehr aggressiver und wenig esoterisch veranlagter) Cairn-Terrier ließ sich jedenfalls durch teure »Rescue-Tropfen« nicht beeindrucken.

LITERATUR
Alternative Medizin im Test: Bachblütentherapie, F. Wittig (Sonde) • Bachblüten (Stiftung Warentest, Berlin, 1992) • Die übersinnlichen Phänomene im Test, B. Harder (Pattloch, 1996)


FOR YOUR EYES ONLY: IRISDIAGNOSTIK

»Auf einen Irrtum aufmerksam gemacht
geht der Weise schweigend in sich,
der Schlaue sucht eine Ausrede,
und der Narr beschönigt ihn.«
(unbekannter Autor)

Die Irisdiagnostik geht auf die Thesen von Philippus Meynes (1670) zurück. Entwickelt wurde die Methode vom ungarischen Arzt Ignaz van Peczely im Jahre 1881, der angeblich in den Augen einer Eule, die sich ein Bein gebrochen hatte, besondere Veränderungen der Iris (Regenbogenhaut) bemerkte.
Irisdiagnostiker (Iridologen) teilen die von ihnen mit einer Lupe betrachtete oder photographierte Iris in Segmente ein (diese Einteilung ist aber – je nach »Diagnoseschule« – nicht einheitlich). Sie sehen das Auge als »Spiegel des Körpers« und glauben daran, daß von allen Teilen des Körpers (von jedem Organ) direkte Nervenverbindungen zur Iris bestehen, wobei die rechte Körperhälfte in der rechten Iris erkennbar ist, die linke Seite im linken Auge, und es daher möglich sei, an Hand von Veränderungen am Auge Erkrankungen diagnostizieren zu können.
So sollen sich beispielsweise Gallenwegserkrankungen in der rechten Iris, etwa in Position »Viertel vor acht«, zeigen.

PERSÖNLICHE BEWERTUNG
Die »Wissenschaft von der Iridologie« beruht auf falschen anatomischen Vorstellungen.
Schon 1961 konnte der Anatom Rohen beweisen, daß es keine Nervenbahnen gibt, die den ganzen Körper mit der Iris verbinden. Auch die Behauptung der Iridologen, »die rechte Körperhälfte projiziere sich auf die rechte Iris« geht von falschen Voraussetzungen aus, weil sich die Nervenbahnen des Rückenmarkes nach dem Eintritt ins Gehirn überschneiden und die rechte Körperhälfte sich in der Iris des linken Auges repräsentieren müßte und umgekehrt (Arbeiten von Prof. Irmgard Oepens).
Außerdem finden sich die »Iris-Positionen von Organen« auf rund zwanzig verschiedenen Iriskarten an voneinander abweichenden Stellen.
Doch viel entscheidender als jede Theorie sind praktische Beobachtungen am Patienten.
Daher wurden immer wieder bekannte Iridologen ersucht, ihre »Künste« – unter kontrollierten Bedingungen – direkt am Patienten zu beweisen.
Im Jahre 1979 untersuchten drei bekannte US-Iridologen (u. a. Bernard Jensen) 143 gesunde und nachweislich kranke Versuchspersonen in bezug auf Nierenschäden, wobei die Trefferquote absolut katastrophal ausgefallen ist (An evaluation of Iridology, J. Am. Med. Assoc. 242, 1979).
Ähnliche Ergebnisse lieferten Untersuchungen unter Beteiligung von bekannten australischen und niederländischen Iridologen (A study of validity of iris diagnosis, Aust. J. Optometry 64, 1981 und Looking for gall blader disease in the patients iris, Br. Med. J. 297, 1988).
Unterschiedliche Farbflecken an der Iris mögen zwar hübsch zum Anschauen sein, sie sind aber normale Variationen der gesunden Iris und nur ganz selten Ausdruck von irgendwelchen Erkrankungen.
Medizinische Diagnosen mittels Irisdiagnostik sind daher im Lichte der Wissenschaft etwa so zuverlässig wie die Aussagen des Orakels von Delphi, möglicherweise aber teurer.

Text: © Dr. med. Theodor Much

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Dr. med. Theodor Much
Bruderzwist im Hause Israel (1999)
Judentum, wie es wirklich ist (1997)
Leitfaden der praktischen Dermatologie (1994)
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