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Rückentext:
Eine ländliche Gegend nördlich von London. Hier
stößt der Kunsthistoriker Martin Clay auf ein altes
Gemälde, das er für einen verschollenen Bruegel
hält. Und schon packt ihn die Gier: Wie kann er das Bild
unauffällig in seinen Besitz bringen?
Ein
rasanter, witziger und doppelbödiger Roman über
die Liebe zum Leben, zur Kunst und zum Besitz.
(©
2004 dtv Verlag)
Fazit:
Michael Frayn lässt in Das verschollene Bild
einen etwas merkwürdigen, labilen Charakter sich über
seine Begeisterungsfähigkeit in eine Farce hineinsteigern.
Als der etwas sprunghafte Kunsthistoriker Martin Clay bei
seinem ländlichen Nachbarn ein Bild entdeckt, das er
für einen Bruegel hält, ist es um ihn geschehen.
Er will das Bild in seinen Besitz kriegen, die Welt der Kunsthistoriker
und Analysten mal so richtig beeindrucken, aber vor allem
endlich mal gegenüber seiner Frau Kate Recht behalten
und ihr zeigen, dass auch er was auf dem Kasten hat.
Für
Kunstinteressierte ist das Buch von Frayn ein Leckerbissen.
Detailliert und sachkundig führt Frayn uns in diverse
Kunsttheorien und -begrifflichkeiten ein. Er zeigt auf amüsante
Weise, wie unterschiedlich ein Bild interpretiert werden kann,
was alles beachtet werden muss, wie verknüpft Geschichte
und Malerei sind. Durchaus auch kritisch, denn wahrscheinlich
kann in der Realität auch der bekannteste Kunstexperte
nicht mit 100-iger Sicherheit sagen, ob ein neu entdecktes
Bild von einem bestimmten Meister gemalt wurde oder nicht?
Allein die kurze Abhandlung, wie sich Bruegel nun eigentlich
in Wirklichkeit geschrieben hat, macht dieses Buch lesenwert.
Andererseits
wird das Buch durch Martins Sprunghaftigkeit und verletzte
Eitelkeit sehr anstrengend. Martin jagt von Theorie zu Theorie,
Interpretation zu Interpretation, tapst von einem Fettnäpfchen
ins nächste, hofft, bangt, verschließt sich nach
Niederlagen, ringt umso besessener um die Bestätigung
seines Wunschtraumes und verscherzt es sich so mit jeder im
Buch vorkommenden Person - inklusive dem Leser. Es wird von
Seite zu Seite immer hektischer und auch atemloser geschrieben.
Frayn tut dies bewusst. Es erzeugt einen spannenden Kontrast
zu den kunsthistorischen Ausführungen. Aber es kostet
sein Buch die Spannung, denn es dürfte jedem Leser spätestens
nach der guten Hälfte klar sein, dass es mit Martin kein
gutes Ende nehmen kann.
Vielleicht
ist das Buch auch ein besonderer Leckerbissen für Frauen,
die sich mal so richtig über einen Typen aufregen wollen,
der in einer Beziehung einfach alles falsch macht und selbst
zum Fremdgehen zu ungeschickt ist. Seit gestern ist ja wieder
"Sex in the City"-lose Zeit ...
(©
2004 Philip Schreiterer für all-around-new-books.de,
24.04.2004)
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