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Die schwarzen Wasser von San Marco

Autor: Richard Dübell

Taschenbuch, 542 Seiten
erschienen: März 2004
Bastei Lübbe
ISBN: 3-404-15102-X
Preis: 8,90 €

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Inhalt:
Venedig 1478: Aus den trüben Wassern der Lagune wird vor den Augen des deutschen Händlers Peter Bernward die Leiche eines Kindes geborgen. Bald darauf komen zwei weitere Kinder ums Leben - Gassenjungen, die als Zeugen gesucht wurden. Wussten sie zu viel? Bernward beschließt, den wenigen Hinweisen nachzugehen. Dabei dringt er tief in das Räderwerk der Macht vor, mit der Venedig seit 400 Jahren den Handel in Europa kontrolliert - und gerät in ein Netz aus Verbrechen und Intrigen, das die dunkle Seite der Stadt offenbart ...

(© 2004 Bastei Lübbe Verlag)


Fazit:
Kaum in Venedig angekommen wird der deutsche Kaufmann Peter Bernward gebeten, bei der Suche nach einem vermissten Jungen zu helfen. Noch bevor er sich aber dieser Aufgabe widmen kann, wird der Junge tot aufgefunden. Die Angelegenheit lässt ihn nicht unberührt und als dann auch noch einer der Gassenjungen, die sich als Zeugen gemeldet hatten, ermordet wird, ermittelt er auf eigene Faust. Eine nicht ungefährliche Entscheidung, führen ihn die Recherchen doch zu den Abgründen der herrschenden Schichten der Lagunenstadt.

Zum dritten Mal verwickelt Richard Dübell seinen Protagonisten Peter Bernward in undurchsichtige Ereignisse des europäischen Spätmittelalters, nachdem er in Florenz war, nun in Venedig. Wer dies jedoch nicht weiß, findet nur wenige Hinweise darauf, da der Roman vollständig aus sich selbst heraus verständlich ist.

Venedig fasziniert noch heute durch seine ungewöhnliche Architektur und das für Fremde undurchschaubare Gewirr von Gassen und Wasserwegen, die hier oft ausführlich beschrieben werden, wenn Peter Bernward versucht, ohne Hilfe an ein Ziel zu gelangen. Er ist es gewohnt, sich in den besseren Kreisen zu bewegen, so dass ihn die Pracht der Patrizierhäuser wenig beeindruckt, wohl aber die Armut vieler Stadtteile. Da er selbst von seinen Erlebnissen berichtet, erfährt auch der Leser wenig von Prunk und Pracht des mittelalterlichen Venedig, aber viel über seine gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen, in denen die Kaufleute über Macht verfügen. Langsam erschließen sich die Abgründe, in welche die Mächtigen unter Ausnutzung Wehrloser hinabsinken; doch ihr Geld und ihre Macht schützen sie vor der Entdeckung.

Richard Dübell erhält die Spannung bis zuletzt, indem er vage Andeutungen macht und einige unerwartete Wandlungen einfügt. Oft jedoch fragt sich der Leser, wie begriffsstutzig Peter Bernward ist und wann ihm Offensichtliches endlich klar wird. Dabei sind seine Gedanken in die falsche Richtung aber so gut dargelegt, dass seine Schlüsse für ihn und somit auch für den Leser logisch sind. Er ist kein strahlender Held, sondern eine Figur mit Fehlern und Schwächen.

Nicht nur die Morde beschäftigen Bernward. Schwer krank war seine Gefährtin Jana, als sie in Venedig ankamen und nur ganz langsam erholt sie sich. So hält Dübell sie aus den Ermittlungen heraus, was nötig ist, da sich im Venedig dieser Zeit ehrbare Frauen nicht auf der Straße zeigten. Zudem bietet er eine Nebenhandlung und die Verknüpfung mit Figuren, die für die Haupthandlung bedeutend sind und zuletzt lernt der Leser Bernwards ihn belastende Vergangenheit kennen, von der dieser sich langsam befreien kann. Auch andere Charaktere erhalten Profil und Tiefe durch ausgearbeitete Hintergründe. Ihre Probleme lassen tief blicken und regen oft zur Reflektion an.

Zwar wird aus der Sicht der Hauptfigur erzählt, doch geschieht dies im Rückblick, mit Wiedergabe der Gespräche und sehr plastisch. Der Leser erfährt viel über die Eindrücke, die sich Bernward bieten. Auch durch die immer wieder erwähnten Sprachbarrieren und dadurch, dass die Venezianer die deutschen Namen der Charaktere in ihrer italienischen Form aussprechen, wird viel Stimmung und Authentizität vermittelt.

Ein Nachwort erläutert den wahren Kern der Geschichte und die Intention des Autors, dieses Buch zu schreiben. Er will erinnern, wie grausam manche Menschen, leider noch heute, Kinder für ihre Interessen und vermeintlichen sexuellen Bedürfnisse einsetzen. Ein Vorhaben, das er nicht durch direkte Beschreibungen der Qualen der Kinder umsetzt. Bernward und dem Leser ist zwar klar, was den Kindern widerfährt, aber sie sind nicht dabei. Zusätzlich gibt es noch eine kleine Literaturliste und den Quellenverweis für die fünf Wiedergaben mittelalterlicher Gemälde, die zu Beginn eines jeden Kapitels abgedruckt sind.

Ein historischer Kriminalroman, der viel Wissen über das mittelalterliche Venedig vermittelt und den Leser mit seiner Mischung aus Wissensvorsprung, offenen Fragen, unerwarteten Wandlungen und durch sympathische Charaktere bindet.

(© 2004 Stefanie Brink für all-around-new-books.de)

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