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Rückentext:
Als Edgar Drake 1886 den Auftrag erhält, London
zu verlassen und im Dschungel von Birma ein Grand Piano
zu stimmen, ahnt er nicht, auf welches Abenteuer er
sich da einlässt. Der kostbare Flügel gehört
einem englischen Militärarzt und Weltverbesserer,
der die Krone täuscht und eigenmächtig Verhandlungen
mit aufständischen Clans und Warlords führt.
Der Klavierstimmer ist von diesem Individualisten, der
den Birmanesen Musik und Poesie nahe bringen will, ebenso
sehr fasziniert wie von der exotischen Landschaft und
gerät immer tiefer in die Konflikte jener Region
...
(©
2003 Karl Blessing Verlag)
Fazit:
Edgar
Drake ist seit vielen Jahren glücklich mit Katherine
verheiratet und stimmt mit Hingabe und sehr viel Sach-
und Fachverstand die Klaviere seiner anspruchsvollen
Kundschaft. Dabei hat er sich auf Erard-Pianos spezialisiert.
Seine Frau Katherine schätzt besonders seine ausgeprägten
Fähigkeiten des Zuhörens und seine sensiblen
Hände, die es auch verstehen, sie zu stimulieren.
Als er den Auftrag des British War Office annimmt, einen
echten Erard-Flügel im Dschungel von Birma zu stimmen,
wird es ein tränenreicher Abschied von Katherine.
Für Drake wird es eine lange, beschwerliche Reise,
die über Calais, Kalkutta und dann nach Rangun
führt. Alle Einzelheiten berichtet er seiner Frau
getreulich in langen Briefen.
Schon während der Reise trifft er die seltsamsten
Leute und hört die seltsamsten Gerüchte über
den Militärarzt Anthony Carroll, der sich unter
großen Opfern ein Piano in seine Festung Mae Lwin
transportieren lassen hat. Er scheint ein sehr zwiespältiger
Charakter zu sein, der auf der einen Seite mit Drogen
handelt, aber andererseits hervorragende Kontakte zu
den Einheimischen hat und sich dem Militär dadurch
unentbehrlich gemacht hat. Sein Leitfaden ist, das Beste
aus der Zivilisation zu geben, um die Birmanen zu überzeugen.
Und das Beste neben der Medizin ist nun einmal die Musik.
Drake
ist von dieser Einstellung sehr angetan.
In
Mandalay, dem nächsten Anlaufpunkt seiner Reise,
erfährt er, dass Carrolls Stützpunkt von Aufständischen
angegriffen wurde. Carrolls schickt eine Botin namens
Khin Myo und einen Begleiter. Entgegen des Rates der
Offiziere und ohne sich bei ihnen abzumelden, macht
sich Drake mit diesen beiden auf den Weg zu einem aufregenden
Marsch durch den Dschungel. Schon jetzt hat er das Gefühl,
noch nie einer so aufregenden Frau wie Khin Myo begegnet
zu sein.
Endlich am Stützpunkt angekommen, entdeckt er eine
für ihn völlig fremde Welt aus Rosen, Orchideen
und Hibiskus und mitten darin Hütten, die auf Stelzen
gebaut wurden. Er ist überwältigt von diesem
Paradies.
Den Erard-Flügel kann er sehr schnell stimmen und
reparieren, sich aber nicht entschließen, nach
dieser Arbeit diese neue und faszinierende Welt gleich
wieder zu verlassen. Stattdessen nimmt er intensiv Anteil
an der Arbeit von Anthony Carroll und ist begeistert
von dessen Gegensätzlichkeiten. Er verliebt sich
immer mehr in Khin Myo, obwohl er ahnt, dass sie die
Geliebte des Militärarztes ist. Als Warlords Mae
Lwin angreifen und er mit Khin Myo flüchten will,
befiehlt ihm Carroll, das Erard-Piano in Sicherheit
zu bringen und er tritt – ohne Khin Myo –
den Rückzug durch den Dschungel an. Unterwegs wird
er von seinen eigenen Leuten gefangen genommen und der
Spionage angeklagt. In seiner gutgläubigen, sehr
naiven Art glaubt er, dass dies alles ein Irrtum sein
muss und man nicht ernsthaft glauben kann, dass er sich
zum Komplizen eines Verräters gemacht hat. Er kann
sich von den Briten befreien und das Piano entwenden,
doch endet seine Flucht tödlich mit dem Traum von
Khin Myo.
Obwohl
es sein erster Roman ist, ist es Daniel Mason hervorragend
gelungen, die unterschiedlichen Charaktere der Romanfiguren
zu schildern. Einmal den gutgläubigen, rechtschaffenden
und naiven Drake, dann die etwas unwirkliche, zauberhafte
Khin-Myo und natürlich den Arzt Carroll, der auf
der einen Seite der Wohltäter ist und andererseits
der energische Verfechter seiner rebellischen Ideen.
Sprachlich und literarisch ist das Buch ein Hochgenuss,
wenn vielleicht auch streckenweise das Stimmen und der
Aufbau eines Pianos etwas zu langatmig und detailliert
beschrieben ist. Auf jeden Fall aber ein Lesegenuss.
(©
2003 Iris Nätebus für all-around-new-books.de)
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