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Rückentext:
Margaret wächst in kleinbürgerlichen Verhältnissen
auf und versucht schon früh, ihrer engen Umgebung zu
entfliehen. Sie nimmt Gesangsstunden und zieht nach Berlin,
wo sie in einem Jazzclub singt und Oscar begegnet. Sie folgt
ihm nach Argentinien in eine großbürgerliche Existenz.
Doch auch in Buenos Aires findet die junge Frau keine Erfüllung,
und so zieht sie weiter bis sie erkennt, dass sie nicht
vor ihrem Leben davonlaufen kann.
(©
2004 Goldmann Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
„In dieser Familie werden Tragödien zelebriert wie Picknicks
im Park.“ Vier Schwestern, alle rothaarig ... und dann gleich
zu Beginn die Katastrophe ... ein roter Ball rollt auf die
Straße ... das Kind läuft hinterher ... ein Auto fährt zu
schnell ... der Schrei und der Aufprall treffen zusammen ...
nun waren sie nur noch zu dritt.
Eine Familiengeschichte von Anna, Margareta, Rita und Greta,
wobei nie so recht klar ist: Wer ist wer? Da ist Margareta,
die Jüngste, die alle Rita rufen und die ihrer dominanten
Mutter Gesangsunterricht abtrotzt. Sie will Sängerin werden,
ausgerechnet Wagner-Interpretin, und gibt dafür ihr ganzes
Geld her. Es ist eine der vielen Fluchten, die sie unternimmt,
um den engen, kleinbürgerlichen Verhältnissen zu entfliehen.
Endlich kommt es zu einem Vorsingen an der Frankfurter Oper,
doch das Liebesduett der Isolde endet mit einem Desaster.
Ihre Stimme ist einfach zu jung, um einen Wagnertod zu sterben.
Die Reise durch den Roman geht weiter ... man muss nur aussteigen
an einem fremden Ort ... ein neuer Name: Greta. Oder ist es
Rita? Die Sechsundzwanzigjährige tingelt in der „Hölle“, einem
illegalen Nachtclub in Tegel, wo sie von Mitternacht bis fünf
Uhr morgens auf der Bühne steht. Die Musik ist das, was sie
am Leben hält und zerstört. Was hat sie zu verlieren? Nicht
viel, die Hölle und den Jazz. Sie lebt in den Tag hinein,
immer am Rande der Legalität, bis sie dem wohlhabenden Argentinier
Oscar begegnet, der sie nach Buenos Aires mitnimmt.
Nun ist sie Margarita, eine verheiratete Frau, die in der
neuen Heimat kein Wort versteht. Sie bleibt fremd in der „Villa
Freud“, selbst Oscars Familie akzeptiert sie nicht. Als sie
das Kind verliert, auf das sich ihr Mann so gefreut hat, ist
auch dieser Lebensabschnitt zu Ende. Eines Morgens bricht
sie auf und es verschlägt sie ans Ende der Welt, nach Feuerland.
Dort heißt sie Meg und arbeitet in der Küche eines schäbigen
Restaurants. Sie verliebt sich in Mungo, die Besitzerin mit
dem kirschroten Mund. Doch sie erkennt, auch das ist nicht
die Endstation ihrer Sehnsucht. Und so kehrt sie als Margareta
wieder nach Deutschland zurück, wo der unglückselige, rote
Ball immer noch im Zimmer liegt.
Die österreichische Schriftstellerin Christine Grän schafft
in ihrem Roman vielschichtige Figuren, die einen geschlossenen
Kreis bilden. Getragen wird dieses Personenkarussell von der
Mystik der Wagnerschen Opernwelt, der Improvisation des Jazz
und der leidenschaftlichen Trauer des Tangos. Es ist ein ruheloses
und turbulentes Leben einer Frau, die ständig auf der Suche
ist. Die Autorin zeigt sich als literarische Expertin für
Familien- und Beziehungsfragen. Die an Dialogen arme Lektüre
ist mitunter eine Seiltanzakrobatik und doch von großer Leichtigkeit.
Ein Roman über die Wirrungen der Liebe und die Jagd nach dem
Glück.
(©
2005 Manfred Orlick für all-around-new-books.de)
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