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Inhalt:
Venedig 1478: Aus den trüben Wassern der Lagune wird
vor den Augen des deutschen Händlers Peter Bernward die
Leiche eines Kindes geborgen. Bald darauf komen zwei weitere
Kinder ums Leben - Gassenjungen, die als Zeugen gesucht wurden.
Wussten sie zu viel? Bernward beschließt, den wenigen
Hinweisen nachzugehen. Dabei dringt er tief in das Räderwerk
der Macht vor, mit der Venedig seit 400 Jahren den Handel
in Europa kontrolliert - und gerät in ein Netz aus Verbrechen
und Intrigen, das die dunkle Seite der Stadt offenbart ...
(© 2004 Bastei Lübbe Verlag)
Fazit:
Kaum
in Venedig angekommen wird der deutsche Kaufmann Peter Bernward
gebeten, bei der Suche nach einem vermissten Jungen zu helfen.
Noch bevor er sich aber dieser Aufgabe widmen kann, wird der
Junge tot aufgefunden. Die Angelegenheit lässt ihn nicht
unberührt und als dann auch noch einer der Gassenjungen,
die sich als Zeugen gemeldet hatten, ermordet wird, ermittelt
er auf eigene Faust. Eine nicht ungefährliche Entscheidung,
führen ihn die Recherchen doch zu den Abgründen
der herrschenden Schichten der Lagunenstadt.
Zum dritten Mal verwickelt Richard Dübell
seinen Protagonisten Peter Bernward in undurchsichtige Ereignisse
des europäischen Spätmittelalters, nachdem er in
Florenz war, nun in Venedig. Wer dies jedoch nicht weiß,
findet nur wenige Hinweise darauf, da der Roman vollständig
aus sich selbst heraus verständlich ist.
Venedig
fasziniert noch heute durch seine ungewöhnliche Architektur
und das für Fremde undurchschaubare Gewirr von Gassen
und Wasserwegen, die hier oft ausführlich beschrieben
werden, wenn Peter Bernward versucht, ohne Hilfe an ein Ziel
zu gelangen. Er ist es gewohnt, sich in den besseren Kreisen
zu bewegen, so dass ihn die Pracht der Patrizierhäuser
wenig beeindruckt, wohl aber die Armut vieler Stadtteile.
Da er selbst von seinen Erlebnissen berichtet, erfährt
auch der Leser wenig von Prunk und Pracht des mittelalterlichen
Venedig, aber viel über seine gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Strukturen, in denen die Kaufleute über
Macht verfügen. Langsam erschließen sich die Abgründe,
in welche die Mächtigen unter Ausnutzung Wehrloser hinabsinken;
doch ihr Geld und ihre Macht schützen sie vor der Entdeckung.
Richard
Dübell erhält die Spannung bis zuletzt, indem er
vage Andeutungen macht und einige unerwartete Wandlungen einfügt.
Oft jedoch fragt sich der Leser, wie begriffsstutzig Peter
Bernward ist und wann ihm Offensichtliches endlich klar wird.
Dabei sind seine Gedanken in die falsche Richtung aber so
gut dargelegt, dass seine Schlüsse für ihn und somit
auch für den Leser logisch sind. Er ist kein strahlender
Held, sondern eine Figur mit Fehlern und Schwächen.
Nicht
nur die Morde beschäftigen Bernward. Schwer krank war
seine Gefährtin Jana, als sie in Venedig ankamen und
nur ganz langsam erholt sie sich. So hält Dübell
sie aus den Ermittlungen heraus, was nötig ist, da sich
im Venedig dieser Zeit ehrbare Frauen nicht auf der Straße
zeigten. Zudem bietet er eine Nebenhandlung und die Verknüpfung
mit Figuren, die für die Haupthandlung bedeutend sind
und zuletzt lernt der Leser Bernwards ihn belastende Vergangenheit
kennen, von der dieser sich langsam befreien kann. Auch andere
Charaktere erhalten Profil und Tiefe durch ausgearbeitete
Hintergründe. Ihre Probleme lassen tief blicken und regen
oft zur Reflektion an.
Zwar
wird aus der Sicht der Hauptfigur erzählt, doch geschieht
dies im Rückblick, mit Wiedergabe der Gespräche
und sehr plastisch. Der Leser erfährt viel über
die Eindrücke, die sich Bernward bieten. Auch durch die
immer wieder erwähnten Sprachbarrieren und dadurch, dass
die Venezianer die deutschen Namen der Charaktere in ihrer
italienischen Form aussprechen, wird viel Stimmung und Authentizität
vermittelt.
Ein Nachwort erläutert den wahren Kern
der Geschichte und die Intention des Autors, dieses Buch zu
schreiben. Er will erinnern, wie grausam manche Menschen,
leider noch heute, Kinder für ihre Interessen und vermeintlichen
sexuellen Bedürfnisse einsetzen. Ein Vorhaben, das er
nicht durch direkte Beschreibungen der Qualen der Kinder umsetzt.
Bernward und dem Leser ist zwar klar, was den Kindern widerfährt,
aber sie sind nicht dabei. Zusätzlich gibt es noch eine
kleine Literaturliste und den Quellenverweis für die
fünf Wiedergaben mittelalterlicher Gemälde, die
zu Beginn eines jeden Kapitels abgedruckt sind.
Ein
historischer Kriminalroman, der viel Wissen über das
mittelalterliche Venedig vermittelt und den Leser mit seiner
Mischung aus Wissensvorsprung, offenen Fragen, unerwarteten
Wandlungen und durch sympathische Charaktere bindet.
(©
2004 Stefanie Brink für all-around-new-books.de)
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