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Inhalt:
Der Titel ist Programm. Widmer schreibt über das, was uns am nächsten ist.Welche Rolle spielt für uns das Geld? Wie definieren wir uns durch die Arbeit? Was macht uns angst? Was glücklich? Sie spannen den Bogen vom Alltäglichen zum gesellschaftlichen Problem: Sie beschreiben das Erlöschen des kollektiven Gedächtnisses, die Hysterie unserer Gesellschaft, das
Katastrophenjahr 2001. Sie handeln von der Unsterblichkeit, vom ersten Rapper Homer und vom Wunsch, einmal mit dem Hirn eines anderen zu denken.
Man erfährt von Trinkgewohnheiten und unserem Umgang mit Körper und Geist. Und wieso Schweizer und Deutsche im gegenseitigen Verhältnis die Vorurteile kultivieren. Gefolgt von brillanten Essays über die ambivalenten Helden Nabokovs und über Joseph Conrads Herz der Finsternis. Und einem Abriß helvetischer Geschichte anläßlich Gottfried Kellers Das Fähnlein der sieben Aufrechten. >Unterhaltung bedeutet, daß wir atemlos, mit all unseren Sinnen,
mit Herz und Kopf bei der Sache sind. Im idealen Fall sind das Ernste und die Unterhaltung dasselbe<, sagt Urs Widmer in diesem Buch. Seine Kolumnen und Essays lösen diesen Anspruch ein.
(©
2004 Diogenes Verlag)
Buchbesprechung - Rezension:
Der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer, zuletzt sehr erfolgreich mit seinen beiden Familiensaga-Romanen Der Geliebte der Mutter und Das Buch des Vaters, präsentiert jetzt eine Fülle geistreicher Kolumnen - kurze Texte, die man als kluge und amüsante Mini-Essays bezeichnen könnte. Pointiert greift der Autor darin die Themen unserer Tage auf. Leichthändig und streitfreudig erzählt Widmer von den wichtigen und unwichtigen Dingen unserer Welt. Kolumnen als für den Tag geschriebene Reflexionen sind ja meist nach Jahren kaum noch lesenswert, doch diese Beobachtungen und Gedankenschnipsel bilden eine Ausnahme.
Das Buch versammelt Texte, die im letzten Jahrzehnt entstanden sind, und beginnt mit dem Abdruck einer Rede Das Geld, die Arbeit, die Angst, das Glück, die Urs Widmer im Dezember 2000 im Schauspielhaus Zürich gehalten hat. Es ist ein ironischer Text über die Geschichte des Geldes und die Beziehung des Menschen dazu. Geld macht nicht glücklich, aber kein Geld macht unglücklich. In diesem Dilemma bewegen wir uns, so der Autor selbst in einem Interview. Es folgen Kolumnen, die vor drei Jahren für das "Magazin" des Züricher "Tages-Anzeiger" geschrieben wurden. Der Autor denkt darin z.B. besinnlich und heiter über "Moral, Autorität und Freiheit" nach, aber auch über Unsterblichkeit und Kulturkatastrophen. Dabei will er keine Antworten auf die häufig guten Fragen geben, denn die wären ihm dann zu klar und eindeutig.
Im dritten Teil wird es literarisch mit drei Essays über Vladimir Nabokov, Joseph Conrad und Gottfried Keller. So geht Widmer im längsten Beitrag des Buches der Frage nach, warum gerade das Fähnlein der sieben Aufrechten zum bekanntesten Werk Kellers wurde. Den Abschluss der 270 Seiten bildet der Kuhschweizer als Sauschwabe, eine unterhaltsame und doch todernste Betrachtung über alles Fremde.
Auf abenteuerliche Streifzüge hat sich Urs Widmer mit seinen Kolumnen begeben. Die mitunter banalen Feuilletonthemen sind jedoch nicht sein Gegenstand, sondern die menschlichen und gesellschaftlichen Themen, die er hinterfragt. Zur Hilfe kommt dabei dem Autor natürlich seine schriftstellerische Tätigkeit, durch die so manches Alltagsthema eine literarische Tiefe bekommt. Beiläufiges wendet er ins Exemplarische ohne dabei ins Klagen über die Unvollkommenheit und den Jammer der menschlichen Gesellschaft zu verfallen. Sich Gedanken machen: Das ist das Anliegen von Urs Widmer, das er vermitteln will und damit seinen Lesern ein Stück Selbsterkenntnis ermöglicht. Mit leisem Humor und scharfsinniger Ironie entdeckt er die Höhen und Tiefen unserer Tage. Einfach Kolumnen zum Vergnügen!
(©
2004 Manfred Orlick für all-around-new-books.de)
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